Ein Pferdemarkt ohne Narren? Besonders beim großen Umzug sind Fasnetsgruppen kaum wegzudenken. Doch was passiert, wenn der Kalender den Narren einen Strich durch die Rechnung macht?
Der Leonberger Pferdemarkt ist für Einheimische wohl ein fast ebenso hoher Feiertag wie Weihnachten oder Ostern. Alte Bekannte treffen sich in den Kellern der Stadt, es wird ein ganzes langes Wochenende getanzt und gefeiert, Kinder turnen in bunten Kostümen durch die Straßen – und das in einer Zeit, in der im schwäbisch-allemannischen vielerorts ohnehin kräftig Fasnet gefeiert wird. Aber wie viel Fasnet steckt eigentlich im Pferdemarkt?
Historisch betrachtet erst mal – wenig. Das steckt schon im Namen: Denn der Pferdemarkt begann vor knapp 350 Jahren eben als Markt für Pferde. In „trangseelig und geltklemmen Zeiten“ sollte das einst Moral und Wirtschaft ankurbeln. Der Markt fand damals noch im Januar statt. 1871 entscheidet man sich endgültig für einen festen Termin, der bis heute geblieben ist, den zweiten Dienstag im Februar – obwohl es im 20. Jahrhundert ein erfolgloses Bestreben gab, die Veranstaltung in eine wärmere Jahreszeit zu verlegen.
Der Umzug des Pferdemarkts lebt auch von den Hästrägern
Später kamen dann weitere Attraktionen zum Programm dazu, etwa der große Festumzug, der nach wie vor eher wie ein großer Faschingsumzüge anmutet. Die Fasnet ist deshalb vom Pferdemarkt eigentlich kaum mehr wegzudenken. Viele der Gruppen, die am Umzug teilnehmen, sind Zünfte aus der Umgebung. Außerdem sorgen zahlreiche Guggenmusikgruppen für richtig gute Stimmung entlang der Umzugsstrecke. Wenn Fasnet ist, dann ist eben auch Pferdemarkt – die Grenzen sind hier schon lange verschwommen.
Das gilt aber nicht immer. Dass Pferdemarkt und Fasnet im Terminkalender nah beieinander liegen, ist nicht in jedem Kalenderjahr gegeben. Denn der Fasnetstermin ist im Gegenzug zum Pferdemarkt nicht immer am gleichen Tag im Februar. Die Fasnetszeit leitet die Fastenzeit vor Ostern ein, ab Aschermittwoch ist Schluss mit der Feierei. Ostern wiederum orientiert sich am ersten Frühlingsvollmond – und kann damit im Kalender bis zu vier Wochen nach vorne oder hinten rutschen.
Nächster Pferdemarkt ohne Fasnet: Erst im Jahr 2035
Ist der Ostertermin besonders früh, kann es also durchaus passieren, dass der Aschermittwoch am Pferdemarkt-Dienstag schon vorbei ist – und die Narren und Fasnetsgruppen, die Jahr für Jahr den großen Umzug mit ihrem Schabernack bereichern, ihr Häs schon wieder im Schrank verstaut haben. Zuletzt ist das 2008 passiert, damals musste der Pferdemarkt ohne die Hästräger auskommen. Aber keine Sorge: In den meisten Jahren meint es die Kalenderrechnung gut mit närrischen Pferdemarktfans. Einen Pferdemarkt-Dienstag, der nach dem Aschermittwoch stattfindet, gibt es voraussichtlich das nächste Mal erst im Jahr 2035.