Topspiel bei RB Leipzig Typisch FC Bayern – wildern beim Rivalen
Die Münchner haben sich im Sommer großzügig im Kader von RB Leipzig bedient. Am Samstag treffen die beiden Clubs aufeinander. Wie groß sind nun die Unterschiede zwischen den Rivalen?
Die Münchner haben sich im Sommer großzügig im Kader von RB Leipzig bedient. Am Samstag treffen die beiden Clubs aufeinander. Wie groß sind nun die Unterschiede zwischen den Rivalen?
Stuttgart/Leipzig - In Summe waren es in diesem Sommer stolze 70 Millionen Euro, die ihren Weg von der Säbener Straße in München auf das Leipziger Konto gefunden haben. Im Paket enthalten: der einstige RB-Cheftrainer Julian Nagelsmann sowie der Bullen-Kapitän Marcel Sabitzer, der Innenverteidiger-Hüne Dayot Upamecano, drei Assistenztrainer sowie ein Teampsychologe.
Beinahe hätte es auch noch den zentralen Leipziger Mittelfeldspieler Konrad Laimer quasi als Special Effect obendrauf gegeben. Doch im Falle des 24-jährigen Österreichers gingen die Avancen des FCB-Chefeinkäufers Hasan Salihamidzic nicht über eine erste Kontaktaufnahme in Richtung des Spielers hinaus.
Der Münchner Hunger nach Leipziger Fußballer-Allerlei, er ist vor dem Duell beider Clubs im Bundesliga-Topspiel an diesem Samstag (18.30 Uhr) in Sachsen also beachtlich gewesen. Typisch Bayern! So werden jetzt vor allem diejenigen schimpfen, die dem deutschen Rekordmeister generell nicht allzu gut gewogen sind.
Oliver Mintzlaff hingegen bewertet die Dinge da etwas sachlicher: „Das ist die normale Vorgehensweise des FC Bayern. Natürlich lösen sie bei uns, aber auch bei anderen Vereinen gerne mal ein wenig Unruhe aus“, sagt der RB-Vorstandschef angesichts der auch von der Konkurrenz seit Jahrzehnten argwöhnisch beäugten Methode des Bundesliga-Branchenführers, mit gezielten Transfers speziell den aktuell jeweils größten sportlichen Rivalen zu schwächen.
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Doch Oliver Mintzlaff bleibt gelassen: „Wir stehen jetzt nicht vor einem leeren Regal. Trainer und Spieler, die bei uns sind, befinden sich weiter im obersten Fach“, sagt der Leipziger Sportboss. Allerdings wäre der ehemalige Langstreckenläufer auch schlecht beraten, würde er vor dem Duell mit dem FC Bayern seinen aktuellen Kader mitsamt dem neuen Trainer Jesse Marsch („Er stärkt unser Wir-Gefühl“) nicht loben.
Zumindest eine kleine Spitze in Richtung seines einstigen Cheftrainers Julian Nagelsmann, die kann sich der 46-Jährige dann aber doch nicht verkneifen. „Ich trauere Julian an keinen einzigen Tag hinterher“, erklärt Mintzlaff daher im Interview mit der „Sport-Bild“. Und das nach dem Ende der zweijährigen, erfolgreichen Leipziger Amtszeit von Nagelsmann, der mit RB bei einem Schnitt von 1,94 Punkten pro Partie zuletzt Vizemeister wurde und ins Pokalfinale einzog.
Zwar ist nun der schwache Leipziger Saisonstart mit zwei Niederlagen sowie dem 4:0-Heimsieg über den VfB Stuttgart lediglich eine Momentaufnahme; allerdings dürften sich die Gewichte im Titelrennen durch den Abverkauf nach München kaum in Richtung von RB verschoben haben.
Dies ist ein Erfahrung, die im Wettstreit mit dem FC Bayern in der Bundesliga-Historie schon viele Vereine gemacht haben. Auch wenn Offensivspieler Thomas Müller dagegenhält: „Der FC Bayern hält eben nach den besten Spielern Ausschau, die ins Budget passen. Außerdem hat ja kein Verein eine Verkaufspflicht.“ Der neue Vorstandschef Oliver Kahn, der in der Hoch-Zeit des Karlsruher SC mit seinen Eurofightern 1994 selbst den Weg nach München fand, ergänzt: „Das hat nichts damit zu tun, den Gegner zu schwächen. Wir sind einfach ein attraktiver Verein.“
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Allerdings hat das Wildern im Revier des größten Rivalen in München schon eine gewisse Tradition. Uli Hoeneß gab dies 2014 im Ringen um den damaligen Dortmunder Topstürmer Robert Lewandowski freimütig zu. „Das haben wir früher mal gemacht, das kann heute aber nur ein Nebenaspekt sein“, erklärte der Bayern-Boss damals.
Den Grundstein legte Hoeneß dabei schon in den frühen 1980er Jahren, als er den damaligen Topstürmer Kalle del Haye, der in München allerdings floppte, sowie den jungen Lothar Matthäus aus der Fohlenherde von Borussia Mönchengladbach holte. War wenig später mit dem Club aus Nürnberg ein bayerischer Rivale das Ziel der Abwerbeversuche (es kamen unter anderem Hansi Dorfner, Stefan Reuter, Roland Grahammer und Manfred Schwabl), traf es in den Neunzigern vor allem den aktuellen Zweitligisten Werder Bremen. Mit Andreas Herzog und Mario Basler wechselten zunächst zwei Mittelfeld-Asse vom damaligen Nordrivalen gen Süden. Dann folgten der spätere National-Rekordtorschütze Miroslav Klose oder Claudio Pizarro aus dem Bremer Portfolio.
Zuletzt waren es die Dortmunder, die zunächst mit Mario Götze sowie wenig später mit Robert Lewandowski und Mats Hummels drei Säulen ihres Meisterteams von 2011 und 2012 an die Bayern verloren. Auch der VfB Stuttgart hatte in zwei Hochphasen seiner Clubgeschichte einen Aderlass zu verkraften: So wechselte Stürmer Giovane Elber 1997 nach dem DFB-Pokalsieg nach München, zwei Jahre nach dem Titelgewinn von 2007 zog es dann Mario Gomez zum FC Bayern. Immerhin kehrte der verlorene Sohn Gomez über Umwege 2018 zum VfB zurück.