Traditionsgeschäft in Stuttgart 240 Jahre Seifen Lenz – eine Institution im Bohnenviertel

Freuen sich am 240. Geburtstag von Seifen Lenz (von links): Astrid Wojciekowski, Inhaber Heinz Rittberger, seine Frau Ilse und sein jüngerer Sohn Matthias. Den Zunftbuch-Eintrag von 1785 (oben rechts) hat das Geschäft vergrößert vorliegen. Foto: Ferdinando Iannone

Das Stuttgarter Drogeriegeschäft Seifen Lenz ist nun 240 Jahre alt. Wie sich der 88-jährige Inhaber Heinz Rittberger damit fühlt und was zum Jubiläum geplant ist.

Auto-Team: Rouven Spindler (rsp)

Der Zeitstrahl, der am Schaufenster des Seifen Lenz im Stuttgarter Bohnenviertel angebracht ist, ist lang. Meterlang. Kein Wunder – schließlich beginnt er bereits am 2. Juli 1785. „Jetzt ist der Laden halt 240 Jahre alt“, sagt der 88-jährige Heinz Rittberger zur Begrüßung in seinem Drogeriegeschäft in der Esslinger Straße.

 

Der Laden, der auf Johann Friedrich Lenz zurückgeht, ist eine Institution. Und feiert an diesem Mittwoch einen runden Geburtstag. Denn auf eben jenen 2. Juli vor 240 Jahren ist der Eintrag der Firma Seifen Lenz, Seifensieder und Lichtzieherei, in das Seifensieder-Zunftbuch datiert.

„Ein ganz besonderer Tag“

Grund genug für Jubiläumswochen – und für Glückwünsche. „Ein ganz besonderer Tag“, sagen Ilse Rittberger (75), die Frau des Inhabers, und der jüngere Sohn Matthias (50). Beide sind ebenfalls in dem Geschäft tätig.

Die Bezirksvorsteherin von Stuttgart Mitte, Veronika Kienzle (Grüne), Mitglieder des Bezirksbeirats, ein Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK), Bekannte und Kunden kommen an diesem Mittwoch, berichtet Heinz Rittberger. Der 88-Jährige, der nach wie vor in seinem Geschäft tätig ist, kann der Vergrößerung des Original-Eintrags aus 1785 nun die moderne 240-Jahr-Urkunde der IHK gegenüberstellen.

Eine jahrzehntelange Phase dieser Existenz des Geschäfts hat er geprägt. Nach seiner abgeschlossenen Drogisten-Ausbildung wurde der Stuttgarter 1957 Mitarbeiter des Seifen Lenz, 1969 dann Inhaber. Seit 1813 befindet sich das Geschäft nach Angaben des Geschäftsführers in der Esslinger Straße, seit 1976 an dieser Adresse mit der Hausnummer 24. Es wahrt sich – so will es Heinz Rittberger – einen Charme früherer Zeiten. Und es existiert im Vergleich zu vielen anderen Einzelhändlern bis heute.

„Wenn man doch erleben muss, wie viele Traditionsfirmen nicht mehr sind – gerade wenn man Stuttgart durchschaut –, dann spürt man doch eine gewisse Wehmut“, sagt Heinz Rittberger. Es erfülle ihn „mit Freude und auch mit ein bisschen Stolz, dass es gelungen ist, den Seifen Lenz doch über die ganzen Jahre durchzubringen“. Auch die „große Aggressivität damals von Schlecker“ habe das Geschäft überlebt, sagt er und blickt auf die 1980er Jahre und die Expansion der Drogeriemärkte zurück.

Was er sich damals gesagt hat? „Besinne dich auf die Ursprünge des Seifen Lenz.“ Heißt: Seifen und Kerzen. Noch heute zieren verschiedenste Varianten dieser beiden Ursprungsartikel – gepaart mit Bürsten, Servietten, Reinigungsmittel und Co. – das kleine Fachgeschäft.

Und an dessen Schaufenster prangt zur Zeit unter anderem besagter Zeitstrahl. An diesem will das Seifen-Lenz-Team künftig Ereignisse dieser Jahrhunderte markieren, sichtbar für die Fußgänger in der Esslinger Straße. Darunter solche, die „auch Stuttgart betroffen haben, insbesondere die Innenstadt“, sagt Heinz Rittberger. „Als Seifen Lenz eröffnet hat, hat Mozart gelebt“, erinnert Mitarbeiterin Astrid Wojciekowski, die den Zeitstrahl angebracht hat, an die Anfangsjahre des Geschäfts – und verdeutlicht damit, wie alt es ist.

Der Zeitstrahl ist am Schaufenster angebracht. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Bislang verweist der Zeitstrahl unter anderem auf die beiden Weltkriege, die Währungsreform, Heinz Rittbergers Firmeneintritt und den Umbau des Charlottenplatzes. 2024 ist der Beginn der Großbaustelle vor dem Laden vermerkt, deren Auswirkungen die Geschäfte im Bohnenviertel vor Herausforderungen stellen. Wegen Umsatzeinbußen sorgten sich Einzelhändler bereits im Vorjahr um ihre Existenz.

Die B-14-Rampe ist gesperrt, der Verkehr wird durch die Esslinger Straße umgeleitet. Seit Mitte Mai und wohl bis 2029 ist baustellenbedingt die Breuninger-Unterführung geschlossen.

Auf dem Gelände des zuvor abgerissenen Breuninger-Parkhauses soll einerseits ein sogenannter Mobility Hub entstehen, der laut Breuninger künftig „moderne und komfortable Parkmöglichkeiten, nachhaltige Mobilität und Sharing-Konzepte vereint.“ Bis 2029 soll dann nebenan das Haus für Film und Medien fertig sein.

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