Traditionsfest in Winterbach Am Karlstag zählt nur der Name

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Karl, Carla oder Carolin – in Winterbach feiern Namensverwandte am 28. Januar den Karlstag. Der Vorsitzende des Karlsvereins, Karl-Heinz Kefer, berichtet von früher und seiner Hoffnung für die Zukunft.

Karl-Heinz Kefer mit einer Einladung zu einem früheren Karlstag. Foto: Gottfried Stoppel
Karl-Heinz Kefer mit einer Einladung zu einem früheren Karlstag. Foto: Gottfried Stoppel

Winterbach - Karl-Heinz Kefer war sechs Jahre alt, als er zum ersten Mal einen Karlstag feierte. 1958 war das. Heute ist Kefer Vorstand des Winterbacher Karlsvereins und lädt – wie jedes Jahr – alle Namensverwandten zum traditionellen Treffen ein, das 2020 auf einen Dienstag fällt. „Egal, welcher Wochentag das ist, am 28. Januar wird in Winterbach gefeiert“, sagt Kefer.

Dabei sein können alle, die – auch in Verbindung mit anderen Vornamen – Karl, Carla oder Carolin heißen. „Wir sind da offen“, sagt Kefer. Ob Professor oder Hilfsarbeiter, ob Senior oder Kleinkind, ob Winterbächer oder Neigschmeckter spielt keine Rolle, solange der Name stimmt. Wenn sich doch einmal ein Nicht-Karle unter die Feiernden schummelt, wird er getauft und muss danach zur Strafe eine Runde für alle ausgeben. „An vier Taufen kann ich mich erinnern“, berichtet Kefer.

Mit Karl, dem Großen, hat alles begonnen

Der 28. Januar wird nach Karl, dem Großen, als Karlstag bezeichnet, denn an eben diesem Tag des Jahres 814 starb der mächtige Kaiser. Der Karlstag sei eine Tradition, die man aufrecht erhalten sollte, findet Karl-Heinz Kefer, dessen Vater schon Vorstand des Karlsvereins war. Seit 27 Jahren hat der gelernte Bankkaufmann nun schon selbst diesen Posten inne. Der 67-Jährige weiß von anderen Gemeinden, in denen der Karlstag ebenfalls gefeiert wird, etwa in Heubach und Meersburg.

In Winterbach haben sich im vergangenen Jahr noch 14 Karle, Karlas und Carolinen am 28. Januar zur Feier im Heimatmuseum getroffen. „Die sterben langsam weg – wer heißt denn heute noch Karl?“, sagt Kefers Frau Brigitte. Karl-Heinz Kefer hingegen hofft: „Die alten Namen kommen wieder.“ Schließlich habe im vergangenen Jahr einer der Teilnehmer seinen vierjährigen Enkel mitgebracht und auch ein Säugling namens Karla sei beim Treffen dabei gewesen.

Eine von Kefers Töchtern heißt mit zweitem Vornamen Carolin. Sie hätte 1982 beinahe am 28. Januar das Licht der Welt erblickt. Drei Mal habe ihr Schwiegervater an diesem Tag bei ihr angerufen und sie gefragt, ob sie nicht langsam Wehen spüre, erinnert sich Brigitte Kefer und lacht. Um 23.30 Uhr sei es dann losgegangen. „Das schaff ich jetzt aber nicht mehr“, habe sie gesagt – und tatsächlich kam die Tochter wenige Stunden nach Mitternacht und somit am 29. Januar zur Welt.

Bei den Karlstagsfeiern ist sie natürlich trotzdem dabei, seit ungefähr 40 Jahren nehmen in Winterbach auch Frauen daran teil, erzählt Karl-Heinz Kefer. Zahlreiche Anwesenheitslisten vergangener Karlstage hat der Rentner aufgehoben, viele davon sind mit aufwendigen Zeichnungen verziert. Eine trägt das Datum von 1933. In einem späteren Brief an die Namensverwandten an der Front während des Zweiten Weltkriegs heißt es: „Wir bekennen, Ihr habt diesmal gefehlt, es war nicht wie sonst.“ Der Karlstag des Jahres 1942 hingegen wurde abgesagt.

„Se heisset uns Karle und Kerle sind wir...“

Doch nach dem Krieg ging es weiter, 1981 war die Abendschau da und berichtete. „Da waren wir noch mehr als 100 Karle“, erinnert sich Kefer. Damals wie heute wird s’Karles Lied gesungen, „Se heisset uns Karle und Kerle sind wir, so isch halt naworde, s’kann koiner dafür. Wir Karle send lustig und lebet so gern und haltet fei zamma wie andere Herrn“, heißt es da unter anderem, „Jo wäger, wir Karle send brauchbare Leit, drom feira wir älle den Namenstag heit.“ Lustig und gesellig gehe es auch heute noch zu, erzählt Karl-Heinz Kefer. „Wenn jemand sagt ‚Du, Karl...’ drehen sich natürlich immer alle um.“

Früher hatten die Karles bei den Feiern kleine Saitenwürstchen ans Revers geheftet, inzwischen sind es Minibrezeln. Auch ein großes Karlstagschild gehört zur Tradition. „Es wäre mir eine Freude, wenn meine Tochter den Karlsverein irgendwann weiterführen würde“, sagt der 67-Jährige. Dann würde in Winterbach auch in Zukunft am Karls­tag gefeiert.

Dieses Jahr wird am kommenden Dienstag von 18 Uhr an im Winterbacher Heimatmuseum „Auf dem Herdfeld“ gefeiert.




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