Torben Matzken arbeitet gemeinsam mit den Physiotherapeuten auf Hochtouren. Der Spielmacher des Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart möchte am kommenden Montag (19.30 Uhr) gegen die Rhein-Neckar Löwen unbedingt auf dem Spielfeld der mit 6211 Zuschauern ausverkauften Porsche-Arena stehen. „Ich hoffe sehr, dass es reicht“, sagt der 24-Jährige vor dem baden-württembergischen Derby.
Muskuläre Probleme in den Adduktoren zwangen ihn zuletzt zu einer Pause. Den 29:25-Auswärtssieg seiner Mannschaft beim ThSV Eisenach erlebte der Neuzugang nur am Fernseher. „Das war eine bockstarke Vorstellung, auf dieser Erfolgswelle wollen wir weiter reiten“, sagt Matzken nach dem dritten TVB-Sieg hintereinander.
Seit Anfang November verstärkt er die Wild Boys. Zugeraten, mitten in der Saison den Schritt vom Schweizer European-League-Teilnehmer Kadetten Schaffhausen zum abstiegsbedrohten Bundesligisten zu gehen, hat ihm Bob Hanning. Er ist sein Mentor, Ratgeber, Förderer und Trainer aus gemeinsamen Tagen in der Talentschmiede der Füchse Berlin. „Torben hat eine hohe Spielfähigkeit, einen schnellen Antritt, reißt Lücken, und er hat auch einen gewissen Führungsanspruch in einer Mannschaft.
Zudem ist er, was Einstellung und Professionalität betrifft, eine glatte Eins“, lobt ihn der Füchse-Geschäftsführer. Matzken sei selbst sein größter Kritiker, nie gebe er sich zufrieden: „Er macht seine Nebenleute besser, stellt die Mannschaft immer über alles und vergisst dabei fast sich selbst.“
Hobby-Schachspieler
In Schaffhausen war das routinierte spanische Handballass Joan Canellas so etwas wie sein Vorbild. Bei den Füchsen schaute er auf zu Paul Drux und Fabian Wiede. Neben dem Sport studiert Matzken Wirtschaftsingenieurwesen an der Fernuni Göttingen. Zu Matzkens strategischem Handball-Gen passt, dass er in seiner Freizeit regelmäßig Schach auf einer Online-Plattform spielt. Er wirkt ruhig, abgeklärt, reif. Vielleicht liegt das auch daran, dass er schon viel herumgekommen ist in seinem Leben. Durch den Beruf seines Vaters, Offizier bei der Bundeswehr, lebte er schon vor der Zeit in der Schweiz in drei verschiedenen Ländern.
Der entscheidende Schritt vor seinem Engagement bei den Füchsen war für den in Belgien geborenen Deutschen das Sportinternat in Lüttich. Dort reifte sein Wunsch, Profihandballer zu werden. Als sein Vater dann nach Berlin wechselte, stellte er sich selbst bei den Füchsen vor, wurde genommen – und seine Karriere nahm Fahrt auf.
Matzken schaffte den Sprung in die U-18-Nationalmannschaft, absolvierte dabei auch gemeinsame Spiele mit Juri Knorr. Auf das Duell mit dem Löwen-Spielmacher am Montag freut er sich natürlich ganz besonders.
Gespräche mit Kaufmann intensiviert
Überhaupt birgt das baden-württembergische Derby einiges an Brisanz. Bei beiden Clubs wird es spätestens am Saisonende einen Trainerwechsel geben. Beim TVB konzentriert sich Jürgen Schweikardt dann wieder ganz auf seine Tätigkeit als Geschäftsführer. Nach Informationen unserer Redaktion wurden die Gespräche mit Misha Kaufmann (ThSV Eisenach) weiter intensiviert und könnten in absehbarer Zeit auch abgeschlossen sein. Matzken kennt den Schweizer aus Duellen mit den Kadetten gegen den HSC Suhr Aarau, den Kaufmann von 2016 bis 2021 trainierte. „Es waren immer sehr umkämpfte Spiele“, mehr kann und will er zu diesem Thema nicht sagen.
Und die Rhein-Neckar Löwen? Dort läuft am Rundenende die Zeit von Sebastian Hinze ab. Als Nachfolger werden beim aktuellen Tabellen-Siebten (16:12 Punkte) einige Trainer gehandelt: Laut „handball.leaks“ steht Maik Machulla (zuletzt Aalborg HB/Dänemark) bereits fest, es kursierten aber auch die Namen von Ex-Frauen-Bundestrainer Heine Jensen (ØIF Arendal/Norwegen), Iker Romero (SG BBM Bietigheim) und Momir Ilic (zuletzt HC Veszprem/Ungarn), der für die neue Saison ein ganz heißer Kandidat als Nachfolger von Frank Carstens bei der HSG Wetzlar sein soll.
Tipp 28:26
Torben Matzken verfolgt das Trainerkarussell nur am Rande. Für ihn zählt vor allem eines: am Saisonende den Klassenverbleib mit dem TVB (aktuell Platz 16/8:22 Punkte) zu schaffen. Dazu wäre ein Überraschungssieg gegen die Löwen ein ganz wesentlicher Schritt. Er geht die Sache optimistisch an. „Wir gewinnen 28:26“, lautet auf Nachfrage sein Tipp.
Ergebnisse und Termine
Bisherige Spiele
SC DHfK Leipzig – TVB Stuttgart 33:24, TVB – SG Flensburg-Handewitt 25:39, HC Erlangen – TVB 25:26, TVB – VfL Gummersbach 28:35, TVB – HSG Wetzlar 23:26, HSC 2000 Coburg – TVB 25:22 (DHB-Pokal, zweite Runde), THW Kiel – TVB 29:24, TVB – MT Melsungen 27:36, TBV Lemgo Lippe – TVB 28:24, TVB – SC Magdeburg 25:36, TSV Hannover-Burgdorf – TVB 33:20, Füchse Berlin – TVB 33:29, TVB – HSV Hamburg 27:28, TVB – Frisch Auf Göppingen 30:26, SG BBM Bietigheim – TVB 29:30, ThSV Eisenach – TVB 25:29.
Kommende Spiele
TVB – Rhein-Neckar Löwen (23. Dezember, 19.30 Uhr), TVB – 1. VfL Potsdam (27. Dezember, 19 Uhr), VfL Gummersbach – TVB (8. Februar, 20.30 Uhr), TVB – TSV Hannover-Burgdorf (13. Februar, 19 Uhr), MT Melsungen – TVB (22. Februar, 20.30 Uhr), TVB – TBV Lemgo Lippe (27. Februar, 19 Uhr), 1. VfL Potsdam – TVB (6. März, 19 Uhr), TVB – ThSV Eisenach (23. März, 15 Uhr), HSG Wetzlar – TVB (4. April, 19 Uhr), SC Magdeburg – TVB (16. April, 19 Uhr). (jüf)