Torhüter des VfB Stuttgart Florian Müller: Beginn einer Ära?

VfB-Torhüter mit guten Reflexen: Florian Müller. In unserer Bildergalerie sehen Sie, was aus seinen Vorgängern geworden ist. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Florian Müller ist beim VfB Stuttgart der achte Stammtorwart seit dem Abschied von Timo Hildebrand im Jahr 2007. Trotz der vielen Gegentore schürt sein bisheriges Auftreten die Hoffnung, dass er eine neue Ära prägen könnte.

Stuttgart - Im hektischen Alltag der Fußball-Bundesliga bietet eine Länderspielpause die seltene Gelegenheit, ein wenig zur Ruhe zu kommen – zumindest, wenn man nicht Torhüter des VfB Stuttgart ist. Fabian Bredlow, der Nummer zwei des Traditionsclubs aus Bad Cannstatt, scheint das seltene Pech widerfahren zu sein, sich trotz doppelter Impfung mit dem Coronavirus zu infizieren. Und Florian Müller, die Nummer eins, musste sich in den 36 Minuten, in denen er am Donnerstag im Testspiel gegen den SV Sandhausen im Tor stand, gleich über zwei Gegentreffer ärgern. Endstand gegen den Tabellensechzehnten der zweiten Liga: 1:4.

 

Nicht nur gegen unterklassige Teams empfinden Torhüter jedes Gegentor als eine Art persönliche Beleidigung – Florian Müller ist da keine Ausnahme. Zum Auftakt dieser Bundesligasaison, seinem ersten Pflichtspiel als Stammkeeper des VfB, ließ er seinem Frust freien Lauf, als dem Aufsteiger aus Fürth in der Nachspielzeit der Ehrentreffer zum 1:5 gelang. Mehr als nur getrübt war die Freude über den furiosen Saisonstart, dem auch anschließend Ernüchterung folgte.

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Zwölf weitere Gegentreffer in sechs Partien sind seither hinzugekommen – deutlich mehr als nötig. „Wir haben Tore hergeschenkt und einfach nicht gut verteidigt“, sagt Müller über die Defensivprobleme in den ersten Spielen, „es ging dabei auch um die Mentalität, das Tor bis aufs Letzte zu verteidigen.“ Als Trost bleibt dem Torhüter, dass er sich nicht vorwerfen muss, mit eigenen Fehlern beteiligt gewesen zu sein.

Im Gegenteil: In Leipzig etwa bewahrte der 23-Jährige seine Mannschaft beim 0:4 vor einer noch höheren Pleite; in Bochum (0:0) sicherten seine Paraden immerhin einen Punkt. Zuletzt wirkte die gesamte Stuttgarter Defensive wieder stabiler, was der Schlussmann mit Freude registriert hat: „Wir haben die Probleme aufgearbeitet und in den letzten Partien deutlich besser verteidigt.“

„Ich habe das Gefühl, dass ich immer besser reinkomme“

Unterm Strich lässt sich nach sieben Spielen also festhalten: Florian Müller, im Sommer als Nachfolger von Gregor Kobel vom 1. FSV Mainz 05 zum VfB gekommen, hat gezeigt, was von ihm erwartet wurde – und zumindest angedeutet, dass er das Potenzial besitzt, für lange Zeit zu einem der Toptorhüter in Deutschland zu gehören. „Ich habe das Gefühl, dass ich immer besser reinkomme“, sagt der Saarländer, „es gibt immer mehr Aktionen, in denen ich mich auszeichnen kann. Das tut mir und der Mannschaft gut und geht hoffentlich auch so weiter.“

Zum ersten Mal in seiner Profikarriere ist Florian Müller unumstrittener Stammtorhüter. Beim 1. FSV Mainz 05, in dessen Nachwuchsleistungszentrum er mit 15 gezogen war, gelang ihm 2018 mit einem gehaltenen Elfmeter zwar ein spektakuläres Bundesliga-Debüt – doch schaffte er es nur vorübergehend an Robin Zentner vorbei. Topleistungen zeigte Müller in der vergangenen Saison auch als Leihtorhüter des SC Freiburg – doch war er eben auch dort nur der Vertreter des langzeitverletzten Mark Flekken.

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Also war Müller hoch erfreut, als beim VfB durch Kobels Wechsel zu Borussia Dortmund nicht nur das Trikot mit der Nummer eins, sondern auch der entsprechende Posten vakant wurde– und er die Wunschbesetzung der Stuttgarter war. Das Interesse beruhte auf Gegenseitigkeit, es dauerte nicht lange, bis sich die Parteien handelseinig wurden. Fünf Millionen Euro bezahlte der VfB an den FSV Mainz – angesichts der 15 Millionen, der der Verkauf von Kobel in die Kassen spülte, ein gutes Geschäft für die Stuttgarter. Und eine große Chance für Müller, der einen Vierjahresvertrag unterschrieb und nun die Möglichkeit hat, sich nicht nur in der Bundesliga zu etablieren, sondern auch eine neue Ära im VfB-Tor zu prägen.

Seit dem Abschied von Timo Hildebrand nach der Meisterschaft 2007 gab es beim VfB sieben verschiedene Torhüter, die sich vorübergehend als Nummer eins betätigt haben: Raphael Schäfer, Jens Lehmann, Sven Ulreich, Przemysław Tyton, Mitch Langerak, Ron-Robert Zieler, Gregor Kobel. In Florian Müller soll nun eine langfristige Lösung gefunden worden sein – am nötigen Ehrgeiz und der Identifikation fehlt es dem Torhüter nicht. Ihm gefalle es prächtig in Stuttgart, sagt er, die Spielweise komme ihm entgegen, die Ziele des VfB stimmten auch mit seinen eigenen überein. Und natürlich weiß er auch, dass in absehbarer Zukunft ein weiteres Trikot mit der Nummer eins vakant wird: das der Nationalmannschaft. So weit allerdings, sagt Müller, „denke ich noch nicht“.

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