Tourauftakt von U2 Krieg, Trump, Chemnitz – U2 in Berlin

Von dpa 

Der Sänger Bono verurteilt rechte Gewalt – und bricht ein zweites Konzert wegen Stimmproblemen ab.

Bono nimmt kein Blatt vor den Mund – aber am Samstag machte die Stimme nicht mehr mit. Foto: dpa
Bono nimmt kein Blatt vor den Mund – aber am Samstag machte die Stimme nicht mehr mit. Foto: dpa

Berlin - Die Band U2 war schon immer politisch, wie sehr konnte man beim jüngsten Konzert in Berlin wieder sehen. Zum Start ihrer Europatour ließen die irischen Rocker kein Thema aus – auch zu den rechten Ausschreitungen in Chemnitz fand Sänger Bono klare Worte. Auf der riesigen Leinwand in der Mitte der Berliner Mercedes-Benz-Arena laufen Bilder von zerbombten Städten, Charly Chaplins Stimme kreischt aus den Lautsprechern, der Schriftzug „#metoo“ mischt sich mit einem Bild von Edward Snowden. Plötzlich trommelt der Schlagzeuger Larry Mullen los, das Gitarrenriff von „Lights of Home“ erklingt, und langsam sind Bono und Co. durch den meterhohen LED-Screen zu sehen. „Berlin, ich liebe dich!“, grüßt der Frontmann Bono auf Deutsch die rund 14 500 Fans in der ausverkauften Arena. Das Publikum ist bunt gemischt von Fans der ersten Stunde bis hin zu Kindern, die mit ihren Eltern gekommen sind.

Wie Soldaten aufgereiht stehen die vier Stars da, als sie schließlich zu ihrem Welthit „Sunday Bloody Sunday“ ansetzen. Die Bühne erstrahlt in den Farben Irlands Grün, Weiß und Orange. Bono spricht immer wieder zum Publikum. „All die Feuerwehrleute, Lehrer und Krankenschwe­stern, das sind die wahren Stars“, ruft er. Die Leuten klatschen Beifall. Als Satan maskiert kommt der Sänger schließlich auf das Böse zu sprechen und schlägt den Bogen zu Donald Trump und der AfD. Der Teufel verrichte seine Arbeit am besten, wenn keiner an ihn glaube, krächzt er.

#wirsindmehr

Auf einmal erscheint auch das Wort „#wirsindmehr“ auf dem Bildschirm. Die Menge applaudiert. Auch die irischen Rockstars haben die rechten Gewaltausbrüche in Chemnitz verfolgt. „Solche Leute gehören nicht zu Europa und diesem Land“, ruft Bono. Nicht jedem im Publikum gefällt das. Einem aus Chemnitz angereisten Fan missfällt, dass seine Stadt in den Fokus gerückt wird: „Das kann man schon machen, aber ich finde, es reicht jetzt langsam.“ Am Ende geht es auch noch um die EU: Zu „Get Out of Your Own Way“ wird eine Europafahne so groß wie die gesamte Bühne hinter der Band gehisst.

Mit dem Konzert startete die Band ihre Europatour „Experience + Innocence“. Einen zweiten Auftritt in Berlin am Samstag brachen die Rocker ab – der Sänger Bono hatte plötzlich seine Stimme verloren. Die Band erklärte auf ihrer Homepage, bald bekanntzugeben, wie es weitergeht. Auftritte in Deutschland waren noch für Köln und Hamburg geplant. In Dublin soll die Tour im November enden.