Rund 20 000 Besucherinnen und Besucher pilgern allein am Pfingstmontag bei strahlendem Sonnenschein nach Ehningen zum traditionellen Pfingstmarkt. Schon bald nach der Öffnung gibt’s auf den Straßen und Gassen kaum noch ein Durchkommen. An den Ständen mit Getränken und gastronomischem Angebot bilden sich Warteschlangen. Und auf dem Street-Food-Markt sind manche Speisen schon vormittags ausverkauft. Doch die Stimmung ist entspannt und vergnügt.
„Alles friedlich“, meldet auch eine mit der Verkehrsregelung beschäftigte Polizeibeamtin. Und Leon Vidmar, der Einsatzleiter des DRK Ehningen, bestätigt: „Es ist viel ruhiger wie in anderen Jahren zuvor.“ Lediglich kleinere Verletzungen habe es bislang gegeben, die mit einem Pflaster oder einem Kühlpad behandelt werden konnten, erklärt er. Mit fünf Fahrzeugen, einem Zelt und 18 Mann ist das DRK vor Ort und sorgt sich um die Gesundheit der Besucher.
Die Foodtrucks wurden gut angenommen
Da sich der Musikverein Ehningen aus personellen Gründen als Mitorganisator des Pfingstfests zurückgezogen hat – bislang wurden das Festzelt und die Veranstaltungen abwechselnd von den Mitgliedern des TSV Ehningen und des Musikvereins organisiert –, sprang dieses Jahr die Verwaltung ein, um die Traditionsveranstaltung zu bewahren. Für ein breites Angebot an Speisen hat sich die Gemeinde mit dem Veranstalter Street-Food-Fiesta zusammengetan. Und so säumen Foodtrucks mit internationalen Spezialitäten das Festzelt, in dem es zwar ein kostenfreies Bühnenprogramm gibt, dieses Jahr jedoch keine Tisch-Bewirtung. Auch auf dem Pfingstmarkt locken ergänzend zu den Foodtrucks Speisen und Getränke. Das war laut der Gemeinde in der Vergangenheit bis auf wenige Ausnahmen nicht der Fall.
Auf dem traditionellen Pfingstmarkt präsentieren rund 130 Marktbeschicker ihre Waren. Von Stahlwaren, Schmuck und Spielwaren über Salben, Gewürze und Süßigkeiten bis hin zu Bambussocken, Handtaschen, Kinderkleidung und Dosenwurst haben die Besucher die Qual der Wahl. Im Vergnügungspark drehen die Kleinsten ihre Runden auf dem Karussell und quietschen vergnügt, während sie die Papas mit Drehwurm auf dem Gefährt begleiten. Die Street-Food-Fiesta selbst lässt keine Geschmackswünsche offen: es duftet an jeder Ecke anders. Die frisch zubereiteten mexikanischen Tamales (gefüllte Maisblätter) und kolumbianischen Empanadas (Teigtaschen), die spanische Paella, der griechischer Gyros und die niederländischen Poffertjes lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Brigitte Joppke, die Ordnungsamtsleiterin von Ehningen, sprang dieses Jahr gemeinsam mit dem Hauptamtsleiter Benjamin Finis in die Bresche, um das Fest zu organisieren. Die beiden sind zufrieden mit dem Verlauf des Fests und den Rückmeldungen zum neuen Konzept. „Es gab viele positive Stimmen, die das neue Konzept lobten und sich über die Neuerungen freuten“, erklärt Joppke. Aber es habe natürlich auch ein paar negative Rückmeldungen gegeben: „Das sei nicht mehr das Pfingstfest von früher, und die Rote Wurst fehle.“
Nächstes Jahr stemmt der TSV Ehningen wieder das Fest
„Der Gemeinde war es wichtig, dass das Traditionsfest erhalten bleibt“, erklärt Benjamin Finis. Die einzige Chance, das Fest zu retten, sei gewesen, selbst in die Bütt zu steigen und die Organisation zu stemmen. Dass das Fest dieses Jahr einen anderen Charakter habe, sei klar. Die Foodtrucks seien jedoch neugierig angenommen und die Vielfalt der Speisen gelobt worden. Auch die abendlichen Konzerte, die in diesem Jahr kostenfrei waren, seien sehr gut angekommen. Die Stimmung im gut gefüllten Festzelt sei prima gewesen. Und zufrieden mit dem Umsatz zeigen sich Brigitte Joppke zufolge auch die Betreiber der Getränkestände.
Das ganze Fest sei generell und auch an den Abendveranstaltungen gesittet und ruhig verlaufen, es habe keine größeren Vorkommnisse gegeben, erklärt die Ordnungsamtsleiterin. „Wir werden nun unsere Erkenntnisse daraus ziehen und sehen, wie es weitergeht“, sagt sie. Im kommenden Jahr stemmt der TSV Ehningen wieder das Pfingstfest. Der Verein will an dem zweijährigen Turnus festhalten. Wie es dann 2025 weitergeht, ist jedoch noch unklar.
1837 nahm alles seinen Anfang
Die Geschichte der Ehninger Pfingsttage reicht weit zurück: Seit dem Jahr 1837 findet der Markt am Pfingstmontag statt, der mit rund 130 Ständen regelmäßig mehrere Zehntausend Menschen aus der Region anlockt. Ursprünglich diente der Markt den Bewohnern Ehningens, sich einmal im Jahr mit allen nötigen Waren einzudecken. In den 60er-Jahren kam ein Fest auf der damaligen Schulwiese hinzu. Die örtlichen Vereine bauten die Veranstaltung auf drei Tage aus. Und so entwickelten sich die Pfingsttage zu jenem Volksfest, das sie auch heute noch sind.