Top-Talent des VfB Stuttgart So steht es um den verletzten Lilian Egloff

Im Sommer vergangenen Jahres nahm alles seinen Anfang. Lilian Egloff verletzte sich am Sprunggelenk. Foto: Baumann

Hinter Lilian Egloff vom VfB Stuttgart liegen Monate der Enttäuschung – vor ihm die Perspektive, dass er bald wieder voll loslegen kann.

Sport: Gregor Preiß (gp)

Stuttgart - Um mit dem Positiven zu beginnen: Lilian Egloff geht es gut. Rein psychisch betrachtet. Noch steht der Fußballprofi des VfB Stuttgart nicht davor, im Viereck umherzuspringen und die Wände einzuschlagen. Auch wenn das angesichts der Leidensgeschichte des Jungprofis und der langen fußballlosen Zeit zu verstehen wäre. Lilian „Li“ Egloff aber macht sich nicht verrückt. Gerät nicht ins Grübeln oder gar Verzweifeln, sondern bleibt hoffnungsvoll und versucht der Malaise das Positive abzugewinnen.

 

Doch der Reihe nach. Egloff, 18 Jahre alt und heißestes Versprechen der VfB-Nachwuchsabteilung, ist seit Monaten abgetaucht. Wo seit Saisonbeginn andere Jungstars vom Wasen die Bundesliga aufmischen und die Schlagzeilen dominieren, findet der Name Egloff sportlich und medial nicht statt. Dabei stand er im vergangenen Sommer schon kurz davor, die große Bühne zu betreten. Nach einigen vielversprechenden Kurzeinsätzen in der zweiten Liga gingen nicht wenige davon aus, dass „der Beste seit Jahren“ (Einschätzung von VfB-Jugendtrainern) auch im Oberhaus auf sich aufmerksam machen würde.

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Doch dann kam Kitzbühel. Im Sommertrainingslager riss dem Jungen aus Bretzfeld nach einem Zweikampf das Syndesmoseband im rechten Sprunggelenk. Die Verletzung heilte nach den üblichen sechs Wochen aus, hatte aber ein langes Nachspiel. Auch wenn es kein Medizinier mit Sicherheit sagen kann, so gilt doch zumindest als möglich, dass das, was im Dezember folgte, in Zusammenhang mit der Sprunggelenksverletzung stehen muss.

In Egloffs Mittelfuß bildete sich ein Knochenödem. Eine Art Bluterguss, der immer wieder Schmerzen an verschiedenen Stellen des Körpers verursacht. Für Egloff, der es in der Hinrunde fünfmal in den Bundesliga-Kader geschafft und zu zwei Kurzeinsätzen gebracht hatte, ging es zurück in die Reha. Verbunden mit der Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr.

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Doch daraus wurde nichts. Vier Monate später ist Egloff, der Interviewanfragen ablehnt, noch immer in Behandlung. In der medizinischen Abteilung seines Vereins, aber auch bei Spezialisten in ganz Deutschland. Ein Ödem ist eine so langwierige wie komplexe Geschichte. Mithilfe spezieller Behandlungsmethoden wie der naturheilkundlich angehauchten Myoreflextherapie soll die Verletzung muskulär komplett ausheilen. Andere Ansätze zielen darauf ab, dass auch neuronal nichts zurückbleibt, das Schmerzen verursachen könnte. Und immer wieder wurde versucht, mit speziellen Schuheinlagen des Problems Herr zu werden. Nur auf Operationen wurde verzichtet. Auf Pressekonferenzen zitierte Trainer Pellegrino Matarazzo wöchentlich das ärztliche Bulletin zu Egloff: mal besser, mal schlechter.

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Doch nun scheint ein Ende des langen Leidensweges zumindest in Sicht. „Die Trainingsumfänge konnten zuletzt Schritt für Schritt gesteigert werden, Li ist auf einem guten Weg“, sagte Sportdirektor Sven Mislintat unserer Redaktion. Möglicherweise zum Ende der aktuellen, spätestens zum Start in die neue Saison wird der Zehner mit dem großen Spielverständnis und Vertrag bis 2024 vollumfänglich auf dem Trainingsplatz zurückerwartet. „Es ist viel Geduld notwendig, und diese Geduld haben wir“, betont Mislintat. „Wir werden nichts überstürzen und Li die notwendige Zeit geben.“

Andernfalls könnte es noch schlimmer kommen. Ein Ödem gilt als Vorstufe zum Mittelfußbruch. Eine noch langwierigere Verletzung, mit der sich auch schon Nationaltorhüter Manuel Neuer herumplagen musste. Das will man dem Mittelfeldspieler beim VfB auf alle Fälle ersparen. Zumal die sportliche Situation des Tabellenachten vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund an diesem Samstag (18.30 Uhr) frühzeitige Experimente auch überhaupt nicht erfordert.

Ein Ödem heilt aus – es ist nur eine Frage der Zeit

Egloff wird grundsätzlich gutes Heilfleisch attestiert. Wie zu hören ist, habe er sich mit der Geduldsprobe zwischen Reha-Welt, Trainingsplatz und Spezialisten arrangiert – und zugleich vieles ausprobiert und hinterfragt, gerade in Ernährungsfragen. Seinen Körper in frühen Jahren auf diese Weise näher kennenzulernen kann sich langfristig auszahlen.

Nicht zuletzt dürfte die Einschätzung von Medizinern Egloff und allen VfB-Fans Hoffnung machen: Anders als ein Knorpelschaden, mit dem sich etwa Daniel Didavi zeit seiner Karriere herumplagen muss, heilt ein Ödem dauerhaft aus. Es ist nur eine Frage der Zeit.

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