In Sielmingen und Bonlanden finden in dieser Woche Veranstaltungen statt, bei denen nahezu ausschließlich Fleisch und Wurst serviert werden. Woher kommen die Traditionen?

Zum Einstieg gibt’s Bauchfleisch und Brustspitze, im Anschluss werden Teile vom Bug und vom Hals serviert. Der dritte Gang besteht aus Innereien, Bäckchen, Zünglein und Rüssel vom Schwein, und zum Abschluss kommen Leber- und Griebenwurst auf den Tisch. Dies ist das Vier-Gänge-Menü der Bonländer Metzelsupp’. Am 7. Februar richten der DGHI, der Filderstädter Gewerbeverband, die Veranstaltung zum 20. Mal aus. Herbert Köhn, der Vorsitzende, erwartet zum deftigen Schmaus in der Uhlberghalle 200 bis 250 Personen. Fünf ganze Schweine würden von der Metzgerei Hörz zu diesem Anlass verarbeitet, außerdem gingen 40 Holzofenbrote und 50 Kilogramm Kraut weg.

 

Laut dem zuständigen Bundesministerium steigt der Anteil der Vegetarier in Deutschland. 2025 seien es etwa sieben Prozent gewesen. Gleichzeitig nehme der Anteil jener, die täglich Fleisch oder Wurst verzehrten, ab. 2015 waren es laut Ministerium 34 Prozent und damit elf Prozentpunkte mehr als heute. Dennoch: Die Metzelsupp’ ist und bleibt für Fleischesser. Wer nichts vom Schwein will, muss sich mit Brot und Kraut zufriedengeben. „Es gibt jede Menge Leute, die kommen von außerhalb“, sagt Herbert Köhn. „Sie lieben das rustikale Essen, das es nicht überall gibt“, sagt er.

Der Fleischeslust wurde bereits am 5. Februar auch in Sielmingen gefrönt. Die Arbeitsgemeinschaft Sielminger Vereine richtete in der Gemeindehalle ihr 37. Griebenwurstvesper aus. Was es zu essen gab? Grieben- und Blutwurst, Bauchspeck, Sauerkraut und Brot von lokalen Erzeugern, zählt Wolfgang Pascher, der Vorsitzende, auf. „Es gibt viele, die sagen: Ich liebe Griebenwurst und will die einmal im Jahr essen“, erklärt er.

Woher kommen die Traditionen in Filderstadt?

Woher kommen die Traditionen in Filderstadt? Beide haben einen historischen Hintergrund, wie Nikolaus Back, der Stadtarchivar, erklärt. „Auch Bonlanden war einst ein ländlicher Ort mit zahlreichen bäuerlichen Betrieben“, sagt er. Zum Schlachten sei stets der Hausmetzger auf den Hof gekommen, und wenn der mit seiner Arbeit fertig gewesen sei, habe es als Abschluss die Metzelsupp’ gegeben. Hierzu seien der Metzger selbst, Nachbarn und Verwandte eingeladen gewesen. Will heißen: So eine Metzelsupp’ hat auch etwas Geselliges – bis heute. Neben den zünftigen Speisen wird es auch am 7. Februar wieder ein Rahmenprogramm geben, nämlich Unterhaltung durch den örtlichen Musikverein und den Kabarettisten Alois Gscheidle. Herbert Köhn betont: „Sogar der Ministerpräsident hat sich angekündigt. Der war schon mehrfach da.“

Warum die Sielminger den Beinamen Griebenwürste tragen

So eine Metzelsupp’ hat auch etwas Geselliges – bis heute, weiß Stadtarchivar Nikolaus Back. Foto: Caroline Holowiecki

Das Griebenwurstvesper hat laut Pascher seit 1987 ebenfalls stets der Vernetzung gedient. Bei der Veranstaltung kommen Stadtverwaltung, Politik, Vereine und Bürgerschaft zusammen und vespern eben. Aber warum Griebenwurst? Hierzu berichtet Nikolaus Back von einer Überlieferung, wonach ein neuer Pfarrer einst einen Sielminger gefragt habe, was in diesem Ort wichtig sei. Dessen Antwort habe gelautet: „Eine kurze Predigt und eine lange Griebenwurst.“ Seitdem trügen die Sielminger den Beinamen Griebenwürste. In diesem Jahr gibt’s beim Griebenwurstvesper zwei Neuheiten. Erstmals findet wegen zu vieler Terminkollisionen der Treff nicht am Schmotz’gen Donnerstag statt, sondern eben eine Woche früher. Und auch das ist eine Premiere: Es wird auf der Karte eine vegetarische Alternative geben. Wolfgang Pascher betont: „Das gab es seither nicht.“