Tourismus am Bosporus in der Krise Nur wenige Urlauber brechen sofort ab

Ein leer stehendes Ladenlokal im Zentrum von Kemer – so sieht es vielerorts in den einstmals so beliebten Urlaubszentren der Türkei aus. Foto: dpa
Ein leer stehendes Ladenlokal im Zentrum von Kemer – so sieht es vielerorts in den einstmals so beliebten Urlaubszentren der Türkei aus. Foto: dpa

Der Tourismus in der Türkei hat schon nach diversen Selbstmordattentaten schweren Schaden genommen. Nun drücken der Putschversuch und der Ausnahmezustand weiter auf das Geschäft. Trotz der Buchungseinbrüche wollen die Reiseveranstalter halbwegs Normalität demonstrieren.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Stuttgart - Wer gedacht hat, es könne kaum schlimmer kommen, sieht sich getäuscht. Nachdem im östlichen Mittelmeer speziell seit dem Vorjahr unzählige Flüchtlinge ertrunken sind und nachdem in den vergangenen Monaten mehrmals Terroristen in Ankara und Istanbul zugeschlagen haben, vergraulen nun der Putschversuch und der Ausnahmezustand den Türkei-Urlaubern die Reisefreude. Der Tourismus steckt in einer tiefen Krise.

„Ausgangssperren können nun überall kurzfristig verhängt und allgemeine Personenkontrollen jederzeit durchgeführt werden“, warnt das Auswärtige Amt. Daher sollte jeder ein Ausweisdokument mit sich führen. Besuchern von Istanbul und Ankara rät das Ministerium „bis zur vollständigen Klärung der Lage weiterhin zu äußerster Vorsicht“ gerade auf öffentlichen Plätzen. Im Zweifelsfall solle der Urlauber in sichere Wohnungen und Hotels zurückkehren. Am Istanbuler Flughafen Atatürk herrsche noch immer kein normaler Flugbetrieb. Immerhin: „Von der Mittelmeerküste wurden keine besonderen Ereignisse gemeldet.“

Keine neuen Stornoregeln wegen des Ausnahmezustandes

Die Veranstalter geben sich dennoch alle Mühe, weitgehend Normalität zu demonstrieren: Die Sicherheitshinweise hätten sich nicht grundsätzlich geändert, sagt ein Thomas-Cook-Sprecher. „Bisher haben wir keine Erkenntnisse darüber, dass der Ausnahmezustand direkte Auswirkungen auf unsere Kunden hat.“ Vom Angebot nach dem Putschversuch, kostenfrei zu stornieren, hätten nur sehr wenige Gäste Gebrauch gemacht, heißt es. Weniger als zehn Prozent sollen es gewesen sein. Nun gelten wieder die üblichen Stornobedingungen. Allenfalls Städtereisen nach Istanbul können für Abflüge bis 31. Juli kostenfrei revidiert werden.

Alltours hatte bis einschließlich vorigen Montag eine hundertprozentige Erstattung des Reisepreises in Aussicht gestellt. Zudem dürfen alle Abreisen in die Türkei bis kommenden Sonntag kostenlos auf andere Reiseziele umgebucht werden. Diese Offerte wurde jetzt nicht erneuert. Nach Angaben einer Sprecherin gilt aber weiterhin die zum 8. Januar in Kraft gesetzte Regelung, wonach Neubuchungen für Ägypten, Tunesien und die Türkei gebührenfrei abgeändert werden können, wenn dies bis 30 Tage vor Abreise passiert.




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