Alles – und zwar direkt hintereinander. Das ist die Antwort auf die Frage, was das Publikum bei der elften Ausgabe der Holzgerlinger Varieté erwartete. Und das war: Zauberei auf Spitzenniveau, Comedy oder spektakuläre Stunts. Präsentiert und arrangiert wurde der Abend wie gewohnt von einem großen Meister der Branche: Timo Marc, der schon in Las Vegas und Monte Carlo aufgetreten ist und Preise eingeheimst hat. Und trotzdem kehrt er immer wieder in seine Heimat zurück – auch das ist magisch.
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Timo Marc spannt seine Gäste nicht lange auf die Folter. Sobald der Vorhang fällt, dient er selbst als Hindernis für den Trialbike-Weltmeister Dominik Oswald, der lässig mit seinem Fahrrad über ihn hinüberhüpft. Bestimmte Körperteile schützt Timo Marc dann doch lieber mit einer Bratpfanne, die sich auch so mancher Zuschauer herbeiwünscht, als Dominik Oswald mit seinem Rad plötzlich durch die Reihen rast, springt und balanciert.
Vom Holzgerlinger Gymnasium auf Weltbühnen
Befürchtet man bei Dominik Oswalds spektakulären Stunts noch, dass man bald Knochen brechen hören könnte, scheint die Schlangenfrau überhaupt keine Knochen zu besitzen. So verbiegt sich die blonde Schöne so sehr, dass sie in einen winzigen, gläsernen Kubus hineinpasst und lässt dabei die Münder der Zuschauer verblüfft offenstehen. Zwischen den Acts tritt Timo Marc selbst immer wieder auf die Bühne. Im blauen Anzug und mit strahlendem Lächeln führt er sein Publikum als „blauer Faden“ durch den Abend und lässt sie Lachen und Staunen.
Das Zaubern hat er zwar nicht in der Zauberschule Hogwarts, sondern in der Zauber AG des Holzgerlinger Schönbuch-Gymnasiums gelernt, doch der Wirkung tut das keinen Abbruch. Mit Unterstützung seines „Zauberflohs Helmut“ vollführt Timo Marc Kartentricks und lässt Elefanten verschwinden, wobei hin und wieder auch der eine oder andere Zuschauer als rechte Hand auf die Bühne darf.
Einmalig in der Holzgerlinger Varieté-Geschichte
Doch Timo Marc ist nicht der einzige Zauberer, der einen an diesem Abend mit seinen Illusionen daran zweifeln lässt, ob die Welt von Harry Potter nicht vielleicht wirklich existiert. Auch der finnische Künstler Jay Niemi beherrscht offensichtlich die Magie. Stilistisch könnten er und Timo Marc kaum unterschiedlicher sein. Während Timo Marc vor bunter Fröhlichkeit fast übersprudelt, verzieht Jay Niemi im klassischen schwarzen Frack kaum eine Miene, während er buchstäblich eine lebende Taube nach der anderen aus dem Ärmel schüttelt. So schnell, dass das Auge ihm kaum folgen kann, verwandeln sich Papiertücher in echte Vögel, aus bunten Bändern steigt ein Kakadu hervor und plötzlich ist da auch noch ein Papagei, der seine Kreise über dem Publikum zieht. Wo die Tiere herkommen und wohin sie verschwinden? Das bleibt Jay Niemis Geheimnis.
Ein Geheimnis wird übrigens auch während der Pause gelüftet, denn hier hat Timo Marc in diesem Jahr eine ganz besondere Überraschung vorbereitet. „Etwas, dass es so bei der Holzgerlinger Varieté noch nie gab“, erzählt er dem verdutzten Publikum mit einem Augenzwinkern. Worin diese Überraschung besteht, sei an dieser Stelle aber nicht verraten. Schließlich sollen auch die Zuschauer, die die Shows bis zum 27. März besuchen, etwas davon haben.
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Insgesamt haben sich in diesem Jahr erneut über 2500 Zuschauer für die Holzgerlinger Varieté angemeldet. Und obwohl die Zeiten immer teurer werden, verspricht Timo Marc, dass sich die Inflation auch in Zukunft nicht auf die Preise der Karten auswirken wird. „Wir bekommen jede Menge Unterstützung von Sponsoren und Künstlerförderungen“, erklärt er und verrät zugleich, dass der Ticketverkauf für die 12. Varieté schon in den Startlöchern steht.
Das ist auch gut so, denn die Holzgerlinger Varieté ist vor allem in schwierigen Zeiten ein wahrer Seelenstreichler. Wer die Artisten von „La Vision“ und die ukrainische Künstlerin Oksana bei ihrer ästhetischen Akrobatik, oder die Saly Brothers bei ihrer spektakulär-schnellen Darbietung mit argentinischen Boleadoras beobachtet, vergisst alles um sich herum. Und kaum jemand kann sich dem französischen Charme des „Moulin Rouge“-Bauchredners Marc Metál und seiner verrückten Handpuppen entziehen, mit denen er singt und sich hitzige Wortgefechte liefert. Selbst ein kleiner Hund bekommt am Ende eine Stimme und verzückt nicht nur die weiblichen Zuschauer. Schlussendlich hat Timo Marc einfach Recht, als er den Abend mit folgenden Worten zusammenfasst: „Lachen ist für die Seele so wichtig wie Sauerstoff für die Lunge.“