Tour de Region: Etappe 1 Schnatternde Gänse weisen den Weg

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Heute: Von Bondorf nach Herrenberg. Vorbei an Mühlen, Reiterhöfen, Kirchen und Truthahngehegen – ein  Radausflug führt durch das Obere Gäu.

Die Stiftskirche ist da – jetzt ist es nur noch ein Klacks bis zum Eisbecher.  Foto: factum/ Weise 2 Bilder
Die Stiftskirche ist da – jetzt ist es nur noch ein Klacks bis zum Eisbecher. Foto: factum/ Weise

Stuttgart - Dass wir die Oma besucht haben", ist für den sechsjährigen Maxime das Schönste an der Radtour durch das Obere Gäu gewesen. Nun, nicht jeder hat Großeltern in Bondorf, die unerschöpfliche Eisvorräte haben. Also überlegt sich unser jüngster Tourteilnehmer noch ein zweites Highlight: "Wir haben zweimal Schnattergänse gesehen."

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Die ersten Exemplare des Federviehs watscheln zeternd auf jeden Passanten zu, der sich vom Start beim Bondorfer Bahnhof nordostwärts entlang der Alten Herrenberger Straße über Gäuhalle und Sportplatz in Richtung Jugendhaus bewegt und dabei nach dem Abzweig zur Senke gen Hailfingen sucht. Orangefarbene und schwarze Gänseschnäbel schimpfen laut durch den Gartenzaun -hier heißt es scharf links ins Feld abzubiegen.

Der Weg wird gesäumt von Raps und Weizen. Schnell rollen die Räder, angetrieben von einer westlichen Brise. Franziska, die zwei Jahre ältere Schwester von Maxime, erzielt neue Temporekorde. Urplötzlich aber ist Schluss mit der Hatz, denn schottriger Untergrund fordert bis kurz vor Hailfingen alle Aufmerksamkeit. Jetzt wird's katholisch: Ein Bildstock weist den Weg nach Norden. Mit dem zweiten Gekreuzigten verlassen wir schon wieder jene papsttreuen Gefilde des Rottenburger Territoriums. Die erste Bergwertung steht bevor -selbst unser Sechsjähriger meistert sie.

Das Ausflugsziel taucht erstmals auf

Wer auf der Höhe seinen Blick nach rechts wendet, entdeckt am Horizont im Naturpark Schönbuch zwei Schlösser: Hohenentringen und Roseck. Wir aber fahren schnurstracks weiter nach Norden und folgen dabei dem Schild "Mahnmal". Der Lindenhof mit Besenwirtschaft liegt rechts des Wegs, von hier ist ein kurzer Abstecher nach Westen, der die Tour um 1500 Meter verlängert, ein Muss. Hinter dem Jungbaumbestand taucht die Landebahn für Nachtjäger auf, die im Winter 1944/45 ausgebaut werden sollte. Mehr als 600 Häftlinge leisteten hier drei Monate lang Zwangsarbeit unter der Aufsicht von Nazischergen. Nur von 124 Insassen des KZ-Außenkommandos ist bekannt, dass sie die Fron überlebten. Die meisten Toten wurden am Rand des Rollfelds verscharrt. Seit 2010 erinnert ein Mahnmal an die Opfer.

Zurück beim Lindenhof taucht nach einer kurzen Waldpassage erstmals das Ausflugsziel auf. Am Schönbuchtrauf blitzt die Kuppel der Herrenberger Stiftskirche in der Nachmittagssonne. Doch die Route macht vor Tailfingen einen Knick nach Osten, überquert eine Kreisstraße und die Bodenseeautobahn. Aber kaum ist die A81 im Rücken, geht es in einer holprigen Links-Rechts-Links-Kombination mit engen Kurven auf den Turm der Altinger Kirche St. Magnus zu.

Die Kinder beißen, ächzen - und strahlen

Bei der Kreuzung vor dem Gotteshaus gibt es ein grün-weißes Schild, das den Radler nach Herrenberg leitet. Am Ortsrand von Gültstein folgt der Härtetest: als steile Rampe führt der Radweg über die Umfahrung dieses Herrenberger Ortsteils. Die Kinder beißen, ächzen - und strahlen, als sie oben ankommen. Jetzt müssen nur noch vier Mühlen, ein Truthahngehege und noch ein paar laut schnatternde Gänse passiert werden, und der schattige Quelltopf der Ammer ist bald erreicht. Auch hier lohnt ein Halt, zumal über dem klaren Wasser ein mit Moos bewachsener Weidenbaum die Kinder zum Klettern animiert.

Der Rest ist ein Klacks. Die Ammertalbahn wird unterquert, und schon geht es zur Herrenberger Innenstadt. Wer nicht auf den historischen Marktplatz will, um den Kindern einen großen Eisbecher zu spendieren, fährt vom Bahnhof aus einfach mit S-Bahn heimwärts.

Franziskas Fahrradtacho hat 22 neue Kilometer registriert. Mit vielen Pausen waren sie und ihr Bruder Maxime drei Stunden lang unterwegs. Die Tour sei gut zu schaffen, meint die Achtjährige zwischen zwei Schäufelchen Spaghetti-Eis. "Es gibt ein paar Berge, aber danach geht's immer schön runter."

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