Torhüter des TSV Neuhausen Jorick Pol: ein Torwart für die unhaltbaren Bälle

Neuhausens Torhüter Jorick Pol (links) macht sich breit, umden Wurf des gegnerischen Spielers abzuwehren. Foto: Jörn Kehle

Torhüter Jorick Pol zeigt beim TSV Neuhausen starke Paraden – und könnte sogar als Siebenmeterschütze überraschen. Der Niederländer hat sich schnell im Team eingelebt.

Was haben Jorick Pol und Hans-Jörg Butt gemeinsam? Die Sportart ist es nicht. Der 21-jährige Pol steht seit Sommer beim Handball-Drittligisten TSV Neuhausen zwischen den Pfosten - Butt war bekanntlich in der Fußball-Bundesliga aktiv. Aber eben auch zwischen den Pfosten. Und wie Pol auch für seine Nationalmannschaft auf dem Feld. Drittens können sie beide nicht nur Tore verhindern, sondern sind auch treffsicher. Butt lief regelmäßig für sein Team zum Elfmeterpunkt. Pol könnte durchaus auch die Siebenmeter werfen - mit dem etatmäßigen Siebenmeterschützen und TSV-Kapitän Philipp Keppeler duelliert er sich jedenfalls regelmäßig nach dem Training von der Linie aus. Geworfen wird dann gegen einen Torhüter-Kollegen. „Er macht das nicht so schlecht für einen Torwart“, muss Keppeler anerkennen. Der Kapitän geht nicht immer als Sieger hervor.

 

Die Anfänge des jungen Keepers

Mit sieben Jahren griff Pol erstmals zum Handball: es war ein Schulturnier. Schnell war klar, dass der junge Niederländer Talent hat. Zunächst nicht im Tor. Als Pol dann mal bei seinem Heimatverein E&O Emmen mit knapp zehn Jahren zwischen den Pfosten stand, hat er Freude daran gefunden - und blieb. Pol wollte gern in die Bundesliga. „Es ist die beste Liga der Welt“, sagt er und betont: „Die Stimmung ist so viel besser als in den Niederlanden, denn dort kommen 50 Zuschauer. In Lemgo waren es 5000 und auch in Neuhausen sind es mehre hundert.“ So war die Freude groß, dass es mit einem Vertrag beim Bundesligisten TVB Stuttgart zu dieser Saison klappte. Allerdings musste ein Verein gefunden werden, bei dem Pol Spielpraxis sammeln kann. Das war dann der TSV Neuhausen. Ganz zur Freude der Maddogs, die so einen talentierten Nationalspieler in ihren Reihen begrüßen durften.

Der 21-Jährige ist im Schwabenland angekommen. „Das ist eine richtig geile Mannschaft“, sagt er in perfektem Deutsch über die Neuhausener. Er fühlt sich sichtlich wohl und zeigt regelmäßig seine Klasse. Das liegt auch an den Mannschaftskameraden und Coach Daniel Brack. „Alle sind sehr freundlich und wir haben einen sehr guten Trainer“, betont Pol. Er trainiert meist drei Mal vormittags beim TVB und ist bei allen Einheiten in Neuhausen dabei. Also vier weitere. Derzeit konzentriert er sich voll aufs Handball - kann sich aber gut vorstellen, auch noch ein Studium zu beginnen - vielleicht Economics am Johan Cruyff Institute. Das geht online.

Vom WM-Kader zum Bundesliga-Debüt

Pol stand dieses Jahr bereits im erweiterten Kader der niederländischen A-Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft 2025. In der Hauptrunde wurde er dann auch in den Kader nachnominiert, absolvierte im Turnier zwei Spiele und belegte mit dem Team den 12. Platz. Sein Ziel, für das A-Nationalteam zu spielen, hat der junge Keeper somit bereits erreicht. Seinen ersten Einsatz in der Bundesliga hatte Pol dann am 12. Oktober beim TBV Lemgo Lippe.

Nun hat er fest im Blick in naher Zukunft erster oder zweiter Torhüter bei einem Bundesligisten zu werden. Die Chancen stehen gut. „Durch seine Beweglichkeit und Reaktionsschnelligkeit fischt er sehr viele unhaltbare Bälle aus dem Tor“, lobt Neuhausens Trainer Daniel Brack.

„Es ist natürlich viel leichter, wenn man nicht alleine ist“

Heimweh hat Pol kaum – er genießt es, handballerisch weiterzukommen und „von erfahrenen Torhütern zu lernen“. Daran hat auch seine Freundin Sylke Walstra großen Anteil. Sie ist mit ihm nach Deutschland gezogen und pendelt immer wieder wegen ihres Studiums, ist aber viel am neuen Wohnort der beiden. Das bald anstehende Praktikum will sie in Stuttgart oder Umgebung machen, um weiterhin bei ihrem Freund zu sein. „Es ist natürlich viel leichter, wenn man nicht alleine ist“, sagt Pol. Die beiden waren auf der gleichen Schule und wohnen nun in Urbach, denn von dort aus ist es nach Neuhausen und zum Training des TVB nicht so weit.

Mit den Neuhausenern will Pol oben mitspielen, was derzeit schon gelingt. Dafür soll am Samstag (19.30 Uhr) der nächste Heimsieg gegen den Tabellennachbarn HC Erlangen II her. „Die Erlangener sind schlecht in die Saison gestartet, haben sich in den vergangenen Partien aber verbessert. Daher erwarte ich ein Spitzenspiel“, sagt Coach Brack und ergänzt: „Erlangen II ist ein schnell spielendes Team, dass sich viel mit Eins-gegen-eins-Situation beschäftigt, dem wollen wir Paroli bieten.“

Wenn die Maddogs ein Tor in der heimischen Egelseehalle erzielen, kommt für jeden Spieler ein eigenes Jubel-Lied. Das hat der knapp zwei Meter große Pol nicht. Zumindest noch nicht. Denn Keppeler kann sich durchaus vorstellen, dass der Keeper mal einen Siebenmeter wirft – und trifft.

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