Traditionsgasthaus in Stuttgart Ratskeller-Sanierung kostet acht Millionen Euro

Von Josef Schunder 

Das Traditionsgasthaus Ratskeller im Stuttgarter Rathaus wird für knapp 8 Millionen Euro umgestaltet. Die Stadträte stimmten aber nicht ohne Seitenhieb auf die Verwaltung zu.

Ratskeller in Stuttgart Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Ratskeller in Stuttgart Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Nach einer jahrelangen Hängepartie und dauerhaft geschlossenen Türen im UG des Stuttgarter Rathauses soll nun doch die Sanierung des Ratskellers näherrücken. Die Stadträte im Technik-Ausschuss und im Verwaltungsausschuss stimmten nun mit großer Mehrheit der Sanierung der Gastronomieräume nach Plänen des Stuttgarter Architekturbüros Dittel Architekten zu. Das letzte Wort in Sachen Baubeschluss hat die Vollversammlung des Gemeinderats an diesem Donnerstag.

Die Nettokosten für die Sanierung ohne Eigenleistung der städtischen Ämter werden sich voraussichtlich auf 8 Millionen Euro summieren. 1,1 Millionen Euro sollen vom Pächter, dem Brauereiunternehmen Dinkelacker-SchwabenBräu mbH & CoKG kommen. Somit bleiben für die Stadtkasse Kosten von 6,86 Millionen Euro.

Pachtvertrag angehoben

Für die Stadt handelt es sich hier, nicht nur wegen der hohen Kosten, vermutlich um eines der unerfreulichsten Projekte der jüngeren Zeit. Der Ratskeller ist bereits seit März 2016 geschlossen und wird jetzt voraussichtlich an Silvester 2020 für den Betrieb übergeben werden. 2017 hatte man noch mit Kosten von 4,5 Millionen Euro gerechnet, in erster Linie, um den Brandschutz und die Leitungen auf Vordermann zu bringen und die Räume als veredelten Rohbau an einen Pächter zu übergeben. Die Dinkelacker-SchwabenBräu GmbH & CoKG als Interessentin wollte den Zuschuss für den Innenausbau aber auf 1,1 Millionen Euro begrenzen. Daher musste die Stadtverwaltung den städtischen Anteil nach oben korrigieren, hat im Gegenzug aber auch den Pachtbetrag angehoben. Auf Extrarechnung zu Lasten der Pächterin gehen nun noch die Zapfanlage und das Mobiliar.

Kritik an Werner Wölfle

Die Stadträte stimmten nicht ohne Seitenhieb auf die Verwaltung und den schwierigen Werdegang des Projektes zu. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz sagte, dass man sich lächerlich mache, wenn man den Baubeschluss drei Jahre nach der Schließung des Lokals treffe. Vor der Schließung hätte man den Zustand erkunden und Lösungen suchen können. Der Kardinalfehler sei es gewesen, den Ratskeller zu schließen, ohne dass man ein Konzept für die Sanierung und Verpachtung gehabt hätte. Seine Kritik zielte auf Werner Wölfle (Grüne), der im August in den Ruhestand ging und in seiner früheren Funktion als Verwaltungsbürgermeister zuständig war für dieses Projekt. Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau (SPD): „Das hätte man sich tatsächlich vorher überlegen können oder müssen“.

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