Tour de Region – von Kirchberg nach Bietigheim Selbst der Homo steinheimensis lässt grüßen

Von  

Neue Radstrecke rund um die Region, Etappe 10: Die Drei-Flüsse-Tour entlang von Murr, Neckar und Enz bietet sich als Tagesausflug an – wegen idyllischer Landschaften , zahlreicher kultureller Höhepunkte und vieler Einkehrmöglichkeiten.

Zwischen Neckar und Weinbergen: Thomas Bopp (rechts) und Horst Stammler Foto: factum
Zwischen Neckar und Weinbergen: Thomas Bopp (rechts) und Horst Stammler Foto: factum

Kirchberg - Ein guter Schluss ziert alles – das sattsam bekannte Sprichwort passt so recht zur Tour de Region. Mit der Etappe von Kirchberg an der Murr bis nach Bietigheim-Bissingen ist die Runde, die eben in der Enz- und Porsche-Metropole ihren Startpunkt hatte, vollendet. Und auf den knapp 45 Kilometern wird den Stramplern – so viel sei versprochen – noch einmal alles im Zeitraffer geboten, was den Reiz des Ballungsraums am Neckar ausmacht: herrliche Naturlandschaften, pittoreske Städtchen, traumhaft mäandernde Flussläufe und hochkarätige Kulturgeschichte pur. Die beiden Paten der Etappe, Regionalpräsident Thomas Bopp und der Chef des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart, Horst Stammler, waren jedenfalls begeistert. Hier wähne man sich, so Bopp, eher in Kurorten einer Ferienregion als inmitten einer der erfolgreichsten Wirtschaftsregionen.

Ein Rat deshalb vorneweg: zwar lässt sich die, radsporttechnisch betrachtet, eher leichte Tour an Murr und Neckar und Enz entlang in drei Stunden bewältigen – zumal mit einem E-Bike unter dem Hintern. Angesichts der Fülle an möglichen Haltstationen empfiehlt es sich aber dringend, die Fahrt zu einem Tagesausflug zu verlängern.

Gleich nach dem Start geht es bergauf

Los geht’s direkt an der neuen S-Bahn-Station in Kirchberg an der Murr. Und schon nach wenigen Metern erweist es sich als Segen, Motorunterstützung mit dabeizuhaben, denn gleich nach der Ausfahrt aus dem Bahnhofsgelände geht’s rechter Hand den Hang hinauf; dies nicht allzu steil, aber kontinuierlich. Der Stadtteil Neuhof ist das erste Ziel; gelegen oben auf einer Art Hochplateau, das den freien Blick ermöglicht über grüne Felder und Pferdekoppeln. Ein Traktor zieht auf der weiten Wiese einsame Runden an diesem sonnigen Tag, um das erste Heu zu machen.

Der erste Schweiß der edlen Pedalritter wäre damit auch vergossen. Dies lässt sich deshalb leicht verschmerzen, weil damit gleich am Anfang die höchste Stelle der Etappe erreicht ist. Über Erdmannhausen führt die Strecke schnurstracks nach Steinheim an der Murr, das – Kenner der Materie wissen das – von gewisser prähistorischer Bedeutung ist, denn unweit der 12 000-Seelen-Gemeinde ist schließlich der Homo steinheimensis gefunden worden, eines der frühesten Zeugnisse der Menschheitsgeschichte. Und selbstredend lohnt sich hier ein Abstecher ins Urmensch-Museum – eine willkommene Pause auch nach den ersten acht Kilometern. Bei der Testfahrt ist derweil keine Zeit für touristische Höhepunkte, weiter geht’s der Murr entlang nach Benningen und an Freiberg vorbei, dort schon am Ufer des Neckars fahrend, in den die Murr mündet. Wunderbare Wege tun sich bis hierher auf, von Bäumen gesäumt; das Rauschen des Wassers klingt den Radlern im Ohr – wobei gelegentlich das Gesicht der Region als Industrie- und Wirtschaftsmetropole sichtbar wird.

Am Wegrand gibt es viele Gelegenheiten für einen Stopp

Zwischenzeitlich hätte es sich unter anderem in Marbach am Neckar schon wieder angeboten, die Räder für gewisse Zeit stillstehen zu lassen. Zwar führt die Etappe selbst unterhalb der Schillerstadt vorbei, doch es ist nur ein kleiner Umweg hinein in die Stadt – verbunden mit der Möglichkeit, beispielsweise dem Geburtshaus des Nationaldichters einen Besuch abzustatten. Wer zunächst lieber Strecken machen möchte, kann auch dies tun: die nächste Möglichkeit zum Stopp kommt bestimmt. Die Neckarschleife bei Hessigheim mit den imposanten Weinbergen im Hintergrund ist von hohem landschaftlichem Reiz. Und Besigheim, dann schon bei Etappenkilomter 35, ist auch eine Entdeckung wert. Hoch über Neckar und Enz thront die mittelalterliche Gemeinde, die mit ihren herrlichen Fachwerkhäusern und zahlreichen Einkehrmöglichkeiten zur Rast einlädt – bei gutem Wetter unter freiem Himmel. „Die Route“, so VVS-Chef Stammlers Fazit, „sollte man als Drei-Flüsse-Tour vermarkten.“

Nun erscheint es nur noch als Katzensprung zum lohnenden Ziel nach Bietigheim-Bissingen, die Stadt, die die erste E-Bike-Station in der Region eingerichtet hat – und wo sich der Tag nicht nur auf dem früheren Gartenschaugelände wunderbar ausklingen lässt, ehe es vom Bahnhof aus mit der S-Bahn wieder nach Hause geht. Wie gesagt: ein guter Schluss ziert alles.

Sonderthemen