Die Neuhausener Bierwecketse findet alle zwei Jahre an einem Wochenende im Sommer statt. „Ich beschreibe es für Außenstehende immer als dreitägiges riesengroßes Dorffest“, sagt Stefan Lehmann, pädagogischer Mitarbeiter im Penthaus. Wobei Neuhausen mit seiner Einwohnerzahl eigentlich schwerlich als Dorf durchgehe, fügt er lachend hinzu. Das Konzept des Festes sieht Essens- und Getränkestände, eine Bühne, ein Kinderprogramm und auch eine Kinderdisco vor. Auffällig sei vor allem das fehlende Angebot für Jugendliche, sagt Melissa Veil, die Jugendbeauftragte der Arbeitsgemeinschaft Neuhausener Vereine (ANV).
Jugendliche erarbeiten ihr Programm selbst
Auch den Verantwortlichen des Jugendzentrums, die auf der Bierwecketse unter anderem die Kinderdisco organisieren, ist dieser Umstand bewusst. „Vor zwei Jahren stand ich spätabends mit ein paar anderen auf der Veranstaltung zusammen und wir haben gesehen, dass viele Jugendliche einfach dastehen und nicht wissen, wo sie hinsollen“, berichtet Lehmann. Gerade die Altersgruppe von 14 bis 18 Jahren sei zwar irgendwie da, aber wisse nicht, was sie tun solle. „Es ist schade, dass es nichts gibt, das speziell für sie ist“, sagt Lehmann.
Bei Veil und Lehmann, die sich regelmäßig mit den Jugendleitern der verschiedenen Neuhausener Vereine und Verbände treffen und austauschen, besteht spätestens seit der vergangenen Bierwecketse nun der Wunsch, dass die Jugendlichen gesehen und gehört werden. „Wir dachten uns bei einem der Jugendleitertreffs, es wäre gut, wenn die Jugendlichen sich ihr Programm selbst erarbeiten“, so Lehmann.
Auch Nichtstun kann ein Programmpunkt sein
Es sei das erste Mal, dass ein Jugendforum in dieser Form in Neuhausen stattfinde, sagt Veil. „Wir sind alle sehr gespannt“, erklärt sie. Im Vorfeld waren die Mitarbeiter des Penthaus in Schulklassen und haben über das Angebot informiert. Auch über die sozialen Medien wurde Werbung gestreut.
Doch was wollen sie denn nun? Eine Antwort auf diese Frage zu finden, scheint für die Jugendlichen selbst gar nicht so einfach zu sein. Wenn er sich nach der Schule mit seinen Freunden treffe, würden sie meistens einfach chillen oder durch die Straßen laufen, sagt der 14-jährige Malte. Auch die anderen stimmen größtenteils zu, es drängt sich das Bild auf, dass Jugendliche manchmal auch einfach nichts machen möchten. „Nichts“ als Programmpunkt sozusagen.
Alkoholfreie Cocktails für junge Leute
„Man könnte einfach irgendwo am Rand eine Ecke für Jugendliche machen, in der es dann auch Sitzgelegenheiten gibt“, schlägt der 17-jährige Michael vor. Die Idee findet Anklang und wird im Verlaufe des Brainstormings durch ein Musikangebot mit der Möglichkeit, sich Lieder zu wünschen, und eine „Mocktailbar“ mit alkoholfreien Cocktails ergänzt. „Disco oder so ist nicht so meins, ich bin eher bei Aktivitäten dabei“, sagt der zehnjährige Luca. Er wünsche sich eine Ecke, in der man beispielsweise Feuerwehrschläuche ausrollen könnte. Das könnte durch eine Fußball-Challenge, bei der die Schussgeschwindigkeit gemessen wird, ergänzt werden, schlägt der 14-jährige Finn vor.
Weitere Diskussionen sind geplant
„Ich kann mir vorstellen, dass man beides macht und sich die Jugendlichen dann jederzeit von den Aktionen in den Chillbereich zurückziehen können und umgekehrt“, sagt Jugendzentrumsleiter Jochen Baral. Die Vorschläge des ersten Brainstormings könnten nun als Rahmen für das Angebot auf der Bierwecketse dienen, meint er. Beim nächsten Jugendforum soll es nun darum gehen, diesen möglichen Rahmen mit konkreten Vorstellungen zu füllen. Die Angebote wie beispielsweise die Bar könnten dann auch mit Workshops im Penthaus zum Cocktailmixen vorbereitet werden.
Die Macher ziehen ein positives Fazit
„Ich glaube, es muss sich jetzt alles entwickeln“, sagt Lehmann. Wenn bei der Bierwecketse dieses Jahr die Vorschläge der Jugendlichen umgesetzt werden können, wäre die Beteiligung in zwei Jahren vielleicht schon um einiges größer. Er zieht ein positives Resümee des ersten Jugendforums. „Ich glaube, wir sind schon einen riesigen Schritt weiter“, sagt Lehmann.
Ideen sollen konkret werden
Planungen
Das nächste Jugendforum zur Neuhausener Bierwecketse soll am 14. März ab 19 Uhr im Penthaus in der Rupert-Mayer-Straße stattfinden. Hier soll dann das vorläufige Rahmenprogramm weitergedacht werden.
Graffiti-Kunst
Die Verantwortlichen im Jugendzentrum Penthaus haben Erfahrung damit, Jugendliche in gestalterische Prozesse einzubeziehen. Seit dem Jahr 2019 werden Workshops zu Graffiti-Kunst angeboten. Eines der größten Projekte ist die Verschönerung der Tiefgarage Ochsengarten in Neuhausen, bei der viele Jugendliche mitgewirkt haben.
Arbeitsgemeinschaft
Die ANV ist ein Zusammenschluss von Vereinen und Institutionen in Neuhausen. Ziele sind die Interessenvertretung gegenüber der Kommune, das Zusammenstellen eines Veranstaltungskalenders sowie die Organisation der Bierwecketse und des Weihnachtsmarkts.