Torwart des VfB Stuttgart Alexander Nübel patzt doppelt: Was halten die Bayern davon?

Der war haltbar: beim 0:3 lässt VfB-Keeper Alexander Nübel einen harmlosen Schuss von Josip Stanisic durch die Hände gleiten. Foto: IMAGO/Sven Simon

In der Frage, ob seine Zukunft im Tor des FC Bayern liegt, hat VfB-Keeper Alexander Nübel einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Ein anderer hat die Nase vorne.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Der überzeugende 5:0-Erfolg seiner Mannschaft über den VfB hatte schon länger Bestand, als der Münchner Sportvorstand Max Eberl in seiner Analyse der Partie einen bemerkenswerten Satz fallen ließ: „Ich hätte mir schon gewünscht, dass ein paar mehr Bälle der Stuttgarter nicht neben, sondern auf unser Tor gekommen wären.“

 

Was im ersten Moment ein wenig überheblich klingt, das hatte aus der Sicht Eberls einen durchaus logischen Hintergrund. Schließlich hatte sich sein Trainer Vincent Kompany in Absprache mit Manuel Neuer dazu entschieden, nicht den fünfmaligen Welttorhüter, sondern den jungen Jonas Urbig , 22, vor 60 000 Fans in der ausverkauften MHP-Arena ins Bayern-Tor zu stellen. Und da hätte ein bisschen mehr Arbeit beim nächsten Bundesliga-Härtetest für Urbig, der in der Liga nun zehn Partien für den Rekordmeister absolviert hat, nicht schaden können.

Schließlich gilt es in München die Frage zu klären, wer Neuer als Thronfolger im Tor der Bayern beerben soll, dessen Karriere sich mit 39 Jahren allmählich dem Ende zuneigt. Bei der Antwort auf die Frage spielt auch der Mann eine zentrale Rolle, der hinterher anders als Eberl („Wir werden uns das in Ruhe anschauen“) in den Katakomben des Stadions die Reporter umdribbelte.

„Ich bin doch immer für euch da – aber heute mal nicht“, sagte der VfB-Torhüter Alexander Nübel und stapfte mit freundlicher Miene von dannen. Denn es zählt seit jeher zu den positiven Charakterzügen Nübels, dass er sich nicht allzu lange mit Rückschlägen beschäftigt. Eigene Fehler hauen den Torwart, einen gebürtigen Ostwestfalen aus Paderborn, so schnell nicht um. Das Problem dabei: Aktuell hat Nübel für einen Spitzenkönner seiner Zunft einfach deutlich zu viele Aussetzer.

Torhüter Jonas Urbig (im Bild) gewinnt das Fernduell mit Alexander Nübel. Foto: IMAGO/Ulmer/Teamfoto

„Jetzt war es heute so, dass das ein oder andere nicht so funktioniert hat, aber trotzdem bleibt er ein herausragender Torhüter“, sagte Eberl diplomatisch. Gegen seine Bayern, bei denen der nun schon die dritte Saison zum VfB entliehene Alexander Nübel noch einen Vertrag bis 2030 besitzt, waren es zwei grobe Patzer: Zunächst ließ Nübel einen Weitschuss von FCB-Außenstürmer Michael Olise unter dem Körper durchflutschen, hatte dabei aber Glück, dass der Ball knapp neben dem rechten Pfosten ins Aus trudelte.

Aussetzer Nummer zwei bedeutete das 0:3 für den VfB, der in der Folgezeit komplett den Faden verlor. Diesmal hatte Alexander Nübel einen harmlosen Schuss von Josip Stanisic durchrutschen lassen. Immer deutlicher wird daher, dass der Weg des 1,93-Meter-Mannes wohl nicht ins zurück Bayern-Tor führen wird, dass er bisher in lediglich in vier Pflichtspielen gehütet hat.

Im Sommer 2020 war der aufstrebende Keeper ablösefrei vom FC Schalke 04 gekommen. Bislang hat der FCB aber wenig von ihm gehabt: Zunächst wurde Nübel für zwei Saisons an den AS Monaco verliehen, seit Sommer 2023 spielt er für den VfB. Nun dürften die Bayern auch ernsthaft über eine externe Torhüter-Zukunftslösung nachdenken.

Da Nübel mit rund zehn Millionen Euro der Topverdiener beim VfB ist und die Bayern bislang mehr als zwei Drittel seines Gehaltes schultern, wird die Zukunft des Nationaltorwarts, der in dieser Form um seinen WM-Kaderplatz in der deutschen Nationalelf bangen muss, auch nicht in Bad Cannstatt liegen. Somit dürfte Nübel, wenn es für ihn nicht zurück nach München gehen sollte, zum Verkauf angeboten werden.

Mit einer zu erwartenden Tranfersumme von rund 25 Millionen Euro wäre der 29-Jährige dem VfB dann wohl zu teuer. Auch vor dem Hintergrund, dass man in Stuttgart mit dem aktuell zum SC Paderborn entliehenen Dennis Seimen eine starke Alternative für den Posten zwischen den Pfosten in der Hinterhand hält.

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