„Tote Mädchen lügen nicht“ Staffel 2 Was kommt nach Hannah Bakers Tod?

Von Sabine Fischer 

Die zweite Staffel der umstrittenen Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ wärmt den Selbstmord ihrer Protagonistin noch einmal auf – und setzt dabei ein neues Statement.

Hannah Baker (Katherine Langford) ist tot. Aber die zweite Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ erzählt, wir es nach ihrem Suizid weitergeht. Foto: Beth Dubber/Netflix
Hannah Baker (Katherine Langford) ist tot. Aber die zweite Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ erzählt, wir es nach ihrem Suizid weitergeht. Foto: Beth Dubber/Netflix

Stuttgart - Hannah Baker ist tot, so viel zumindest ist sicher – auch wenn die Netflix-Serie „13 Reasons why“, die hierzulande „Tote Mädchen lügen nicht“ heißt, diese Tatsache in ihrer zweiten Staffel nicht so richtig wahrhaben will. Dabei nahm sich die 17-jährige Schülerin bereits im umstrittenen Finale der ersten Staffel 2017 so drastisch das Leben, dass die Zuschauer reihenweise auf die Barrikaden gingen und die Show auf Twitter an die Spitze der meist­diskutierten Programme brachten.

Eine Abrechnung der brutalsten Art

Eindringlich erzählte die Netflix-Produktion damals die Geschichte der sensiblen Hannah (Katherine Langford). Vor seinem Tod nahm das Mädchen eine Reihe von Kassetten auf, die erklären sollten, auf welche Weise seine Mitschüler jeweils Mitschuld an seinem Zusammenbruch hätten. Dann brachte die Schülerin das Paket mit den Tapes zur Post und nahm sich anschließend das Leben. Eine Abrechnung der ­brutalsten Art.

Nun geht die Serie in die zweite Runde, und das obwohl schon nach Ausstrahlung der ersten Staffel verschiedene Gesundheitsorganisationen mit Nachdruck vor ihren Risiken warnten. Sie glorifiziere nicht nur das Handeln ihrer Hauptfigur, sondern gebe eine Anleitung zum Suizid. Gemeint war jene Szene, die Hannah Baker drei Minuten lang detailliert beim Aufschneiden ihrer Pulsadern zeigte – kommentarlos, detailgetreu und erschreckend realistisch. Der Serienerfinder Brian Yorkey wies die Vorwürfe damals zurück: „Wir wollten zeigen, wie hässlich und unfassbar schmerzhaft Suizid ist. Da gibt es nichts Schönes, Ästhetisches dran, und die Auswirkungen für alle, die zurückbleiben, sind furchtbar.“

Missbrauch, Mobbing, Amoklauf

Mit genau diesen Auswirkungen beschäftigt sich nun die zweite Staffel. Die beginnt dort, wo die erste die Zuschauer zurückgelassen hat: In einer Highschool, die angesichts des Suizids und jener Zustände, die durch Hannahs Kassetten ans Licht kamen, um Fassung und Verständnis ringt. Vor Gericht stehen Hannah Bakers Eltern nun der Schule gegenüber – ein schmerzhafter Prozess, der auch bei den ehemaligen Mitschülern, die in den Zeugenstand gerufen werden, alte Traumata wieder aufbrechen lässt.

Eindringlich zeichnen die dreizehn Episoden, die jeweils aus der Perspektive der Person erzählt werden, die am entsprechenden Tag vor Gericht erscheinen muss, die Konsequenzen für all diejenigen nach, die Hannah zurückgelassen hat, all diejenigen, die keine Antworten mehr bekommen werden. Wieder handeln die Autoren dabei mehrere Problemfelder gleichzeitig ab: Missbrauch, Mobbing, Amoklauf.

Doch der Ton hat sich gegenüber der ersten Staffel verändert. Waren die Gründe für den Suizid anfangs noch Teil einer Art Heldenerzählung, gibt die Serie nun ein klares Statement ab: Über Probleme muss gesprochen und verzweifelte Freunde dürfen auf keinen Fall im Stich gelassen werden. Das wirkt, als versuche „Tote Mädchen lügen nicht“ nun mit all dem Wirbel, der auch außerhalb der fiktiven Welt aufkam, abzuschließen.

Über Probleme sprechen hilft

Doch auch die zweite Staffel wurde ­bereits vor Erscheinen heftig kritisiert. Das amerikanische „Parents Television Council“ zum Beispiel forderte Netflix öffentlich auf, den Starttermin zu verschieben, bis wissenschaftliche Experten versichern könnten, dass die Serie von Jugendlichen bedenkenlos konsumiert werden dürfe. Ganz spurlos ist die Debatte an den Pro­duzenten daher auch nicht vorbeigegangen. Vor die ersten Folge setzten sie ein Video, in dem der Hauptcast vor möglichen Triggern warnt.

„Tote Mädchen lügen nicht“ beschäftige sich mit „ernsten Probleme“, sagt darin zum Beispiel Justin Prentice, der den Vergewaltiger Bryce Walker spielt. Wer selbst mit solchen Themen zu kämpfen habe, solle die Serie besser nicht alleine anschauen und zur Not Hilfe bei einem Vertrauten suchen. „Denn sobald man anfängt, darüber zu sprechen, wird es leichter“, fügt Alisha Boe alias Jessica Davis hinzu.

Beide Staffeln sind bei Netflix komplett abrufbar