Tourismus Gefälschte Coronatests in Mexiko

In Cancun gibt es Sonne satt – und auf Wunsch gefälschte Corona-Testergebnisse. Foto: dpa/Niyi Fote
In Cancun gibt es Sonne satt – und auf Wunsch gefälschte Corona-Testergebnisse. Foto: dpa/Niyi Fote

In Mittelamerika blüht der Tourismus und das illegale Geschäft von dubiosen Laboren. Die verkaufen gefälschte Corona-Testergebnisse für umgerechnet 35 Euro.

Korrespondenten: Klaus Ehringfeld (ehr)
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Mexiko-Stadt - Wer es in Mexiko als Tourist eilig hat und Geld für einen Corona-Test für die Heimreise sparen will, der muss sich nur in den sozialen Netzwerken umsehen. Dort findet man dann Helfer, die unter Pseudonym Kontakte zu einem Labor im Urlaubsort Cancún vermitteln. Man ruft an, gibt die persönlichen Daten an, die Fluginfos und überweist umgerechnet 35 Euro – kaum eine Viertelstunde später gibt es eine professionell aussehende Bescheinigung mit Briefkopf, Barcode und Unterschrift eines Chemielaboranten. „Negativ“. Und schon kann die (Heim)-Reise beginnen. Mexikanische Medien haben es getestet.

Diese gefälschten PCR-Tests sind momentan in dem lateinamerikanischen Land bei Urlaubern sehr nachgefragt, die nach den Ferien in der Heimat nachweisen müssen, sich nicht mit Covid-19 infiziert zu haben. Die Entscheidung für den „Piraten-PCR“ mag erleichtern, dass echte Corona-Nachweise in Mexiko ausgesprochen teuer sind. Krankenhäuser und Labore berechnen bis zu 250 Euro für den Test. Mit Glück findet man ihn für 100 Euro, wenn man lange sucht.

Mexiko beklagt viele Todesfälle

Die Hotels an Mexikos „Riviera Maya“ mit den Ferienorten Cancún und Tulum waren Ende des Jahres und im Januar mit Urlaubern aus den USA, Kanada, Lateinamerika und Europa gut besucht. Da Mexiko in der Coronakrise weder die Grenzen geschlossen hat, noch einen PCR-Test zur Voraussetzung für die Einreise macht oder Quarantäne anordnet, hat sich das Land laut der Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) 2020 hinter Italien und Frankreich aktuell zum drittbeliebtesten Reiseziel auf der ganzen Welt entwickelt.

Dabei wütet hier gerade die zweite Welle der Coronaepidemie, ohne dass die erste jemals richtig abgeebbt wäre. Seit Donnerstag hat Mexiko Indien als das Land mit den drittmeisten Toten auf der Welt abgelöst. Mittlerweile sind in Mexiko 155 145 Menschen durch oder mit dem Coronavirus verstorben. Infiziert haben sich mehr als 1,8 Millionen Mexikaner. Alleine am Donnerstag kamen 19 000 neue Ansteckungen hinzu.

Auch der Präsident ist erkrankt

Zu den Patienten gehören auch die beiden bekanntesten und einflussreichsten Mexikaner. Präsident Andrés Manuel López Obrador und Carlos Slim, einst reichster Mensch der Welt und noch heute mit einem Vermögen von 48 Milliarden Euro der vermögendste Latino, leiden unter der Krankheit. Und beide sind Risikopatienten. Während der 81 Jahre alte Telekommunikations-Unternehmer Slim im Krankenhaus liegt, erholt sich der 67-jährige und an Bluthochdruck leidende López Obrador daheim. Die Mexikaner wundern sich aber, dass Regierung und Gesundheitsbehörden ein fast „stalinistisches Schweigen“ über die Gesundheit des ersten Mannes im Staat verhängt haben.

Ohnehin wissen die Menschen nicht, wie korrekt die täglich veröffentlichten Corona-Zahlen ihrer Regierung sind. In einer Rangliste der Nachrichtenagentur „Bloomberg“, welche die Pandemiebekämpfung in den 53 stärksten Volkswirtschaften vergleicht, belegt Mexiko den letzten Platz. Hier sterben 7,5 Prozent aller Erkrankten – die höchste Mortalität aller untersuchten Länder. In Deutschland liegt sie bei rund 2,4 Prozent. Zudem sind mehr als 40 Prozent aller Corona-Tests in Mexiko positiv, was auf eine dramatisch weite Verbreitung der Infektionskrankheit schließen lässt.




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