Herr Aleksandersen, wie geht es Ihnen?
Jeden Tag etwas besser, das ist ein gutes Zeichen. Aber es bleiben spannende Zeiten.
Was heißt das?
Es laufen gerade zwei unterschiedliche Behandlungen. Eine neue Immuntherapie, bei der versucht wird, das körpereigene Immunsystem zu nutzen, um die Krebszellen zu bekämpfen. Und eine PSMA-Therapie. Das ist ein neues Verfahren zur Behandlung von Metastasen im fortgeschrittenen Stadium. Am nächsten Dienstag bekomme ich erstmals Werte und Screenings. Wir müssen in den kommenden Wochen schauen, wie die Behandlungen anschlagen werden.
Sie hatten angekündigt, womöglich zum Start der Play-offs an diesem Samstag an die Seitenlinie zurückzukehren. Steht dieser Plan noch?
Es gibt aktuell für mich keine andere Möglichkeit, als den vollen Fokus auf die Therapie zu legen – und zu schauen, wie wohl ich mich fühle. Derzeit werde ich noch sehr schnell müde und muss aufpassen, mich nicht zu sehr anzustrengen. Klar will ich am Samstag dabei sein. Ob es dann auch gehen wird, ist schwierig zu sagen.
Wie sehr fehlt Ihnen der Volleyballsport?
Sehr. Ich habe die beiden wichtigen Spiele im Champions-League-Viertelfinale gegen Novara verpasst, das hat schon geschmerzt. Mein großes Ziel bleibt, wieder so gesund zu werden, dass ich bei meiner Mannschaft sein kann.
Auf welche Weise haben Sie in den vergangenen Wochen Kontakt zu ihr gehalten?
Ich war einige Male kurz beim Training, habe vor jedem Spiel mindestens einmal mit dem Team gesprochen. Ansonsten telefoniere ich öfter, schreibe viele Whatsapp-Nachrichten.
Wie sehr schwächt es eine Mannschaft, wenn der Cheftrainer die meiste Zeit nicht in der Halle sein kann?
Natürlich ist das keine leichte Situation, wir haben ja im Gegensatz zu manchem türkischen oder italienischen Verein keine 15 Leute im Trainer- und Betreuerteam. Und selbstverständlich trifft normalerweise vor allem der Cheftrainer schwierige und unangenehme Entscheidungen. Wenn ich nicht vor Ort bin, lastet folglich mehr Druck auf meinen beiden Co-Trainern Faruk Feray und Wojciech Kurczynski, aber auch auf den Spielerinnen.
Wie funktioniert das?
Alle wussten um meine gesundheitliche Situation und dass so eine Zeit kommen kann. Anfangs war es sicherlich sehr emotional, umso mehr freut es mich, dass alle einen super Job machen.
Mangelt es ohne Cheftrainer nicht an Autorität und Disziplin?
Nein. Meine Co-Trainer haben viel Erfahrung. Sie wissen, wie ich arbeite und was ich möchte. Das setzen sie perfekt um.
Und die Mannschaft?
Respektiert die beiden voll, was absolut für ihre Professionalität spricht. Wir haben viele erwachsene Spielerinnen.
Es läuft also alles problemlos?
Natürlich ist es nie gut, wenn der Chefcoach fehlt. Aber es ist für Verein und Mannschaft deshalb auch nicht gleich alles vorbei. Im Gegenteil.
Dazu passt, dass Ihr Team die Bundesliga-Hauptrunde mit 19 Siegen und nur einer Niederlage beendet hat.
Ich rechne sogar noch unsere beiden Erfolge gegen Straubing vor deren Rückzug hinzu. Das bedeutet, dass wir in zwei Jahren in der Bundesliga 42 Spiele gewonnen haben. Es gab nur zwei Niederlagen gegen den SC Potsdam. Einmal, nachdem wir kurz zuvor im Pokal und im CEV-Cup drei Finals hatten. Und einmal, als wir auf unsere erste Zuspielerin Britt Bongaerts verzichten mussten. In diesen zwei Jahren haben wir gezeigt, dass wir nicht nur ein echtes Spitzenteam sind. Wir waren in dieser Zeit die beste Volleyballmannschaft in Deutschland.
Was heißt das für die Play-offs?
In dieser Saison gab es für uns auch zwei negative Ergebnisse zu verkraften. Obwohl wir stabiler und auf einem höheren Level unterwegs waren als in der Vergangenheit, haben wir im Supercup gegen den SC Potsdam verloren und sind im Pokal-Halbfinale ohne Krystal Rivers am SSC Schwerin gescheitert. Das war bitter, weil wir ja wussten, dass wir die Champions League nicht gewinnen werden (lächelt).
Bleibt folglich nur noch eine Chance: die Meisterschaft.
Wir haben die beiden ersten Möglichkeiten verpasst. Nun wollen wir diesen Titel holen – unbedingt!
Ist Ihr Team der große Favorit?
Nein.
Nein?
Ganz ehrlich: Wir müssen und werden uns nicht verstecken! Alle wissen, auf welchem Niveau wir spielen können. Aber die Bundesliga zählt nicht mehr, es geht von vorne los. Ich hoffe, dass wir unsere Klasse weiter zeigen und ins Finale einziehen können. Aber die Schale zu verteidigen wird nicht einfach.
Wer sind die härtesten Gegner für Ihre Mannschaft?
Der SSC Schwerin und der SC Potsdam sind sehr gute Teams. Um sie in einer möglichen Finalserie dreimal zu schlagen, wäre eine herausragende Leistung nötig. Gleichzeitig gilt aber auch: Wenn wir unser Bestes zeigen, dann wird es für jeden Gegner ziemlich schwer, uns zu bezwingen.