Traditionslokal im Kreis Ludwigsburg Herrenküferei wird wieder wachgeküsst

Bei Nadja und Joachim Blank hat es Klick gemacht, als sie sich die Herrenküferei näher angeschaut haben. Foto: Werner Kuhnle

Das Markgröninger Restaurant am Marktplatz feiert sein Comeback. Die neue Wirtin Nadja Blank will traditionelle Kost mit moderner Küche fusionieren.

Wenn Nadja Blank über all die kleinen und großen Ideen redet, mit denen sie die Herrenküferei wieder zu einer der besten Adressen in und rund um Markgröningen machen möchte, spürt man förmlich, wie sie aufblüht. Wie sie für die vor ihr liegende Aufgabe brennt und dafür, ihre Gäste mit einem besonderen Geschmackserlebnis zu beglücken. Kein Wunder somit auch, dass die vergangenen Jahre für sie beruflich nicht erfüllend waren. In der IT-Firma ihres Mannes Joachim kümmerte sie sich um die Buchhaltung. „Das war okay, ich war aber nie wirklich glücklich“, sagt sie. Ihr Herz habe stets an der Gastronomie gehangen.

 

Ein Wink des Schicksals?

Vielleicht hat es also sogar etwas Schicksalhaftes, dass Nadja Blank und die Herrenküferei schließlich zueinanderfanden. Hier das Traditionshaus, das seit dem Abschied von Sebastian Maier 2020 zuletzt in den Dornröschenschlaf verfallen war. Da die ausgebildete Köchin aus Leidenschaft, die im Büro über Zahlenkolonnen brütete, statt sich in der Küche auszuleben. Es war Ende Mai dieses Jahres, als es bei Nadja Blank Klick machte. Sie und ihr Gatte saßen im Kaffee-Klecks am Marktplatz. Der Blick schweifte hinüber zur Herrenküferei. „Was wäre“, überlegte Nadja Blank plötzlich laut, „wenn wir uns dafür ein Konzept überlegen würden“.

Das und der Rest klingt fast schon nach einer Passage aus einem eher unglaubwürdigen Drehbuch, hat sich aber genauso zugetragen, wie das Ehepaar aus Markgröningen schmunzelnd versichert. Die beiden erstellten einen 40-seitigen Businessplan, präsentierten ihre Überlegungen der Stadt und dem Eigentümer der Immobilie, einem Architekten aus Stuttgart. „Zwei Wochen vor dem Schäferlauf haben wir schließlich den Vertrag unterschrieben“, erklärt Nadja Blank. Die Wiedereröffnung des Restaurants samt angeschlossenem Hotel soll am Samstag, 4. November, gefeiert werden.

Die Blanks mussten mächtig ranklotzen, um zu diesem Termin startklar zu sein. Es wurde eifrig geputzt und an der Dekoration gefeilt. Es wurden verstopfte Rohre freigemacht, Wände frisch gestrichen. Außerdem musste Nadja Blank ein taugliches Team zusammentrommeln. Für sie, neben schmackhaften Gerichten, das A und O in einem Lokal. Die Servicemannschaft brauche „gute Menschenkenntnis und Empathie“, müsse sofort spüren, ob dem Gast an Distanz oder Geselligkeit gelegen sei. „Und so ein Team haben wir zu 100 Prozent zusammen. Ich habe jahrelang mit ihnen gearbeitet“, sagt Nadja Blank. Bei der Rekrutierung habe sie ihr gutes Netzwerk ausgespielt, betont ihr Mann. In der Tat ist die 44-jährige Köchin in der Branche kein unbeschriebenes Blatt, hat unter anderem im früheren Hotel Egelsee in Tamm Restaurantfachleute ausgebildet und im Golfclub Monrepos gewirkt.

Mittelalter trifft Moderne

Als Pächterin betritt Blank aber Neuland – und will dabei Duftmarken setzen. Die Herrenküferei soll unter ihrer Regie für eine „gehobene, aber keine abgehobene“ Küche stehen. Inhaltlich will sie an die lange Historie des Hauses anknüpfen, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. „Wir wollen sagen: Mittelalter trifft Moderne“, erklärt Joachim Blank. Die Basis sollen traditionelle schwäbisch-regionale Gerichte bilden. Von diesem Startpunkt aus möchte Nadja Blank ihre kulinarischen Fühler in alle Richtungen ausstrecken, auch exotische Gewürze einsetzen, nach dem gewissen Etwas suchen, ihren Stempel hinterlassen. „Ich liebe es, Gerichte auszuprobieren, neu zu definieren“, sagt sie.

Auf der Speisekarte werden die Gäste den klassischen Rostbraten mit handgeschabten Spätzle finden, aber auch einen Ochsenschwanz mit Semmelknödelfüllung oder die Wachtel auf Champagnerkraut. Blank schwebt zudem in Anlehnung an die Speisetradition der früheren Adelscliquen an, als Themenabend auch mal eine „Tafel des Grafen“ auszurufen. Auf den Tisch kommt hier ein bunter Mix aus kalten und warmen Mahlzeiten, an denen sich die Besucher wie an einem Büfett laben können.

Auch Vegetarier finden etwas auf der Karte

Blank hat ebenfalls auf dem Schirm, dass immer mehr Menschen auf Fleisch verzichten. Deshalb kann man vegane und vegetarische Gerichte bestellen. Den Latte macchiato wird man auch mit Mandelmilch genießen können. Blank möchte überdies vermeiden, dass Essen sinnlos in den Müll wandert. Die Teller sollen deshalb nicht überladen werden. „Sämtliche Sättigungsbeilagen wie Spätzle oder Pommes wird es aber gratis so lange geben, bis der Gast satt ist“, versichert Blank, die außerdem zu allen Gerichten, bei denen es sich anbietet, frisch ausgebackenes Pfannenbrot reichen will. Ziel ist auch, bei Vereinen und anderen Institutionen anzudocken. Joachim Blank kann sich vorstellen, dass etwa geschichtliche Spaziergänge in der Stadt in der Herrenküferei ausklingen.

Öffnen wird das Restaurant anfangs um 16.30 Uhr. Von Januar an sollen auch Frühstück und Mittagessen serviert werden. Ruhetag wird der Montag sein. Nadja Blank kann es kaum erwarten, dass es losgeht: „Ich kann mich hier verwirklichen“.

Wie das Restaurant zu seinem Namen kam

Ältestes Haus
 Das Gebäude, in dem die Herrenküferei angesiedelt ist, wurde im Jahr 1414 errichtet und ist damit das älteste Haus am Marktplatz in Markgröningen. Der heutige Namen ist daran angelehnt, dass 1742 mit Christoph Friedrich Haug ein Herrenküfer das Anwesen erwarb.

Premiere
 Zur Gaststätte wurde das Haus laut dem lokalen Arbeitskreis Geschichtsforschung und Denkmalpflege allerdings erstmals erst 1879. Seinerzeit kehrten Gäste im Lokal „Zum Kronprinzen“ ein. Später wechselten Namen wie Besitzer, hieß das Gasthaus erst „Traube“, dann „Ratstüble“. Ab 1993 war das Restaurant einige Jahre verwaist. Nach einer Renovierung wurde 2001 die Neueröffnung gefeiert, nun als „Herrenküferei“. Seit 2020 war die Küche wieder kalt. Nun übernimmt Nadja Blank das Zepter.

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