Tour de Region Über Burgen und Berge

Es geht nur selten bergab für Martin Tschepe und Thomas Kappler Foto: Gottfried Stoppel
Es geht nur selten bergab für Martin Tschepe und Thomas Kappler Foto: Gottfried Stoppel

Die neunte Tour hat es in sich. Fiese Steigungen fordern Schmalz in den Waden. Allerdings wird man auch belohnt: mit grandiosen Ausblicken.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)
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Marbach - Auf dieser Radetappe geht es zunächst ganz gemütlich bergab. Die Ausflügler sollten sich aber nicht zu früh freuen, später wird es noch knackig. Vom Marbacher Bahnhof im Kreis Ludwigsburg aus rollen wir erst mal auf der Schillerstraße und dann auf der Bottwartalstraße hinunter bis in den Neckar: Willkommen in der Schillerstadt. Die Radler könnten sofort den ersten Stopp einlegen und das Schiller-Nationalmuseum oder das Deutsche Literaturarchiv besuchen. Wir wollen aber zunächst auf Touren kommen, sausen also weiter, biegen unten am Neckar nach rechts ab und fahren an der Hauptstraße entlang.

Nach der Ampel kommt die Idylle

Thomas Kappler vom Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) kennt die Strecke schon, er sagt: „Der erste Kilometer ist ein bisschen unangenehm.“ Doch schon nach ein paar Minuten, nach einer Fußgängerampel, beginnt ein idyllischer Abschnitt mit saftigen Wiesen, ganz ohne Autos. An dieser Ampel rechts abbiegen – die erste Hälfte dieser Tour „Zu Burgen und Adlern“ ist sehr gut ausgeschildert. Man kann sich kaum verfahren, einfach immer den kleinen Radwegweisern in Richtung Heilbronn folgen. Vorbei an Murr, dann hinein nach Steinheim, wo das Urmenschmuseum immer einen Besuch wert ist. Der Radweg führt direkt am alten Bahnhofsgebäude der längst stillgelegten Bottwartalbahn vorbei. Auf dem Bahnhofsvorplatz thront eine alte Lokomotive, Baujahr 1918, auf einem Schild wird die Historie der Schmalspurbahn erzählt.

Und weiter geht es, die kleinen Radroutenschilder weisen nach wie vor an jeder Ecke den Weg. Raus aus Steinheim und weiter in Richtung Oberstenfeld. Rechts plätschert die Bottwar. Vögel zwitschern, ein paar Schrebergärten tauchen am Wegesrand auf, später die Weinberge. Durch Kleinbottwar, dann nach Großbottwar. Jetzt haben die Pedaleure erstmals einen der beiden Höhepunkte dieses Radausflugs im Visier: In ein paar Kilometer Entfernung ist die Burg Lichtenberg zu sehen.

Wir fahren auf ein großes Stauwehr zu, umrunden es links und treten weiter in die Pedale. Links lugt der Wunnenstein hinter einem Feld hervor. Noch ein paar Minuten, dann sind wir in Oberstenfeld. Der Abstecher in die Ortsmitte lohnt sich in jedem Fall. Mitten im Flecken steht „der schönste Fachwerkgiebel“ des Ortes, das jedenfalls wird auf der Tafel am Gebäude Großbottwarer Straße 3 behauptet. Im Ort gibt es jede Menge Möglichkeiten zum Einkehren. Wir strampeln indes noch ein bisschen weiter: zurück zur Hauptstraße und auf dem parallel verlaufenden Radweg bis zum Zwischenziel Beilstein.

Imposanter Blick ins Bottwartal

Der Anstieg hinauf zur Burg Hohenbeilstein ist knackig. Wer mit Kindern radelt, der kann die Knirpse möglicherweise mit dem Hinweis auf die Falken, die Adler und die anderen Greifvögel motivieren – zumindest zum Schieben. Oben auf der Burg ist die Falknerei, im Burgrestaurant werden gutbürgerliche Speisen aufgetischt. Wer noch Kraft hat, der kann den 23 Meter hohen Burgturm, den Langhans, besteigen. Von oben hat man einen imposanten Blick ins Bottwartal. Und unten, am Fuß der Burg, verkauft das Schlossweingut Hohenbeilstein Rebensäfte aus ökologischem Anbau. Kleiner Tipp: nicht zu viele Flaschen einpacken. Es wird noch anstrengend.

Nach einer Pause auf der Burg geht es zunächst zurück nach Oberstenfeld, dann von der Straße in Richtung Backnang rechts ab in die Lichtenberger Straße und nochmals rechts in die Burgstraße. Achtung: am Gebäude mit der Hausnummer 34 links abbiegen in einen Feldweg. Immer geradeaus, an der T-Kreuzung nach rechts und dann steil bergauf. Vorbei an der Burg Lichtenberg, die für private Feiern angemietet werden kann. Dann einbiegen in die Straße in Richtung Altersberg. Bei Völkeshofen beginnt der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, und auf diesem Abschnitt sollte man deshalb ab und zu auf die Karte schauen, andernfalls drohen Umwege mit weiteren fiesen Steigungen.

In Altersberg sind es noch zwei Kilometer bis nach Einöd, einem Ort, der seinem Namen alle Ehre macht. Hier ist wirklich nichts los. Wenige Hundert Meter entfernt indes, auf dem Sonnenhof am Ortsrand von Kleinaspach, ist oft der Bär los. In der Hotelanlage werden gerne Feste gefeiert: Hier wohnt die Schlagersängerin Andrea Berg.

Später radeln wir immer entlang am Autobahnzubringer, mitten durch Großaspach und dann zum Zielort: Backnang. Der VVS-Mann Kappler, ein passionierter Radler, ist ganz begeistert von der Tour. „Alles dabei“, sagt er. Idyllische Ecken und richtig spektakuläre Abschnitte, „aber nix für Ungeübte, man sollte schon ein bisschen Schmalz in den Waden haben“.

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