Traditionsevent in der Krise Was das Böblinger Fischsuppenessen mit „Wetten, dass..?“ gemeinsam hat

Blick in den Europasaal: Beim diesjährigen Fischsuppenessen gab es so wenige Gäste wie wohl nie zuvor. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Jetzt mal Butter bei die Fischsuppe: Der Gästeschwund bei der Benefizgala sollte zu denken geben. Böblingen braucht Ideen, um auch jüngere Menschen zu erreichen. Ein Kommentar.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Was haben die Sendung „Wetten, dass..?“ und das Böblinger Aschermittwoch-Fischsuppenessen gemeinsam? Ganz einfach: Beide fanden früher einmal in der Böblinger Sporthalle statt – und beide waren einmal Publikumsmagneten und Erfolgsgaranten.

 

Die Betonung liegt allerdings auf „waren einmal“, denn sowohl der einstige TV-Quotenhit als auch Böblingens Benefizgala müssen sich heute mächtig anstrengen, wenn sie noch jemanden vor den Bildschirm respektive in die Kongresshalle locken wollen.

Kaum Menschen unter 60, von Menschen unter 30 ganz zu schweigen

In Böblingen zeigte sich dies jetzt wieder bei der diesjährigen Auflage des Fischsuppenessens. Hier kamen lediglich 500 zahlende Gäste und damit noch einmal rund hundert weniger als im Jahr zuvor. Wer sich im Europasaal umblickte, dürfte darüber kaum verwundert gewesen sein: Menschen unter 60 waren hier eher in der Minderheit, von Menschen unter 30 ganz zu schweigen.

Die meisten Gäste kennen die Veranstaltung vermutlich schon seit ihren Anfängen im Jahr 1980, als man in der Sporthalle 1000 Gäste verköstigte und fünfstellige Spendenbeträge einnahm. Über die Jahre kamen so rund eine halbe Million Euro für den Multiple-Sklerose-Aktionsverein AMSEL und andere örtliche Hilfsorganisationen zusammen. Der Erfolg und Fortbestand des Aschermittwoch-Fischsuppenessens sollte also durchaus allen am Herzen liegen.

Der Rückgang der Gästezahlen und damit auch der Spendeneinnahmen gibt allerdings zu denken. Das merkt auch die Stadt Böblingen als Veranstalter. Am Rande der Gala unterhielten sich Mitglieder des Organisationsteams mit konsterniertem Blick über den Gästeschwund. Vielleicht, so war herauszuhören, gehe dieses Format schlichtweg an einer jüngeren Zielgruppe vorbei.

So lecker die Fischsuppe auch schmecken und so lobenswert der Einsatz der vielen Ehrenamtlichen auch sein mag – wie soll diese Veranstaltung mit ihrem uncoolen Namen und dem irgendwie aus der Zeit gefallenen Programm-Mix aus Blasmusik, Kabarett, Show-Einlagen und Fastenrede denn noch neue Zielgruppen anlocken? Wem das zu hart klingt, der kann ja spaßeshalber gerne mal am Frühstückstisch die Kinder oder Enkel fragen, ob sie denn wissen, was das Böblinger Aschermittwoch-Fischsuppenessen überhaupt ist. Gut möglich, dass einem dann lauter ratlose Gesichter entgegenblicken.

Fastenredner Knut Kircher: Der Vortrag des ehemaligen DFB-Schiedsrichters war das Highlight des Fischsuppenessens. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Das Fischsuppenessen ist dabei längst nicht die einzige Kulturveranstaltung, die daran zu scheitern droht, den alten Begeisterungsfunken an die neuen Generationen weiterzugeben. Konzertreihen wie das Pianistenfestival, lokale Theatergruppen und Kulturvereine – sie alle ringen um ein junges oder zumindest jüngeres Publikum.

Einfache Lösungen gibt es nicht. Vergünstigte Tickets, Einladungen an junge Musiktalente, Kooperationen mit Schulen oder Vereinen – das alles könnten Ansätze sein. Ob sie am Ende Erfolg bringen, weiß kein Mensch. Beim ZDF sollen die Kaulitz-Brüder jetzt den ollen TV-Dampfer „Wetten, dass..?“ wieder flottmachen. Das wirkt, um ehrlich zu sein, ein bisschen verzweifelt.

Digitale Konkurrenz von TikTok bis Netflix hält viele vom Live-Erlebnis ab

Es ist einfach so: Was früher einmal außerordentlich gut lief, ist heute vielleicht ein Auslaufmodell. Die Zeiten haben sich geändert. Das gilt auch für die Arten und Wege, Kultur zu konsumieren. Schon allein die digitale Konkurrenz von TikTok bis Netflix hält viele davon ab, den Bildschirm gegen ein Live-Erlebnis einzutauschen.

Umso wichtiger ist es, dass ein Format wie das Fischsuppenessen auch in Zukunft Menschen miteinander verbindet, unterhält und vor allem dazu motiviert, anderen zu helfen. Aber dafür braucht es gute Ideen und kreative Köpfe. Wetten, dass es in Böblingen genug davon gibt, diesem Event wieder neues Leben einzuhauchen? Top, die Wette gilt!

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