Dort angekommen, habe sie die Hunde in einem großen Freilauf entlassen. Am nächsten Morgen hätten zwölf von ihnen tot in ihren Boxen gelegen. Zwei weitere seien derart krank gewesen, dass sie intensiv in einer Tierklinik behandelt werden mussten. Der Verdacht: Giftköder. Eine später durchgeführte Untersuchung des Blutes der zwei kranken Hunden habe dies untermauert. Ob die zwölf Huskies wirklich daran gestorben sind, ließ sich bislang jedoch nicht feststellen – denn die Züchterin soll sie umgehend nahe Dobel vergraben haben.
Hinsweisgeberin: Nicht unter Tisch kehren
Auf Nachfrage gab die Absenderin der E-Mail aus Schweden an, in keiner Verbindung mit dem Vorfall zu stehen. Sie begründet ihren Hinweis gegenüber unserer Zeitung so: "Meine Beweggründe sind ethischer Natur. Als Tierärztin und Besitzerin von Schlittenhunden und engagiert im Tierschutz und Ethik bin ich der Meinung, dass wir alle, die die Verantwortung für eine größere Gruppe Hunde übernehmen, transparent sein müssen und dass eine Tragödie wie diese nicht von allen Beteiligten unter den Tisch gekehrt werden darf, sondern aufgeklärt werden muss." Warum die Frau von dem Vorfall wusste, bleibt unklar.
In Dobel – so scheint es – hat von den toten Huskies bis dahin niemand etwas mitbekommen. Allerdings waren die Hunde bekannt, weil ein Teil von ihnen einst dort gelebt haben soll. Sie gehörten dem verstorbenen Andreas Kraft, der 2014 Hundeschlitten-Weltmeister wurde. Nach seinem Tod nahm die 46-Jährige, die seine Lebensgefährtin war, seine Huskies offenbar bei sich in Nordrhein-Westfalen auf. Nach wie vor besucht sie Dobel mit ihren Hunden, zumal sie ein gemeinsames Kind mit dem vor zweieinhalb Jahren verstorbenen Weltmeister hat. Dessen Vater Bernhard Kraft ist stellvertretender Bürgermeister von Dobel.
Für den Schwarzwälder Boten waren weder Bernhard Kraft noch die Hundehalterin nach Bekanntwerden der Tat erreichbar. Dafür aber Bürgermeister Christoph Schaack, der erst am Montag durch den Anruf von Journalisten von den toten Huskies erfahren habe. "Das hat mich voll von der Seite erwischt. Im Ort ist überhaupt nicht darüber gesprochen worden. Auch Herr Kraft hat mir nichts gesagt. Vor den Anrufen der Boulevardpresse habe ich nichts davon gewusst", sagt Schaack. Seitdem steht sein Telefon im Dobler Rathaus allerdings nicht mehr still.
Bislang keine Festnahme
Inzwischen ist auch die Polizei aktiv geworden. Die Facheinheit für Gewerbe und Umwelt ermittelt wegen des Verdachts der Tierquälerei. Das in der E-Mail aus Schweden gestreute Gerücht, ein Tatverdächtiger sei bereits in Gewahrsam genommen worden, dementiert jedoch Polizei-Sprecher Frank Weber vom zuständigen Präsidium in Pforzheim: "Es hat keine Festnahme gegeben."
Es ist nicht die einzige Ungereimtheit bei diesem Vorfall. Auf der Facebook-Seite der Schwarzwälder Boten fragen sich viele Nutzer vor allem, warum nicht die Todesursache der zwölf toten Huskies festgestellt wurde. "Was ich jedoch leider gar nicht verstehen kann ist, wie die Besitzerin die Tiere wohl einfach im Wald vergraben hat. Ich hätte sofort die Polizei und den Tierschutz verständigt, um herauszufinden, was mit meinen Hunden passiert ist", schreibt eine Nutzerin. Ein anderer rätselt: "Warum verbuddelt die Halterin ihre Hunde einfach so im Wald? Gerade sie als Tierärztin muss doch Interesse dran haben, die Tiere zu untersuchen. Da stinkt doch etwas gewaltig." Eine andere Meinung: "Hier ist einiges nicht nachzuvollziehen."
"Ein Kranker hoch drei"
Fragen, die sich auch der Bürgermeister stellt. "Ich versuche gerade selber, erst einmal Klarheit zu bekommen. Ich habe bis jetzt ja nur Gerüchte gehört", betont Schaack, der selber zwei Hunde besitzt, und fügt hinzu: "Wenn das alles wirklich so passiert ist, dann ist das auf einem abgezäunten Gelände passiert." Wenn sich dann wirklich jemand unter Vorsatz Zugriff zu diesem Gelände verschafft habe, der von der Ankunft der Züchterin gewusst habe und die Huskies töten wollte, wäre das "ein Kranker hoch drei" gewesen, unterstreicht Schaack. Er macht aber auch klar, dass man in Baden-Württemberg nicht einfach einen toten Hund im Wald vergraben dürfe – und schon gar nicht zwölf an der Zahl.
Als bestätigt gilt inzwischen, dass tatsächlich zwölf tote Hunde verscharrt wurden. Diese wurden am Dienstagvormittag von der Polizei wieder ausgegraben. Gefunden wurden sie allerdings nicht auf Gemarkung der Gemeinde Dobel, sondern "auf einem Wiesengrundstück im nördlichen Landkreis Calw", sagt Polizei-Sprecher Weber und erklärt: "Zur Klärung der Todesursache werden die Hunde nun untersucht. Unsere Ermittlungen dauern an."
Wie es in Dobel nun weitergehen wird, ist unklar. Eigentlich wollte der VDSV nach der Corona-Pause dort in diesem Jahr wieder sein traditionelles Schlittenhunderennen veranstalten. Das hat er nun aber abgesagt, weil nicht für die Sicherheit die Tiere garantiert werden könne. Auch davon habe Schaack nicht direkt erfahren, sondern durch die Anrufe der Journalisten. "Das ist schade, denn das Rennen war immer ein schöner Event", bedauert der Bürgermeister. Auch VDSV-Präsident Michael Landau war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Kein unsicheres Pflaster
Klar macht Schaack indes: Dobel sei kein unsicheres Pflaster für Hunde. In den vergangenen Jahren habe es lediglich zweimal den Verdacht gegeben, dass Giftköder ausgelegt worden seien. Bestätigt habe sich das aber nicht. "Hunde polarisieren natürlich gerne. Wir haben hier oben ja auch keine Leinenpflicht. Aber viele Jahre lang bin ich auf dieses Thema überhaupt nicht angesprochen worden", verdeutlicht Hundebesitzer Schaack und schiebt traurig hinterher: "Mit solchen Artikeln wie jetzt steht natürlich niemand gerne in den Zeitungen."