Fasching in Stuttgart Narren, so bunt wie diese Stadt

Von Tilman Baur und Christoph Kutzer 

Bei zwei Empfängen im Stuttgarter Rathaus haben große und kleine Karnevalisten an Rosenmontag getanzt und gefeiert.

Am Nachmittag feiern die kleinen Gäste bunt verkleidet. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 5 Bilder
Am Nachmittag feiern die kleinen Gäste bunt verkleidet. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Hexen, Barone, Prinzessinnen und Nachtwächter: Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann hat am Rosenmontag um 11.11 Uhr solche und viele andere bunte Gestalten des Festkomitees Stuttgarter Karneval im Rathaus begrüßt. Sußmann bezeichnete sich als „Abgesandte“ des Oberbürgermeisters, der die närrische Meute noch im vergangenen Jahr persönlich willkommen geheißen hatte. Seine Vertreterin gab sich alle Mühe, ihre Premiere erfolgreich zu absolvieren. Zwar spricht Sußmann kein Schwäbisch, das vermeintliche Manko kompensierte sie aber durch ihr Häs, das aus einer Kittelschürze, um den Kopf gebundenen Putzschwämmen und einer Clownsnase bestand. Die selbsternannte „schwäbische Kehrwochen-Perle“ machte damit auch bei Anita Rösslein Eindruck, der Sprecherin des Festkomitees.

Spendierfreudiger Stadtsäckel

„Sie haben sich exzellent beraten lassen, denn so was muss man auch tragen können“, sagte Rösslein. Die Verbindung zwischen den Stuttgarter Vereinen und dem Rathaus sei nach wie vor gut, so Rösslein. Die Landeshauptstadt wisse man sehr zu schätzen: wegen ihrer offenen Türen zum einen, wegen ihres spendierfreudigen Stadtsäckels zum anderen.

Nach einer kurzen Büttenrede der Hausherrin und einer Gesangseinlage des Stuttgarter Karnevalsprinzen Harun I. behängten die Karnevalsvereine die Bürgermeisterin ausführlich mit Orden und bedachten sie mit Küsschen, bevor es mit Trommeln und Trompeten wieder raus auf den Marktplatz ging. Insgesamt gehören dem Komitee elf Vereine an, darunter die großen Gesellschaften Zigeunerinsel und Möbelwagen, die Schwarzen Husaren, der Cannstatter Quellenclub und die Stuttgarter Rössle.

„Am Rosenmontag, da bin ich geboren“, schallt es bei einer anderen Veranstaltung am Montag durchs Obergeschoss des Rathauses. Eine Ananas und ein Marienkäfer ziehen ihre Runden vor dem Panoramafenster, wo beim Kinderfasching der Stadtverwaltung in Kooperation mit der Karnevalsgesellschaft Möbelwagen die Tanzfläche eingerichtet ist.

„Ihr seid so bunt, wie diese Stadt bunt ist“, sagt die Sozialbürgermeisterin begeistert zu der jungen Besucherschar. Matrosen und Sternenkrieger, Mönche und Drachen tummeln sich am Mittag zwischen karnevalistischer Prominenz. „Ich war noch nie auf einem Kinderfasching“, gesteht Möbelwagen-Prinz Harun I – was ihn nicht hindert, sein Gesangs- und Animationstalent unter Beweis zu stellen. Da kann selbst Darth Vader nicht widerstehen, reiht sich in die Polonaise ein und twisted mit.

Stilecht kostümierter Gast

Ein paar Jugendliche freuen sich derweil, als abseits der Kiss-Bassist Gene Simmons auftaucht. Sie würdigen den stilecht kostümierten Gast mit Faustcheck. Einen Stock tiefer versuchen sich einige Mädchen an den ersten Gardetanzübungen. Der Schnupperkurs zeigt wie weit der Weg zu sportlichen Leistungen ist, wie sie Junioren Tanzmariechen Marina Dobler bei ihrer Einlage zeigt. „Ich finde es cool hier“, urteilt eine kleine Piratenbraut, die darauf wartet, dass der Luftballonverknoter ein Einhorn für sie fertigstellt. Wie viele andere Kinder ist sie erstmals im Rathaus. Thomas Klingenberg, Präsident der KG Möbelwagen, ist sichtlich zufrieden. Auch mit dem Widerhall beim traditionellen Ruf der Karnevalsgesellschaft – einem dreifachen „A-Ha“.

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