Tourismus in Tunesien René Trabelsi soll das Geschäft mit den Urlaubern retten

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Der neue Tourismusminister des Landes ist der einzige Jude auf einem solchen Posten in der arabischen Welt. Auf ihm liegen viele Hoffnungen des Landes.

René Trabelsi ist seit kurzem neuer Minister in Tunesien. Foto: AFP
René Trabelsi ist seit kurzem neuer Minister in Tunesien. Foto: AFP

Tunis - René Trabelsi weiß, wovon er spricht. „Das hier ist Tunesien und nicht Deutschland“, sagt er und jongliert mit seinem Smartphone. „In Tunesien klappt alles nur so ungefähr.“ Hier reiche es nicht, einen Brief zu schreiben, und dann laufe die Sache. „Hier muss man ständig hinterher sein.“

Seit Jahren organisiert der joviale 55-Jährige, der zwischen Tunis, Paris und Djerba pendelt, als Chef von „Royal First Travel“ Reisen in sein Geburtsland. Nun ist René Trabelsi zum Tourismusminister Tunesiens ernannt worden – und ist damit der einzige jüdische Minister in der gesamten arabischen Welt.

Er gilt als kompetent und umgänglich und steht in dem Ruf, etwas bewegen zu können. Am 14. Dezember 1962 als Ältester von sechs Geschwistern geboren, entstammt er einer wohlhabenden Familie aus Djerba, die überzeugt ist, dass ihre Vorfahren bereits vor mehr als 2500 Jahren auf der heutigen Ferieninsel ankamen. Nach der Überlieferung flohen sie 587 vor Christi nach der Eroberung Jerusalems durch den babylonischen König Nebukadnezar über das Mittelmeer gen Westen.

1600 Juden in Tunesien

Vater Perez Trabelsi ist als Leiter der berühmten Ghriba-Synagoge seit Langem eine Institution. Das älteste jüdische Gebetshaus in Afrika zieht bei seinem jährlichen Pilgerfest Abertausende Besucher aus aller Welt an, in diesem Jahr waren auch 400 Israelis dabei.

1600 Juden leben heute noch in Tunesien, die meisten auf Djerba, nach Marokko mit 2500 Mitgliedern die zweitgrößte Gemeinschaft in der arabischen Welt. Vor zwei Generationen beherbergte die kleine nordafrikanische Nation noch 100 000 jüdische Bürger, die in den fünfziger und sechziger Jahren fast alle nach Frankreich oder Israel auswanderten.

Tunesien soll sicherer geworden sein

Auch René Trabelsi ging nach dem Abitur nach Frankreich und studierte Management in Paris. Inzwischen ist der Vater dreier Kinder einer der ganz Großen im Tourismusgeschäft, das jährlich 300 000 europäische Ferienkunden nach Tunesien bringt. Die Sicherheit der Touristen hat sich in seinen Augen seit dem Terror-Desaster 2015 im Bardo-Museum und am Strand von Sousse erheblich verbessert. „Unsere Polizei wird von Europa geschult und arbeitet heute viel effektiver“, sagt er und lobt, dass die Beamten vor Ort „jetzt weniger dem Zufall überlassen“.

Dennoch ist die Terrorgefahr keineswegs gebannt, wie vor zwei Wochen der Selbstmordanschlag einer 30-jährigen Frau mitten im Herzen der Hauptstadt Tunis zeigte. Trotzdem war 2018 ein gutes Jahr für Tunesiens Tourismusindustrie. Nach Jahren der Flaute hat sie mit fast sieben Millionen Gästen erstmals wieder alte Stärke erlangt.

Frischer Wind gesucht

Trotzdem braucht das Feriengeschäft dringend frischen Wind. Es wird geplagt von den gleichen Defiziten wie andere tunesische Wirtschaftszweige auch: behäbige Routine, erstickende Bürokratie, festgefahrenes Denken und geringe Motivation.

Seit Jahrzehnten setzt der Staat auf billigen Massentourismus, der immer weniger einbringt. Die meisten der imposanten punischen und römischen Denkmäler dagegen fristen ein Schattendasein und werden kaum genutzt. „Diese archäologischen Stätten sind essenziell für unseren Tourismus, damit wir nicht länger nur das Bild abgeben, dass wir außer Hotels und Stränden nichts zu bieten haben“, erklärt Mouna Ben Halima, stellvertretende Generalsekretärin des tunesischen Hotelverbandes.

Zum Wohle Tunesiens

Mit René Trabelsi werde nun endlich ein Profi Tourismusminister, der die Branche und ihre jahrelangen Blockaden genau kenne. „Wir hoffen, dass er neue Ideen und innovative Konzepte entwickelt.“ Dass das neue Regierungsmitglied Jude sei, spiele keinerlei Rolle, sagt Mouna Ben Halima. „Für uns ist entscheidend, dass er kompetent und effektiv arbeitet, zum Wohle Tunesiens.“