Torhüter des VfB Stuttgart Bleibt Florian Müller die Nummer eins?

Beim Torwarttraining: Florian Müller will sich im zweiten Jahr beim VfB Stuttgart steigern. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB Stuttgart geht mit einer klaren Torwart-Hierarchie in die neue Saison. Doch schon in absehbarer Zeit könnte sich etwas tun, da der Bundesligist über ein Juwel auf dieser Position verfügt.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Wer ein Stück Zukunft beim VfB Stuttgart sehen will, dem empfiehlt es sich, das Torwarttraining der Fußballprofis zu beobachten. Die Zukunft ist 16 Jahre alt und um die 1,90 Meter groß. Sie springt, hechtet und wehrt fortlaufend Bälle ab. Die Zukunft im Tor des VfB heißt Dennis Seimen. So sagen es viele Experten im Augenblick voraus.

 

„Er ist aktuell sicher das interessanteste Torwarttalent in Deutschland, vielleicht sogar in Europa. Wenn er gesund bleibt, wird er mit seinen Fähigkeiten sicher schon bald in der Bundesliga spielen“, sagt Dennis Rudel, der Seimen zwei Jahre lang als Torwarttrainer in der VfB-Jugend förderte und formte.

Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen

Rudel, der seit Kurzem als Torwarttrainer beim belgischen Erstligisten VV St. Truiden arbeitet, kann dabei für sich in Anspruch nehmen, den Aufstieg des Talents als Erster vorausgesagt zu haben. Seimen gilt beim VfB als Juwel, das noch den letzten Schliff benötigt. Er wird nun am Samstag als vierter Torhüter mit in das Trainingslager der Profis fahren, die Keeper-Hierarchie bringt er aber noch nicht durcheinander.

Florian Müller geht als die Nummer eins in die neue Saison. Trotz einer durchwachsenen Spielzeit, die hinter ihm liegt. Häufig gab es Kritik von Fans und Fachleuten, und vielen Anhängern hat sich das Bild seines Fehlers im letzten Saisonspiel gegen den 1. FC Köln (2:1) ins Gedächtnis gebrannt, der dem VfB den Abstieg hätte einbringen können. Doch zum Ende hin hat Müller auch Punkte gegen den FC Bayern und den VfL Wolfsburg gerettet. Nun sind Trainer Pellegrino Matarazzo und Sportdirektor Sven Mislintat zuversichtlich, dass der 24-Jährige seine Stärken im zweiten Jahr besser einbringt. So wie es bei Vorgänger Gregor Kobel lief. Sie haben viele Daten ausgewertet und kommen zu dem Ergebnis, dass Müller in der öffentlichen Wahrnehmung zu schlecht wegkommt.

„Florian Müller ist ein Torhüter mit hohem Potenzial. Durch seine Olympiateilnahme im vergangenen Sommer hat es etwas gebraucht, bis er beim VfB sportlich richtig angekommen ist. Danach ist er mit dem VfB in den Abstiegskampf geraten, was es für einen neuen Torhüter auch nicht einfacher macht. Doch Florian hat diese Extremsituationen gemeistert. Daran wird er wachsen, und ich bin überzeugt, dass er in seinem zweiten Jahr in Stuttgart von all diesen Erfahrungen profitieren wird“, sagt Marc Ziegler, der als Torwartkoordinator für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) tätig ist und Müller gut aus den Nachwuchsteams des DFB kennt.

Hinter dem Stammtorwart nimmt nach wie vor Fabian Bredlow die Rolle des Herausforderers ein. Mehr nicht. Was auch daran liegt, dass der 27-Jährige als Müllers Vertreter in der Vorsaison zwar mehrfach solide auftrat, er aber immer wieder selbst eine unglückliche Figur abgibt. Wie zuletzt beim Testspiel gegen den Landesligisten SV Böblingen. Bredlow musste beim 7:1 einen Freistoß von Fabio Carneiro de Carvalho passieren lassen – in die Torwartecke. Mit spekulativen Tippelschritten nach rechts hatte er diese frei gemacht.

Eine mutige Prognose

Nach seinem positiven Coronatest stößt nun wieder Florian Schock zur Gruppe um den Torwarttrainer Steffen Krebs. Der 21-Jährige ist die Nummer drei. Auch der fast zwei Meter große Schock hat die Stuttgarter Torwartschule durchlaufen. Sein kurzfristiger Ausfall ermöglichte es, dass Seimen schon jetzt in die Vorbereitung der Profis einstieg. Trotz aller Vorschusslorbeeren mahnt Ziegler, der einst beim VfB selbst als 19-Jähriger im Tor stand, jedoch: „Bei allem Talent müssen wir in seiner Beurteilung vorsichtig sein. Wir reden von einem 16-Jährigen, der in seinem Spiel und in seiner Persönlichkeit weiter reifen muss. Dennis bringt sehr viel an Voraussetzungen für eine Profikarriere mit, aber er muss noch Erfahrungen im Seniorenfußball sammeln. Das Training bei den VfB-Profis hilft ihm dabei.“

Zunächst wird Seimen in der U 19 spielen, mittelfristig soll er fest in den Erstligakader aufgenommen werden – das ist der Plan. Und es braucht wenig Fantasie, um sich vorzustellen, dass der Teenager in einem Jahr schon auf den Posten des Ersatztorhüters rücken soll, um die etablierten Torhüter zu verdrängen. „Ich wage sogar die Prognose, dass Dennis Seimen der jüngste deutsche Nationaltorhüter werden könnte“, sagt Rudel. Bisher ist das Eike Immel. Mit 19 Jahren stand dieser erstmals zwischen den Pfosten der DFB-Elf. Damals noch als Dortmunder, später wechselte er zum VfB – wo er 1995 durch den jungen Marc Ziegler ersetzt wurde.

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