Tourismus in Baden-Württemberg Stuttgart gilt als nachhaltiges Reiseziel

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Ertsmals darf sich eine Stadt mit dem Siegel schmücken. Minister Alexander Bonde räumte bei der offiziellen Verleihung ein: „Das ist mehr eine Starturkunde als eine Abschlussurkunde.“

Armin Dellnitz (von links), Alexander Bonde und Michael Föll präsentieren das Siegel. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Armin Dellnitz (von links), Alexander Bonde und Michael Föll präsentieren das Siegel. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Seit Mittwoch darf sich Stuttgart „Nachhaltiges Reiseziel“ nennen. Ein entsprechendes Siegel wurde der Stadt von Tourismusminister Alexander Bonde verliehen. Ob sich die Stadt das Siegel allerdings schon verdient hat, blieb auch bei der Verleihung offen. Minister Bonde räumte bei der Verleihung ein: „Das ist mehr eine Starturkunde als eine Abschlussurkunde.“

Das Zertifikat ist neu: Es wurde in den vergangenen zwei Jahren durch das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz und der Zertifizierungsgesellschaft TourCert entwickelt und soll nachhaltige Tourismusregionen in Baden-Württemberg auszeichnen. „Bisher gab es nur Zertifikate für einzelne Hotels oder Unternehmen. Neu ist, dass nun eine ganze Stadt oder Region ein Siegel bekommen kann,“ erklärte Minister Bonde.

Bonde: nachhaltiger Tourismus liegt im Trend

Stuttgart ist neben dem Europa-Park in Rust, dem Kurort Bad Dürrheim und dem Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald eine von vier Pilotdestinationen, die sich auf ihre Nachhaltigkeit prüfen ließen. Dabei werden laut dem Ministerium ökonomische, soziale und ökologische Aspekte untersucht. „Nachhaltiger Tourismus liegt im Trend“, erklärte Minister Bonde bei der Vergabe des Zertifikats. Bei der Wahl ihres Urlaubsziels würden immer mehr Touristen auf einen verantwortungsvollen Umgang mit vorhandenen Ressourcen achten.

Armin Dellnitz, Geschäftsführer von Stuttgart-Marketing stimmte ihm zu: „Vor drei Jahren haben wir die Anfrage eines Veranstalters erhalten, der hier einen Kongress mit 1000 Leuten abhalten wollte – und dabei besonderen Wert auf eine nachhaltige Tagungsstätte legte.“ Damals sei ihm klar geworden, dass der Tourismusort Stuttgart ohne ein Nachhaltigkeitskonzept in Zukunft Marktanteile verlieren würde.

Rücklauf der lokalen Betriebe „eher mau“

Was genau macht Stuttgart nun zu einem nachhaltigen Tourismusort? Da bleibt Minister Bonde vage: „Das ist ein Prozess und es geht darum, wie man sich weiterentwickelt.“ Die Stadt müsse nun erstmal einen Kriterienkatalog abarbeiten. Armin Dellnitz ist sich dennoch sicher, dass der Standort Stuttgart das Siegel bereits jetzt verdient hat. Man habe schließlich schon konkrete Maßnahmen ergriffen: „Wir versuchen etwa, keine Stuttgart-Souvenirs mehr in China fertigen zu lassen. Und wir haben unseren gesamten Briefverkehr auf Recyclingpapier umgestellt.“ Auch beziehe man inzwischen nur noch Strom aus erneuerbaren Energien.

Dabei spricht Dellnitz in erster Linie von Stuttgart-Marketing. Den Tourismus-Standort Stuttgart macht freilich viel mehr aus: Hotels, Gastronomie, Tagungszentren und nicht zuletzt Nahverkehr und Infrastruktur. Man habe sich sehr bemüht, lokale Betriebe mit an Bord zu holen, der Rücklauf sei aber „eher mau“ gewesen, erklärte Hilke Langer von Stuttgart-Marketing. 16 Hotels und Gastronomiebetriebe hätten sich nun bereit erklärt, ihre Nachhaltigkeit überprüfen zu lassen. Die Begeisterung hält sich also in Grenzen, denn insgesamt gibt es in der Stadt allein 171 Betriebe, die Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Die gesamte touristische Infrastruktur eines Ortes nachhaltiger zu gestalten sei „unheimlich komplex“, sagte Langner.

Drei Jahre lang darf die Stadt Stuttgart nun das Siegel „Nachhaltiges Reiseziel“ führen. Die entsprechende Plakette wird bald am Eingang der Tourist Information ­i-Punkt in der Königsstraße hängen. Nach Ablauf der drei Jahre wird dann geprüft, ob die Stadt den Maßnahmenkatalog abgearbeitet hat und das Siegel behalten darf.

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