Torhüter beim VfB Stuttgart Drei Männer, ein Platz

Von , Mayrhofen 

Die neuen Torhüter Mitch Langerak und Przemyslaw Tyton streiten beim VfB Stuttgart um die Nummer eins. Das Eigengewächs Odisseas Vlachodimos muss sich gedulden – bei ihm ist eine Ausleihe an einen Zweitligisten denkbar.

Der Stuttgarter Torwartreigen: Przemyslaw Tyton (links), Mitch Langerak (Mitte)  und Odisseas Vlachodimos Foto: Baumann
Der Stuttgarter Torwartreigen: Przemyslaw Tyton (links), Mitch Langerak (Mitte) und Odisseas Vlachodimos Foto: Baumann

Mayrhofen - Aus dem Doppelzimmer der neuen Torhüter im Wellnesshotel Elisabeth von Mayrhofen sind bisher keine Gemeinheiten nach außen gedrungen. Keiner hat den Fernseher laut aufgedreht, wenn der andere gerade eingeschlafen war; niemand hat die Schuhbändel des Kollegen zusammengeknotet oder Senf in dessen Zahnpastatube gefüllt. „Wir gehen sehr freundschaftlich miteinander um“, berichtet Przemyslaw Tyton, was sein Bettnachbar Mitch Langerak nur bestätigen kann: „Wir empfinden uns nicht als Rivalen, sondern als Partner, die sich gegenseitig pushen.“

Ungewiss ist jedoch, ob das gute Verhältnis auf Dauer Bestand haben wird. Denn die neuen Torleute des VfB sind mit dem Anspruch nach Stuttgart gekommen, die Nummer eins zu werden. Spielen kann allerdings nur einer. Und so dürfte am Ende der Saisonvorbereitung der Frust des einen mindestens so groß sein wie die Freude des anderen. „Es läuft etwas falsch, wenn einer zufrieden damit ist, nur die Nummer zwei oder drei zu sein“, sagt Tyton.

Gesucht wird der Nachfolger von Sven Ulreich

Völlig neu sortiert sich der VfB auf der Torhüterposition, nachdem sich die langjährige Stammkraft Sven Ulreich als Nummer zwei zu den Bayern verabschiedet hat. Dass der Verein gleich zwei neue Leute geholt hat, habe sich „aus der Situation heraus ergeben, dass Sven Ulreich mit dem Wunsch zu wechseln auf uns zugekommen ist“, sagt der Manager Robin Dutt. Das dürfte jedoch nur die halbe Wahrheit sein, denn Ulreich empfing schon im Laufe der vergangenen Saison Signale, dass seine Zeit als Stammtorwart zu Ende geht. Dass sein Wechsel somit für beide Seiten die beste Option war, bewahrt das VfB-Urgestein freilich nicht vor wüsten Beschimpfungen von Teilen der Fans.

Przemyslaw Tyton (28) war der erste neue Schlussmann, den der VfB für eine Ablöse von einer Million Euro verpflichtet hat. Als „sachlich, erfahren und ruhig“ beschreibt ihn der Stuttgarter Torwarttrainer Andreas Menger. Beim spanischen Erstligisten FC Elche spielte der Pole zuletzt, nachdem er zuvor beim PSV Eindhoven nur auf der Bank gesessen hatte. Es sei schon immer ein Traum gewesen, in Deutschland zu spielen, sagt er und empfindet die Bundesliga als „großes Abenteuer“.

Mitch Langerak (26), für 2,5 Millionen Euro nach Stuttgart gekommen, weiß schon seit 2010, wie es in der Bundesliga zugeht, bei Borussia Dortmund war er jahrelang zweiter Mann hinter Roman Weidenfeller. „Er hat sich in dieser Zeit hervor­ragend weiterentwickelt“, sagt Menger. In der vergangenen Saison kratzte der Australier erstmals an der Position des Weltmeisters, ­­war vorübergehend Stammkeeper und stand im verlorenen Pokalfinale gegen Wolfsburg im BVB-Tor, „seinem einzigen schlechten Spiel“, wie Dutt meint. Danach jedoch verpflichtete Dortmund den Freiburger Roman Bürki – und für Langerak war klar, dass es Zeit ist, an anderer Stelle einen Neuanfang zu machen. „Ich wollte unbedingt zum VfB“, sagt er, „denn das ist ein ambitionierter Club mit großem Potenzial.“

Ausleihe von Odisseas Vlachodimos ist im Gespräch

Bleibt die Frage, warum der VfB zwei neue Leute von außen verpflichtet, obwohl sich der Verein doch eigentlich als Kaderschmiede für junge Torhüter begreift. Bernd Leno spielt in Leverkusen, Loris Karius in Mainz, Diego Benaglio in Wolfsburg – alle wurden in Stuttgart ausgebildet. „Wir versuchen, die Toptalente aus Deutschland zu uns zu holen – und die kommen auch. Sie wollen wir voranbringen“, sagt Menger. In fast allen DFB-Nachwuchsteams stehen VfB-Keeper im Tor, es herrscht im Verein ein reges Treiben, zuletzt ist Niklas Bolten (21) von Borussia Mönchengladbach als weiterer Torwart für die zweite Mannschaft dazugekommen. Nur ganz oben, im Tor der Profis, kommt keiner an, zumindest nicht im eigenen Verein. „Da kann eben nur einer spielen“, sagt Menger.

Also wird sich Odisseas Vlachodimos, der ebenfalls im Trainingslager im Zillertal dabei ist, weiter hinten anstellen müssen. Das Eigengewächs mit der Erfahrung von fast 70 Drittligaspielen ist als dritter Torhüter vorgesehen, der im Alltag beim VfB II spielen soll. Er sei ein großer Förderer von Vlachodimos, sagt Menger, für eine Nummer eins in der Bundesliga hält er den 21-Jährigen aber noch nicht reif genug, die Rolle als Nummer zwei bringe ihn nicht vorwärts. „Er muss spielen, um sich weiterzuentwickeln“, sagt der Torwarttrainer und bringt eine mögliche Ausleihe ins Gespräch: „Es wäre gut für ihn, wenn er  bei einem Zweitligisten den nächsten Schritt machen könnte.“

Allerdings vernimmt auch Menger inzwischen die Kritik und die Fragen, warum Torleute wie Leno erst den Verein wechseln müssen, um Karriere zu machen. Seinen Weg werde er trotzdem weitergehen, sagt er und widerspricht vehement der Meldung, er habe sich bei Schalke 04 ins Gespräch gebracht. „Ich habe mit niemandem gesprochen, ich konzentriere mich nur auf den VfB.“ Und so wird es seine nächste Aufgabe sein, mit darüber zu befinden, ob Langerak der Bessere ist oder Tyton.




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