Rund zehn- bis zwölftausend Bücher stehen in den Regalen. Vor fast 20 Jahren hat Brigitte Schütz die Buchhandlung von Barbara Vogel-Quell übernommen. Nun feiert das Traditionsgeschäft sein 70-jähriges Bestehen in der Bahnhofstraße. Tatsächlich ist die Buchhandlung noch deutlich älter.
1910 gründete Oskar Vogel eine Verlagsbuchhandlung in der Landhausstraße 5. Er verlegte und verkaufte Bücher zum Thema Handwerk und Lehrhefte für die Frauenarbeitsschule. 1944 eröffnete sein Sohn Julius Vogel mit seiner Frau Hedwig die Buchhandlung Vogel in der Poststraße 21. Nach dem Tod ihres Mannes zog Hedwig Vogel 1954 mit ihrem Laden in die Bahnhofstraße 11 in das Gebäude der Firma Max Klett. „Über viele Jahre führte und prägte Hedwig Vogel das Unternehmen und machte die Buchhandlung zu einer festen Größe in der Stadt“, erzählt Brigitte Schütz. Sie wurde dabei unterstützt von ihrer Tochter Barbara Vogel-Quell, die die Geschäfte 1985 übernahm – und bis 2005 führte. Dann übernahm Brigitte Schütz. Und im April 2013 folgte der Umzug an den heutigen Standort in der Bahnhofstraße 4. Neben der Inhaberin arbeiten aktuell noch eine weitere Vollzeit-Buchhändlerin und zwei bis drei Aushilfen in der Buchhandlung Vogel.
Das Lesen entspannt die Buchhändlerin
Brigitte Schütz, die ursprünglich aus Schwäbisch Hall stammt und schon viele Jahre in Renningen lebt, sammelte ihre erste Erfahrung im Buchhandel anno 1988. Die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin war unzufrieden mit ihrer Arbeit, suchte zur Überbrückung einen Job und und meldete sich in der Buchhandlung Vogel als Aushilfe für das Weihnachtsgeschäft. Nach wenigen Tagen war Brigitte Schütz klar: „Das will ich machen. Es war ein richtiges ,Aha’-Erlebnis“, erzählt die heute 58-Jährige. Barbara Vogel-Quell bot ihr an, sie zur Buchhändlerin auszubilden. 1992 legte Brigitte Schütz ihre Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ab. Eine Entscheidung, die sie nie bereut hat. „Ich habe meine Berufung gefunden.“
Besonders gefällt ihr, dass sie durch ihren Beruf Bücher in die Finger bekommt, die sie sonst vielleicht gar nie gelesen hätte. „Man macht Entdeckungen, die den Horizont erweitern“, sagt sie. Zwei bis drei Bücher verschlingt Brigitte Schütz pro Woche. Nicht nur, um für ihre Kunden auf dem neuesten Stand zu sein, sondern auch, weil es sie entspannt. „Ich kann beim Lesen wunderbar zur Ruhe kommen“, sagt die 58-Jährige, der einst Karl May die Welt der Bücher erschlossen hat. Zudem besitzt sie keinen Fernseher.
Die Zahl der Buchhandlungen sinkt und sinkt
Schütz hat einen hohen Anspruch an sich und ihre Mitarbeiter. „Ich bin 2005 ja auch in große Fußstapfen getreten“, sagt sie. Wie auch schon Hedwig Vogel und ihrer Tochter Barbara Vogel-Quell ist Schütz der persönliche Kontakt zu den Kunden extrem wichtig. „Ich möchte die Kunden inhaltlich genau und intensiv beraten,“ so Schütz.
Dass die Zahl der Buchhandlungen im Laufe der Jahre immer mehr gesunken ist, weiß natürlich auch Brigitte Schütz. Allein in Böblingen gab es 1988 noch fünf Buchhandlungen, aktuell sind es noch zwei. Die Tatsache, dass die Buchhandlung Osiander die Mercaden bald verlässt und ebenfalls in die Bahnhofstraße zieht, bereitet Brigitte Schütz keine großen Bauchschmerzen. „Osiander ist seit den 70er-Jahren unser Mitbewerber gewesen. Ich denke, es gibt in der 50 000-Einwohner-Stadt Böblingen genug Platz für zwei Buchhandlungen“, sagt sie.
Eine Woche lang wird gefeiert
Lesung
Am Montag, 15. April, um 19 Uhr, findet eine Lesung mit Annabel Wahba über ihr Buch „Chamäleon“ statt. Der Eintritt kostet 12 Euro, Karten gibt es bei der Buchhandlung Vogel.
Happy Hour
Am Dienstag, 16. April, um 17.30 Uhr, hält Petra Waschner einen Vortrag über Bertha von Suttner, „Ein Leben für den Frieden. Am Mittwoch, 17. April, von 18 bis 19 Uhr, gibt es eine Happy Hour mit Sekt, Selters und Knabbereien. Und am Donnerstag, 18. April, um 19 Uhr, ist der Lesekreis Diezenhalde zu Gast und lädt zum Zuhören und Mitdiskutieren ein über Michael Kumpfmüller „Die Herrlichkeit des Lebens“.