Tourismusverband Bonde stößt auf Skepsis

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Bei der Wahl zum Präsident des Tourismusverbandes erfährt Agrarminister Alexander Bonde (Grüne) Misstrauen aus den eigenen Reihen.

Landespolitik: Andrea Koch-Widmann (akw)
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Stuttgart - Peinliche Panne bei der Wahl des Landestourismusverbands: erst verkündete die Tourismus Marketing GmbH bereits am Tag zuvor in einer Pressemitteilung (mit Sperrfrist zwar), dass der Agrarminister Alexander Bonde (Grüne) "ohne Gegenstimmen" zum neuen Präsidenten des Tourismusverbands Baden-Württemberg gewählt wurde. Anscheinend waren diese Wahlen mit nur einem Kandidaten bisher immer so glatt gelaufen, dass man sich so weit aus dem Fenster lehnen konnte.

Tatsächlich aber verweigerte am Donnerstag bei der Wahl ein Fünftel der 53 Delegierten Bonde die Gefolgschaft. Fünf stimmten gegen ihn, sechs enthielten sich. Ganz offensichtlich wurden bei der außerordentlichen Delegiertenversammlung des Verbands im Europa-Park Rust (Ortenaukreis) offene politische Rechnungen beglichen.

So hat es etwa der Bürgermeister Stefan Wirbser der Gemeinde Feldberg nicht verwunden, dass sein lange geplantes Parkhaus am Feldberg relativ rasch sozusagen ein Opfer der neuen grün-roten Landesregierung wurde. Der erhoffte Zuschuss wurde ihm gestrichen, "ohne dass jemand mit mir geredet hätte", beklagte er sich gegenüber der StZ. In der Versammlung jedenfalls forderten er und zwei weitere Bürgermeister den Kandidaten Bonde vor der Wahl auf, Stellung zu nehmen zur Zukunft des Wintertourismus am Feldberg, zum geplanten Ausbau der Windkraft, und er sollte bekennen, wem er sich "mehr verpflichtet" fühle - den Grünen oder dem grün-roten Koalitionsvertrag.

Dem Antrag Wirbsers, entgegen der Gepflogenheiten geheim abzustimmen, folgte die Versammlung dann aber mit großer Mehrheit nicht.

Kritik an Verschiebung

Es ist nicht nur das grüne Parteibuch ihres neuen Präsidenten, der zugleich auch Aufsichtsratsvorsitzender der Tourismus Marketing GmbH des Landes ist, das viele Delegierte stört. Sie beklagen auch, dass der Tourismus, der wichtigste "nicht exportierbare" Wirtschaftsfaktor im Land, nach dem Regierungswechsel vom Wirtschaftsministerium in Bondes Ministerium für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz verschoben wurde. Das halten viele für einen Fehler. Ein Wirtschaftsminister müsse das Land auch international vermarkten, ein Agrarminister sei doch deutlich mehr begrenzt auf seine Scholle im Heimatland, ist zu hören.

Eine Einschätzung, die der Geschäftsführer der TMBW, Andreas Braun, nicht teilt. Er sei nach etlichen Gesprächen mit dem Minister davon überzeugt, dass man "hervorragend zusammenarbeiten" werde, sagte er der StZ am Rande der Tagung. Auch hege er die Hoffnung, dass durch neue Kooperationen und Synergieeffekte im Agrarressort mehr Mittel in den Tourismus fließen könnten, sagte er. Wenig Verständnis hatte er für das Abstimmungsverhalten. Schließlich hätten die TMBW, der Kur- und Heilbäderverband und der Gaststättenverband Dehoga den Minister zur Kandidatur aufgefordert.

Alexander Bonde bemühte sich, die Vorbehalte zu entkräften. Er verwies auf den Städtetourismus und die Auslandsmärkte. Diese seien "Treiber des Aufschwungs" in Baden-Württemberg. Das Land steuere auf ein Rekordjahr zu: plus sieben Prozent bei den Ankünften, plus fünf Prozent bei den Übernachtungen (Stand Ende Juli). Deshalb unterstütze er nachdrücklich die TMBW, die ihre Aktivitäten im Ausland intensivieren wolle.

Bonde und Mack sind sich einig

Bonde dankte seinem Vorgänger beim Verband, dem früheren FDP-Wirtschaftsminister Ernst Pfister, der zum Abschied mit der Verdienstmedaille des Tourismusverbands ausgezeichnet wurde. Pfister habe "mit viel Herzblut" konzeptionelle Weichen gestellt, auf die sich aufbauen lasse. Mit der neuen Vermarktungsstrategie "Wir sind Süden" sei nun, das zeigten die Umfragen, Baden-Württemberg als Urlaubsland deutschlandweit stärker ins Bewusstsein gerückt. "Wir haben alle ein gemeinsames Interesse, den Tourismus im Land zu stärken", erklärte Bonde und bot allen "eine offene und ehrliche Zusammenarbeit" an.

Der Minister begrüßte das neue Projekt "Grüner Süden", das auf einen naturnahen und umweltverträglichen Tourismus setze. Von einem Nationalpark Nordschwarzwald, das betonte Bonde, könnte die Branche und die gesamte Region profitieren. Das sieht auch der Gastgeber, der Chef des Europa-Parks Rust, Roland Mack, so. Er habe "ein großes Interesse" an einem Nationalpark, und er werde das Projekt "in jeder Hinsicht unterstützen".

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