Das traditionelle Radrennen „Rund um Schönaich“ lockt auch in diesem Jahr zahlreiche Teilnehmer an. Die Stimmung auf der Straße und unter den Gästen ist gut. Olympiasiegerin Lisa Klein siegt bei den Frauen, bei den Männern kommt Johannes Adamietz zuerst ins Ziel.
Kurz nach 12 Uhr stehen in der Wettgasse in Schönaich 200 Radler in den Startlöchern. Der Countdown beginnt. Als er bei Null angekommen ist, flitzen sie los, angefeuert von den lauten Rufen der Zuschauer. Das Radrennen „Rund um Schönaich“, organisiert vom RSC Schönaich, hat auch in seiner 49. Auflage zahlreiche Sportler aus ganz Deutschland und sogar drei Teams aus Tschechien, Österreich und Italien am Ostermontag in die Gemeinde auf der Schönbuchlichtung gelockt.
Beim Hauptrennen müssen die Elite-Amateure 16 Runden und damit insgesamt 144 Kilometer zurücklegen. Die Strecke führt über Breitenstein und Neuweiler, am Ende jeder Runde wartet der Wolfenberg mit zwölf Prozent Steigung. Insgesamt finden an diesem Tag zwischen 9 und 16 Uhr acht Rennen statt – sie sind teils hochkarätig besetzt. So sind beim Frauenrennen – sechs Runden à neun Kilometer – beispielsweise die Olympiasiegerin Lisa Klein und Lokalmatadorin Lisa Brandau vom RSC Schönaich dabei.
Olympiasiegerin zeigt ihr Können
Klein war als Profi bei Straßen- und Bahnradrennen aktiv. Kürzlich hat sie ihren Vertrag als Straßenprofi gekündigt, als Bahnradfahrerin macht sie aber weiter. Sie sei in letzter Zeit körperlich öfter angeschlagen gewesen und habe beschlossen, kürzer zu treten. „Ich fahre bevorzugt Rennen, bei denen ich Spaß habe“, erklärt die 28-Jährige ihre Teilnahme in Schönaich auf Nachfrage von Moderator Freddy Eberle, erster Vorsitzender des RSC Schönaich. Klein belegt am Ende den ersten Platz, Brandau fährt auf den zwölften.
Olympiasiegerin Lisa Klein. /Anke Kumbier
Deutlich wird: Spaß zu haben, gehört bei diesem Rennen dazu – nicht nur bei Lisa Klein. Dazu trägt vermutlich auch die anspruchsvolle Strecke bei. „Der Abschlussberg war fies“, sagt etwa die 15-jährige Edda, die beim U-17-Rennen der Frauen teilgenommen und den zweiten Platz belegt hat. Aber genau das bergige Profil der Strecke habe es ihr angetan. Die 15-Jährige aus Osterweddingen in Sachsen-Anhalt war zum ersten Mal in Schönaich dabei und könnte sich gut vorstellen, wiederzukommen.
Mit Freude dabei
Schon ein „alter Hase“ ist der 14-jährige Anton aus München. Er fahre zum dritten Mal bei „Rund um Schönaich“ mit, sagt er. Dieses Jahr hatte er allerdings Pech. Gleich in der ersten Runde sei ihm am Berg die Kette gerissen und dann sei ihm auch noch jemand hinten rein gefahren. Er gab auf, weil er den Rückstand nicht mehr hätte aufholen können, meint er. Die Laune hat ihm das ganz offensichtlich nicht verdorben. Nächstes Jahr will er es wieder versuchen: „Das ist eines der größten Rennen in Bayern und Baden-Württemberg und es ist einfach gut organisiert.“
Auch die Zuschauer scheinen das Rennen zu genießen. Nicht alle sind eingefleischte Radrennfans. „Wir sind einfach aus Schönaich“, erklärt Sabine Kuppinger. „Das Radrennen ist Kult und gehört seit 49 Jahren dazu“, sagt sie. „Wir selbst sind nur Freizeitradler. Aber es ist toll, dass so eine große Veranstaltung von so einem kleinen Verein gestemmt wird“, meint ihr Mann Jochen anerkennend. Ähnlich geht es der Familie Kindler, die ebenfalls in Schönaich wohnt und den Besuch des Radrennens als Tradition bezeichnet. „Ich komme jedes Jahr mit, es ist toll zuzuschauen“, sagt die zehnjährige Mila. Solche Worte hören die Mitglieder des RSC Schönaich sicher gerne. „Bisher läuft es super“, sagt Tim Müller, zweiter Vorsitzender, gegen Mittag. Als größte Unbekannte bezeichnet er das Wetter. Das spielt größtenteils mit. Nur zwischen 13 und 14 Uhr gibt es einen heftigen Regenschauer. Rund 30 Vereinsmitglieder seien im Einsatz, um das Rad-Event zu stemmen, außerdem zwischen 70 und 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz, berichtet Müller. „Ohne sie könnten wir das gar nicht machen“, betont er.
Neuweilers Ortsdurchfahrt pünktlich fertig
Nicht nur für die Zuschauer hat das Rennen Tradition, auch für den Verein. So ist beispielsweise RSC-Mitglied Roland Weissinger in den 1970er Jahren selbst mitgefahren, später sein Sohn René und nun hätte eigentlich Enkel Luca starten sollen, er sei aber krank geworden. „Jedes Jahr werden es mehr“, beobachtet Weissinger – mehr Teilnehmer, mehr Frauen, die fahren, und mehr Gäste. Entwicklungen, die er begrüßt. In diesem Jahr kommt außerdem noch eine Besonderheit hinzu: Teile der Strecke sind neu gemacht. So ist die Ortsdurchfahrt Neuweilers gerade rechtzeitig fertig geworden. „Eine Punktlandung“, freut sich Weissinger.
Das 49. Rennen darf am Ende wohl als voller Erfolg bezeichnet werden – mit glücklichen Siegerinnen und Siegern und ohne größere Verletzungen unter den Teilnehmern.
Männer Beim Elite-Amateur-Rennen über 144 Kilometer belegte Johannes Adamietz, der für den Club Rembe fährt, den ersten Platz. Er benötigte drei Stunden, 18 Minuten und 26 Sekunden. Auf dem zweiten Platz landete Oscar Schempp vom Team Storck – Metropol Cycling, auf dem dritten Platz Cedric Abt vom Team Lotto Kernhaus.
Frauen Beim Frauen-Rennen über 54 Kilometer fuhr Lisa Klein von Embrace The World Cycling mit einer Zeit von einer Stunde, 30 Minuten und drei Sekunden auf den ersten Platz. Den zweiten Platz belegte Katharina Fox von Embrace The World Cycling, den dritten Platz holte Pia Kummer vom RSC Kempten.
Preisgelder Die ersten 25 Fahrer bekommen bei den Männern laut Tim Müller vom RSC Schönaich 1300 Euro. Bei den Frauen erhalten die ersten zehn demnach 700 Euro.