Totschlag an der Rems Der Tod einer „sehr lebensfrohen Frau“

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Die Chefs und Kollegen der in Weinstadt erwürgten Frau berichten Positives über die 40-Jährige.

Am 10. Juli fand die Polizei die tote Frau nach  sechs Tagen intensiver Suche an der Rems. Foto: dpa/Sven Kohls
Am 10. Juli fand die Polizei die tote Frau nach sechs Tagen intensiver Suche an der Rems. Foto: dpa/Sven Kohls

Weinstadt - Die 9. Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts will sich ein Bild von der Frau machen, die im Juli in Weinstadt Opfer eines tödlichen Gewaltverbrechens an der Rems geworden ist. Des Totschlags an ihr angeklagt ist ein 31-jähriger Mann, der eine „On-Off-Beziehung“ mit ihr führte, obwohl er längst mit einer anderen Frau liiert war und mit dieser mittlerweile ein Kind hat.

Eine liebenswerte Kollegin

„Sie war sehr lebensfroh, offen und gut gelaunt“, beschreibt eine 39-jährige Kollegin die aus Osteuropa stammende Frau, die sie in der Weinstädter Firma kennengelernt hatte. Anfangs sei die 40-Jährige etwas zurückhaltend gewesen, doch mit der Zeit habe sie sich geöffnet und auch über den jüngeren Mann gesprochen, mit dem sie gerne eine feste Beziehung eingehen und zusammenziehen wollte.

Und das, obwohl sie gewusst habe, dass er bereits eine Lebensgefährtin hatte und mit ihr zusammenlebte. Die 40-Jährige habe sich jedoch von dem Mann beschwichtigen lassen, der immer wieder behauptet habe, er werde seine Freundin für sie verlassen. „Im Mai hat sie dann erfahren, dass seine Freundin ein Kind erwartet“, sagt die Zeugin weiter aus.

Besorgte Chefin alarmiert die Polizei

Für ihre Kollegin sei da sicher gewesen, dass doch nichts aus ihrem Traum werde. Sie habe sich dennoch wie immer verhalten. Auf die Frage, ob sie etwas von einem Video wisse, mit dem die 40-Jährige ihren Geliebten habe erpressen wollen, verneint die Kollegin: „Nein, von einem Film weiß ich nichts.“ Der Angeklagte hatte behauptet, die 40-Jährige habe gedroht, ihrer Nebenbuhlerin ein Video zu zeigen, auf dem er mit ihr beim Sex zu sehen sei, sollte er die andere nicht verlassen.

Auch die Eigentümer der Firma, in der die 40-Jährige gearbeitet hatte, sagen am Freitag aus. Diese waren es auch, die ihre Mitarbeiterin als vermisst gemeldet hatten, nachdem sie am 5. Juli, einem Freitag, nicht zu Arbeit gekommen war. „Sie war sehr zuverlässig und kam immer fünf Minuten vor Arbeitsbeginn“, sagt die 52-jährige Chefin.

Kollegen kannten den Freund nur vom Hörensagen

Tags zuvor hatte die 40-jährige Frau, die als Putzkraft in der Firma angefangen hatte, Urlaub genommen, um mit einem Freund nach Schwäbisch Hall zu fahren. Sie habe ihr zwar von dem jüngeren, gut aussehenden Mann erzählt, gesehen habe sie diesen jedoch nicht, sagt die Chefin.

Auch ihr Mann hatte ihn noch nie gesehen, und als zwei Tage später, am Sonntag, der Angeklagte auf dem Firmengelände erschien und behauptete, er sei ein Freund der 40-Jährigen, wusste er nicht, um wen es sich handelte. „Er sagte, sie habe einen Unfall gehabt, liege in Ansbach im Krankenhaus und brauche ein paar Sachen“, so der 52-jährige Geschäftsmann. Die 40-Jährige hatte eine kleine Wohnung in der Firma. Es habe ihn stutzig gemacht, da er wusste, dass seine Mitarbeiterin nach Schwäbisch Hall wollte. „Das liegt schon ein paar Kilometer auseinander.“

Schwere Verletzungen am Hals

Am Freitag erstattet auch die Rechtsmedizinerin ihr Gutachten. Nachdem der Leichnam der 40-Jährigen sechs Tage lang nahe der Rems an der sogenannten Birkelspitze gelegen hatte, sei diese bereits stark skelettiert gewesen. Dennoch konnten am Schädel und im Bereich des Kehlkopfes Spuren gefunden werden, die darauf hinweisen, dass die Frau durch Gewalt gegen den Hals ums Leben gekommen war.

Das wiederum deckt sich mit der Aussage des Angeklagten, der behauptet, er habe die Frau im Streit zuerst geschlagen und, als sie laut zu schreien begann, ihr mit beiden Händen den Hals zugedrückt, bis sie reglos unter ihm lag. Er habe sich am frühen Morgen des 4. Juli mit ihr auf einem Parkplatz im Weinstädter Gewerbegebiet Kalkofen verabredet, um zur Beerdigung seiner Mutter nach Schwäbisch Hall zu fahren. Da diese aber gar nicht gestorben war, musste er einen Rückzieher machen und sagen, er wolle nun doch nicht fahren. Daraufhin sei es zum Streit gekommen. Warum der Angeklagte behauptet hatte, seine Mutter sei gestorben, weiß nur er. Mehr wollte er dazu nicht sagen.

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.