Traditionsgasthäuser in Murrhardt Wirte unter Druck – Ausnahme für Außengastro soll helfen

Die Traditionshäuser Engel, Ochsen und Hirsch in Murrhardt Foto: Gottfried Stoppel

Viele Traditionsgaststätten in Murrhardt stehen vor Herausforderungen: Personalnot, gestiegene Kosten und Leerstände. Der Bürgermeister Armin Mößner spricht über die aktuelle Situation und mögliche Unterstützung durch die Stadt.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

Die Gastronomie in Murrhardt steckt in schwierigen Zeiten: Traditionshäuser wie der Ochsen oder der Engel stehen leer, viele Gaststätten haben ihre Öffnungszeiten reduziert. Doch es gibt auch Lichtblicke – neue Lokale und Sanierungsprojekte sorgen für Bewegung in der Branche. Der Bürgermeister Armin Mößner erklärt, wie die Stadt helfen kann und welche Chancen er für die Zukunft sieht.

 

Herr Mößner, wie würden Sie die aktuelle Situation der Gastronomie in Murrhardt beschreiben?

Die Lage bei den Gaststätten ist angespannt. Viele haben in den vergangenen Jahren komplett geschlossen oder ihre Öffnungszeiten deutlich eingeschränkt. Dadurch werden sie oft nicht mehr so wahrgenommen, wie sie es eigentlich verdienen. Wir als Stadt möchten die Situation verbessern und die Eigentümer beispielsweise bei der Nachfolge oder bei Pachtlösungen unterstützen.

Welche Traditionshäuser prägen die Murrhardter Innenstadt noch?

Wir haben noch das gutbürgerliche und weithin bekannte Speiserestaurant Sonne-Post, das nach einem Pächterwechsel gut weiterläuft, die Traube, die als klassischer Treffpunkt für Stammtische oder Vereinstreffen dient, sowie die Eiche mit klassischer gutbürgerlicher Küche und Biergarten.

Gibt es Traditionshäuser, die Ihnen besondere Sorgen bereiten?

Ja, wir haben leider einige Leerstände. Der Ochsen an der Ochsenbrücke und das Gasthaus Engel am Marktplatz haben geschlossen. Der Engel war zuletzt zweimal verpachtet, doch das hat nicht funktioniert. Für beide Traditionsgasthäuser wäre uns eine gastronomische Nachfolgelösung wichtig.

Und wie sieht es mit Beispielen für positive Entwicklungen in der Gastronomie aus?

Die gibt es auch, das ist etwa beim Gasthaus Hirsch der Fall, das saniert und teilweise durch das Landessanierungsprogramm gefördert wurde. Es wurden einige Wohnungen eingerichtet, und die Gaststätte im Erdgeschoss steht aktuell nun zur Verpachtung bereit.

Wie sieht die Entwicklung abseits der Traditionshäuser aus?

In der Fußgängerzone haben sich in den vergangenen Jahren einige kleinere Gaststätten etabliert. Dazu gehört das griechische Lokal Nestos. Außerdem hat ein neues Sushi-Lokal namens Oki eröffnet, das ebenfalls guten Zuspruch findet. Die Eisdiele wurde in ein „Ambientorante“ umgewandelt, das nun auch im Winter beispielsweise Flammkuchen und Pizzen anbietet. Wir haben weitere Angebote wie das Atrium im Ärztehaus, die Gaststätte Olymp mit Imbiss-Charakter, die Gaststätte Ranzenwirt und das VfR-Vereinsheim, das kürzlich neu eröffnet hat. Hinzu kommen einige sehr gute Cafés und Bistros. In Fornsbach und den Teilorten bestehen noch beliebte Gaststätten wie das Wahlen-Lamm zwischen Murrhardt und Fornsbach oder der Landgasthof Krone und das Kulinarium am Waldsee in Fornsbach.

Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner Foto: Markus Metzger

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptgründe für die schwierige Situation der Gastronomie?

Ein zentraler Grund ist der Personalmangel. Während der Coronazeit haben sich viele Beschäftigte umorientiert, etwa in den Einzelhandel, wo sie ähnliche Gehälter verdienen, aber weniger an Wochenenden arbeiten müssen. Diese Menschen wieder zurückzugewinnen, ist eine große Herausforderung. Auch die Inflation spielt eine Rolle. Die Menschen gehen seltener essen und kochen häufiger zu Hause, um Kosten zu sparen. Zudem hat die Erhöhung der Mehrwertsteuer die Gastronomen gezwungen, ihre Preise anzupassen, was wiederum die Gäste spüren.

Wie kann die Stadt Murrhardt die Gastronomie unterstützen?

Ein Ansatz sind Sondernutzungen für Außengastronomie, damit Betriebe auch Sitzplätze im Freien anbieten können. In der Fußgängerzone oder am Marktplatz wäre das gut umsetzbar. Finanzielle Zuschüsse gibt es bislang nicht. Für den Einzelhandel haben wir ein Förderprogramm für Existenzgründungen, von dem einige Geschäfte bereits profitieren. Ähnliche Ansätze und Unterstützungen könnte ich mir auch für die Gastronomie vorstellen – vorausgesetzt, es gibt Interessenten.

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft der Murrhardter Gastronomie?

Murrhardt bietet mit 14 500 Einwohnern hervorragende Voraussetzungen. Die Gaststätten liegen zentral, und die Stadt zieht durch die Lage im Herzen des Schwäbischen Waldes viele Tagesausflügler an – sei es per Bus, Bahn oder Fahrrad. Mein Wunsch ist, dass sich geeignete Gastronomen finden, die diese Chancen nutzen, und dass die Bürger die bestehenden und neuen Angebote annehmen. Mit einem attraktiven kulinarischen Angebot und Gastfreundschaft kann man hier sicher gut wirtschaften.

Engagierter Bürgermeister

Bürgermeister
Armin Mößner ist am 20. April 1984 in Mutlangen zur Welt gekommen. Seit 2011 ist er Bürgermeister von Murrhardt, seit 2014 Mitglied im Kreistag für die CDU-Fraktion, seit 2020 deren Vorsitzender. Mößner engagiert sich darüber hinaus unter anderem beim DRK Murrhardt, der Bürgerstiftung und sitzt dem Verein Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald vor.

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