Tourismus-Gesellschaft Schwarzwald zieht Konsequenzen aus Filzverdacht

Erhält Rückendeckung: Schwarzwald-Geschäftsführer Hansjörg Mair Foto: Schwarzwald Tourismus

Verschärfte Regeln und bessere Kontrolle: diese Lehren will die Schwarzwald-Tourismus GmbH aus einer Sonderprüfung ziehen. Zu deren Chef aber bekennen sich die Aufseher.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Die Schwarzwald Tourismus Gesellschaft (STG) in Freiburg zieht Konsequenzen aus einem durch Recherchen unserer Zeitung bekannt gewordenen Filzverdacht. Die Regeln für Auftragsvergaben, interne Abläufe und Compliance (Regeltreue) sollen verschärft werden, mögliche Interessenkonflikten will man besser vorbeugen. Diese Konsequenzen ziehen Aufsichtsrat und Gesellschafter nach eigenen Angaben aus einer Sonderprüfung, die bei einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Auftrag gegeben worden war.

 

Die Gremienvorsitzenden und Landräte Christian Ante (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) und Torsten Erny (Ortenaukreis) betonten nach der Beratung des Berichts, die „im Raum stehenden Vorwürfe“ hätten sich „nicht bestätigt“. Dem in die Kritik geratenen STG-Geschäftsführer Hansjörg Mair sprechen sie indirekt ihr Vertrauen aus. „Es ist unser Anspruch, dass die positive Entwicklung der STG, insbesondere unter der Leitung von Hansjörg Mair, fortgesetzt wird“, heißt es in ihrer Erklärung.

Auftraggeber und Auftragnehmer ein Paar

Auslöser der von Beratungsfirma Deloitte vorgenommenen Sonderprüfung waren Berichte unserer Zeitung über mögliche Interessenkonflikte: Mair ist seit Jahren liiert mit einer leitenden Mitarbeiterin der Agentur Saint Elmo’s Tourism, die wiederholt von der STG beauftragt wurde. Die beiden arbeiten in Freiburg im gleichen Gebäude. Um Aufträge für Saint Elmo’s und das enge Zusammenwirken des Paares hatte es in der Tourismusbranche seit Jahren Irritationen gegeben. Schon bei der ersten Vergabe oder einer der ersten Vergaben an die Agentur soll es Verstöße gegeben haben, die später als „geheilt“ erklärt worden seien. Anfragen dazu hatte die STG bisher unter Verweis auf die laufende Sonderprüfung unbeantwortet gelassen.

Welche Vorwürfe im Einzelnen als „entkräftet“ angesehen werden, blieb in der Erklärung der Landräte offen. Der Auftrag an die Prüfer lautete demnach, “mögliche Interessenkonflikte transparent zu prüfen und zugleich die bestehenden Vergabe- und Compliance-Strukturen der STG auf den Prüfstand zu stellen“. Versäumnisse früheren Gremienvorsitzenden, die die Konstellation seit Jahren kannten, waren nicht Gegenstand der Sonderprüfung. „Wir nehmen die Hinweise der Prüfer auf Verbesserungsbedarf bei internen Abläufen ernst“, betonten Ante und Erny.

Angriff auf CDU-geführte Tourismuspolitik?

STG-Geschäftsführer Mair hatte die Recherchen in einer internen Mail als Angriff auf die „CDU-geführte Tourismuspolitik des Landes“ gewertet. Getroffen werden solle insbesondere der für Tourismus zuständige Staatssekretär Patrick Rapp im Wirtschaftsministerium von Nicole Hoffmeister-Kraut (beide CDU). Dazu werde ein „vermeintlicher Compliance-Vorfall“ konstruiert, obwohl bei der Zusammenarbeit zwischen STG und Saint Elmo’s alles seine Richtigkeit habe.

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