Tourismus in der Pandemie Urlaubsländer: Wer gewinnt? Wer verliert?

Die Urlaubsregion Schwäbische Alb hat während der Pandemie massiv Besucher gewonnen. Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Die Reiseziele sind ganz unterschiedlich durch die Pandemie gekommen. Viele haben Touristen verloren, einige haben aber auch profitiert. Da gibt es einige faustdicke Überraschungen.

Stuttgart - Die Coronapandemie hat der erfolgsverwöhnten Reisebranche zuvor unvorstellbare Rückgänge beschert. Die größten Rückgänge um fast 60 Prozent gab es bei Flugurlaubsreisen. Umgekehrt konnten sich einige Ziele sogar über Zuwachs freuen. Wir stellen Gewinner und Verlierer vor.

 

Gewinner 1: Deutschland

Vor der Pandemie machten nur 26 Prozent der Deutschen im Inland Urlaub, 2020 waren es 45 Prozent. 2021 waren es dann zwar relativ wieder etwas weniger, aber immer noch rund acht Prozent mehr als vor Corona. Hauptgewinner waren Bayern (plus 18 Prozent) und vor allem Baden-Württemberg (plus 36 Prozent). Der Grund: Im Bayerischen Wald und auf der Schwäbischen Alb war einfach noch Platz. Was die Küste angeht, kann sich am ehesten Schleswig-Holstein als Gewinner sehen. Ganz vorn lag 2021 die Schlei. Der „Ostseefjord“ hat laut seinem Tourismuschef Max Triphaus „die erfolgreichste Saison aller Zeiten“ verbucht.

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Gewinner 2: Kroatien

Das einzige Auslandsurlaubsziel, das 2021 bei den Urlaubern aus Deutschland zulegte, war Kroatien. Es kamen 2,9 Millionen Urlauber. Lieblingsziel war Istrien, wo mehr als ein Viertel der Gäste den Urlaub verbrachte, Lieblingsreiseform war das Camping. „Noch nie waren so viele Deutsche an Ferien mit einem Wohnmobil (15 Prozent) oder im Caravan (12 Prozent) interessiert“, erklärt Tourismusforscher Martin Lohmann.

Gewinner 3: Malediven

Richtige Zuwächse aus Deutschland gegenüber der Vor-Corona-Zeit hatte 2021 kein Fernreiseziel. Doch drei Länder haben sich besser geschlagen als alle anderen: die Dominikanische Republik, dann Mexiko, wo man teilweise auch ohne Test einreisen konnte, und vor allem die Malediven. Rund 65 000 Deutsche folgten 2021 dem Lockruf in das Strand-und-Schnorchel-Paradies. Als eines der ersten öffnete es sich 2020 wieder für Urlauber. Dem Inselstaat im Indischen Ozean kam zugute, dass sein Angebot pandemiefreundlich aus mehr als hundert winzigen Inseln besteht, auf die jeweils nicht mehr passt als ein Hotel.

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Verlierer 1: Südtirol

Südtirol ist es ja eigentlich gewohnt, inneritalienische Vergleiche für sich zu entscheiden. In der Coronapandemie aber ist die Alpenprovinz bislang Schlusslicht. Die autonome Provinz hatte 2021 die höchste Corona-Inzidenz, dazu kamen die meisten Impfverweigerer. Deshalb galten über lange Perioden strengere Maßnahmen als anderswo – etwa eine Maskenpflicht auch im Freien und eine FFP2-Masken-Pflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. Dazu kam ein struktureller Unterschied: Südtirol macht einen erheblichen Anteil seines Urlaubsgeschäfts im Winter – und der fiel 2021 komplett aus.

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Verlierer 2: Türkei

Die sonst so beliebte türkische Riviera hatte 2021 besonders zu kämpfen. Zum einen ist die Wirtschaft im Land generell im Keller. Die türkische Lira befindet sich auf einer beispiellosen Talfahrt. Urlauber haben aber wenig von dem daraus resultierenden Preisvorteil, weil fast ausschließlich all inclusive gebucht wird. Dieses türkische Urlaubsprodukt, das so lange so gut lief – volle Büfetts, große Hotels – war in Zeiten von Masken und Ansteckungsangst nicht besonders gefragt. Die Türkei wurde durchgehend von Deutschland als Risikogebiet eingestuft. Die Folge: Familien mit Kindern – die Hauptzielgruppe – kamen kaum noch, weil die Kinder lange Zeit nicht geimpft werden konnten, aber als Ungeimpfte nach dem Urlaub 14 Tage in Quarantäne mussten. Zudem zog der Hauptvorteil der Türkei, die günstigen Preise, 2021 nicht so wie sonst, weil diejenigen, die 2021 Urlaub machen wollten, nach einem urlaubslosen Jahr 2020 nicht so aufs Geld geschaut haben.

Verlierer 3: China

Fernreisen zählten 2021 eigentlich durchgehend zu den Verlierern. Insbesondere fielen solche Länder zurück, die man auf einer Gruppenreise besucht und wo man stundenlang im Bus sitzt. Manchen, wie den USA, ging es trotzdem nicht schlecht, weil sie selbst einen riesigen Inlandsmarkt besitzen und die US-Amerikaner selber alle auch nicht heraus konnten oder wollten. Andere, wie Australien, würgten sogar die Inlandsreisen ab, indem sie sogar die Grenzen zwischen den einzelnen Bundesstaaten verriegelten. Den härtesten Reiserückgang von allen erlebte jedoch China. Im Land selbst herrscht bis heute eine extrem harte Null-Covid-Strategie, die ständig ganze Großräume in den Lockdown schickt. Nach außen hin schottet sich das Reich der Mitte komplett ab. Selbst Geschäftsleute dürfen nur auf dringliche Einladung chinesischer Firmen einreisen und müssen dann auch noch ohne Pardon zwei Wochen in Quarantäne. Zum Abschluss hat China auch gerade noch eine Chance verpasst, die man nicht oft bekommt: Die Olympischen Spiele fanden ohne Publikum statt.

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