Tourismus in Paris Ein Museum für die Generation Instagram

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Im Museum Mad Dimension in Paris ist Interaktion ausdrücklich erwünscht – die Besucher sind vor allem junge Menschen mit großem Faible für soziale Medien

Bitte recht freundlich! Im Instagram-Museum in Paris sollen sich die Besucher fotografieren und die Bilder in den sozialen Netzwerken teilen. Foto: Krohn/Krohn
Bitte recht freundlich! Im Instagram-Museum in Paris sollen sich die Besucher fotografieren und die Bilder in den sozialen Netzwerken teilen. Foto: Krohn/Krohn

Paris - Juliette gibt alles für ein Foto mit vielen Likes. Kichernd klettert sie in den Sarg, zupft sich noch einmal die Haare zurecht, bevor ihr Gesicht wie auf Knopfdruck in einer Art Leichenstarre verharrt, eine spezielle Neonlampe sorgt mit grell-kaltem Licht für die entsprechende Gruselbeleuchtung. Ihre Freundin ist hellauf begeistert und knipst mit dem Smartphone einige Bilder aus verschiedenen Perspektiven. Jetzt noch schnell auf Instagram einen Filter aussuchen – Juliette entscheidet sich wegen des Gruseleffektes für „Moon“ – und schon kann das kleine Kunstwerk von ihren Followern in dem sozialen Netzwerk bewundert werden. Für eine Pause haben die beiden jungen Frauen keine Zeit, im nächsten Raum wartet ein quietschbunter Totenkopf-Thron für die nächste wilde Fotosession.

Anfassen ausdrücklich erlaubt

„Sie betreten das einzige Instagram-Museum von Paris“, hatte der livrierte Empfangschef am Eingang noch mit auf den Weg gegeben, „anders als in anderen Museen dieser Welt, ist hier das Berühren der Exponate und natürlich das Fotografieren ausdrücklich erlaubt.“ Wobei schon in den ersten Räumen deutlich wird, dass der Begriff Museum in diesem Fall sehr großzügig interpretiert wird, es erscheint eher als eine Art Spielwiese für Insta-Kids. Geöffnet sei das Haus im 10. Arrondissement von Paris mit dem bezeichnenden Namen „Mad Dimension“ eigentlich seit März, erklärt der Mann am Eingang noch, doch dann kam die Corona-Pandemie, und „wir haben nach dem ersten Tag wieder schließen können“. Nun hat sich die Lage entspannt, die Pforten wurden wieder geöffnet, es gelten die üblichen Abstandsregeln, und am Eingang wird den Besuchern Desinfektionsgel auf die Hände gesprüht.

Nichts wird dem Zufall überlassen

15 Räume des ehemaligen Kaufhauses Le Manoir wurden umgebaut und exakt auf die Generation Instagram zugeschnitten. Konkret heißt das: alles ist sehr bunt, oft grell, bisweilen gruselig, gearbeitet wird mit verwirrenden Spiegeleffekten und häufig mit Anleihen aus bekannten TV-Serien oder Spielfilmen. „Unsere Mannschaft hat einige Monate an jedem Detail der Ausstellung gearbeitet“, sagt Marie Ferreux, Kommunikationschefin von Le Manoir. „Nichts wurde dem Zufall überlassen.“ Das Konzept komme aus den USA, erklärt Marie Ferreux weiter und wundert sich fast etwas, dass in Paris erst jetzt ein Museum dieser Art aufmacht, schließlich sei Instagram bei den jungen Franzosen das beliebteste soziale Netzwerk.

Zum Service des Hauses gehört auch, dass ein Angestellter durch die Räume geht und den Besuchern immer wieder anbietet, sie zu fotografieren. Natürlich kann er auch Tipps für die besten Posen und die schönsten Effekt-Filter auf Instagram geben. Juliette und ihre Freundin nehmen das Angebot gerne an und bezeugen ihre tiefe Freundschaft zumindest für einige Stunden in einer gemeinsamen Insta-Story mit Boomerang-Effekt.

Die Eltern vergnügen sich im Louvre

Die beiden jungen Frauen sind mit ihren Eltern aus der Stadt Le Mans nach Paris gekommen. „Wegen Covid 19 machen wir in diesem Jahr keinen richtigen Urlaub, sondern nur Ausflüge in Frankreich“, erzählen sie. Während sie sich in diesem sehr speziellen Museum vergnügen, sehen sich ihre Eltern den Louvre an. „Die haben sich gefreut, dass sie wegen der wenigen ausländischen Touristen endlich einmal Karten bekommen haben“, verraten die Mädchen, „aber das alte Zeugs ist eher nichts für uns.“ Von dem Museum erfahren hat Juliette natürlich ganz klassisch – über Instagram.

Ein Hotspot für Insta-Kids

Nach einer kurzen Pause machen sich die beiden dann auf den Weg in die Rue Crémieux, eine kleine Straße voller pittoresker, bunter Häuser im 12. Arrondissement. Es ist eine Art Hotspot, wo sich zum großen Leidwesen der Anwohner jeden Tag die Instagram-Gemeinde dieser Welt trifft, um Fotos zu schießen und Filmchen zu drehen. Bevor sie aufbrechen, checkt Juliette aber noch einmal ihren Account. Über 100 Likes in einer Stunde für das Sarg-Foto! Ihre Freundinnen zu Hause in Le Mans werden platzen vor Neid. Der Besuch in Paris hat sich also schon gelohnt.




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