Top-Torjäger der Stuttgarter Kickers Wie Mijo Tunjic seinen Torriecher behält

Von Jürgen Frey 

Mijo Tunjic ist die Lebensversicherung in Sachen Tore für den Oberligisten Stuttgarter Kickers. Der Torjäger verrät, wie er die sportliche Zwangspause nutzt und gibt Einblicke in seine Zukunftspläne

Mijo Tunjic hat in dieser Oberligasaison Stärke gezeigt: In 20 Spielen erzielte der Torjäger der Stuttgarter Kickers 19 Treffer. Foto: Baumann
Mijo Tunjic hat in dieser Oberligasaison Stärke gezeigt: In 20 Spielen erzielte der Torjäger der Stuttgarter Kickers 19 Treffer. Foto: Baumann

Stuttgart - Wie er seinen Torriecher behält? Mijo Tunjic muss schmunzeln: „Ein bisschen kicke ich mit meinen Söhnen vor der Tür, jonglieren auch mal mit Tennisbällen. Ansonsten mache ich den Job jetzt schon so lange, so schnell verlernt man das nicht.“ Der Torjäger des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers spielt die erfolgreichste Runde seiner Karriere. Zumindest hatte der 32-Jährige nach 20 Saisonspielen noch nie bereits 19 Treffer auf seinem Konto. Aber jetzt ist er wie alle anderen auch, zur Tatenlosigkeit verurteilt. „Ob es in zwei Wochen weitergeht oder erst in drei Monaten – das weiß derzeit keiner“, sagt auch Tunjic. An diesem Mittwoch findet eine Telefonkonferenz aller Oberligisten mit dem Verband statt, dabei werden mögliche Szenarien diskutiert.

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Unabhängig von der unklaren Lage: Ein bis zwei Stunden Sport treibt Mijo Tunjic trotzdem fast jeden Tag. An seinem Wohnort Wendlingen geht er laufen, vom Trainerteam um Chefcoach Ramon Gehrmann gibt es spezielle workouts für zuhause und am Cybertraining von Athletikcoach Adrian Fleuchhaus nimmt regelmäßig das komplette Team der Blauen teil. Ansonsten geht er viel spazieren oder Radfahren mit seiner Frau Sylvia sowie den Kindern Nesim (15), Adrijana (9) und Lijan (6). „Den Nachwuchs in den eigenen vier Wänden bei Laune zu halten, ist manchmal ganz schön stressig“, sagt Tunjic.

Zweites Standbein

Mijo Tunjic jedoch wird es nicht langweilig. Zumal er noch ein zweites Standbein hat. Vor einem halben Jahr hat er eine bis 2022 dauernde Ausbildung zum Steuerfachangestellten begonnen. Normalerweise sitzt er in einem Büro in Möhringen und geht mittwochs in die Berufsschule, eine Vormittags-Trainingseinheit geht ihm dann schon mal durch die Lappen. Mit dem Verein hat er das alles geregelt.

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Jetzt aber arbeitet auch er im Homeoffice. Das Unternehmen Alpha Sports Tax kümmert sich um die Steuerangelegenheiten von Berufssportlern, sein Ex-Teamkollege Josip Landeka, der schon länger dort tätig ist, hat ihm die Stelle vermittelt. Tunjic ist froh, dass er nicht mehr ausschließlich auf die Karte Fußball setzen muss. „Ich habe in meiner Karriere nicht in der Bundesliga gespielt, keine Millionen verdient und habe keine zehn Eigentumswohnungen“, sagt Tunjic.

Dauerbrenner in Sachen Tore

Bei den Stuttgarter Kickers, in der dritten Liga bei der SpVgg Unterhaching und Rot-Weiß Erfurt, oder in der Regionalliga bei der SV Elversberg war er immer ein Dauerbrenner in Sachen Tore. Und auch aktuell hat er nicht vor, die Kickschuhe an den Nagel zu hängen. Nur wie und wo es genau weitergeht, ist aktuell nicht zu 100 Prozent klar. Wie viele andere Spieler bei den Stuttgarter Kickers hat auch der Mann mit den bosnischen Wurzeln über den 30. Juni hinaus nur einen Vertrag für die Regionalliga. „Es wäre schon sehr, sehr bitter, wenn wir ein weiteres Jahr in der Oberliga spielen müssen“, sagt er.

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Doch der Sportliche Leiter Lutz Siebrecht habe schon früh signalisiert, ligaunabhängig mit ihm weitermachen zu wollen. In Anbetracht der Corona-Krise wurden die Gespräche aber zuletzt nicht vertieft. Sorgen macht er sich deshalb keine. „Ich habe eine sehr gute Saison gespielt und habe Verständnis für die Nöte des Clubs. Die vielen positiven Signale von Seiten der Sponsoren stimmen mich jedoch sehr optimistisch,“ sagt Tunjic. Doch nicht alle Spieler sind so begehrt wie der Torjäger. „Wenn ich vielleicht nur vier Saisontore hätte, würde ich mir schon Gedanken machen“, räumt Tunjic ein. Er kenne viele Spieler, bei denen der Vertrag ausläuft, und die Existenzängste hätten.

Was die Sache nicht besser macht: Vielen Menschen in anderen Branchen geht es derzeit kein Haar anders.




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