Traditionslokal in Heidelberg Die Gäste müssen draußen bleiben

Der Zugang zu dem einstigen Ausflugslokal Alter Kohlhof ist der Allgemeinheit weitgehend verwehrt. Foto: Philipp Rothe
Der Zugang zu dem einstigen Ausflugslokal Alter Kohlhof ist der Allgemeinheit weitgehend verwehrt. Foto: Philipp Rothe

Bis 1997 hat der Alte Kohlhof der Stadt gehört. Weil die aktuellen Eigentümer, die das Anwesen 2015 erworben haben, das einstige Ausflugslokal bis jetzt nicht wieder eröffnet haben, will die Stadt den Kohlhof zurück haben.

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Heidelberg - Noch weist ein Schild an der Landstraße an den waldigen Hängen im Heidelberger Süden den Weg zum Gasthaus Alter Kohlhof. Doch wer dort spontan einkehren möchte, steht schon seit Längerem vor verschlossenen Toren. Neue Mauern und Zäune versperren den Zugang. Statt einer Speisekarte hängt neben dem Eingang nur ein Schild: „Achtung, bissiger Hund“. Gäste scheinen hier nicht mehr besonders willkommen zu sein. Dabei ist der Kohlhof, unweit der Bergbahnstation auf dem Königstuhl gelegen, seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel für die ganze Region; im Sommer kommen Wanderer, im Winter Schlitten- und Skifahrer.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind die Gäste in dem traditionellen Landgasthof bewirtet worden. Das sollte auch nach einem Besitzerwechsel 2015 so bleiben. Die neuen Eigentümer Michael und Florian Hofbauer hatten angekündigt, das Lokal nach einer Renovierung weiterzubetreiben. Doch zogen sie zum Erstaunen von Beobachtern nur privat in das frisch sanierte Anwesen ein; das Lokal mit seinem Biergarten wurde nicht wiedereröffnet. „Wir wollten zwar ursprünglich eine Gas­tronomie machen, sind dann aber davon abgekommen“, erklärt Florian Hofbauer.

Es gab den Verdacht, die Investoren hätten tricksen wollen

Unstimmigkeiten waren bereits Mitte vergangenen Jahres offenbar geworden. In der „Rhein-Neckar-Zeitung“ sagten die neuen Besitzer, ein rentabler Betrieb eines Gasthofs sei „auch bei wohlwollender Betrachtung nicht darstellbar“. Seitdem gehen die Wogen hoch. Aus dem Gemeinderat kam fraktionsübergreifend Kritik – und der Verdacht, die Investoren hätten die Stadt „austricksen“ wollen. Im Herbst forderten die Räte den Oberbürgermeister Eckart Würzner einstimmig auf, das Anwesen, das bis 1997 der Stadt gehört hatte, zurückzukaufen, wenn dort nicht bald eine Gaststätte aufmachen sollte. Nun kündigte der OB an, man werde aufgrund von Vertragsverstößen ein Rückabwicklungsverfahren einleiten. „Unser Ziel ist es, dass auf dem Kohlhof so schnell wie möglich wieder eine öffentliche Gaststätte betrieben wird“, sagt der Pressesprecher Achim Fischer.

Im Rathaus beruft man sich auf einen Grundbucheintrag aus dem Jahr 1997. Seinerzeit hatte die Stadt den teilweise unter Denkmalschutz stehenden Alten Kohlhof an Privatleute verkauft. Laut Fischer wurde im Grundbuch die Verpflichtung festgehalten, dass das Gelände dort bis 2022 nur „zum Betrieb einer Gaststätte oder eines Hotels samt Wirtswohnung“ genutzt werden dürfe. Auch im Kaufvertrag sei die Nutzung „klar geregelt“ – und für den Fall der Nichteinhaltung ein Wiederkaufsrecht der Stadt vorgesehen worden.

Die Stadt ist misstrauisch gegenüber dem neuen Konzept

Die neuen Eigentümer verstehen den Grundbucheintrag indes anders. Wie genau, haben sie aber auch auf wiederholte Nachfrage dieser Zeitung offengelassen. „Ein Ausflugslokal“ sei nicht gefordert, erklärt Michael Hofbauer. Dennoch habe seine Familie bereits ein „Haus in der Nähe“ erworben, um dort die von der Stadt verlangten Gasträume einzurichten. Den Namen Alter Kohlhof dürfe man allerdings nicht mehr nutzen – den hätten „die Vorpächter als Schutzmarke eingetragen“, bedauert er. „Fristgerecht“ habe man zudem vor Kurzem auch wieder im historischen Kohlhof „eine Gastronomie eröffnet“. Sie heißt oben2 – und gewährt bisher nur eingeschränkten Zutritt: nämlich am Abend, nach vorheriger Reservierung und für Gruppen ab acht Leuten. Mit dem gastronomischen Konzept beschreite man neue Wege, heißt es in der Werbung im Internet. „Lassen Sie sich entführen in die Welt des Speisens. Essen können Sie woanders!“

Den Heidelberger Gemeinderat überzeugt das Angebot nicht. Es sei „erkennbar auf eine Minimalisierung des Besucheraufkommens ausgerichtet“, stellt der CDU-Sprecher Jan Gradel kühl fest. Nach Einschätzung seiner Fraktion handelt es sich „um ein durchsichtiges Manöver“, um den Rückkauf abzuwenden und das Lokal weiter privat nutzen zu können. „Dem wollen wir als Stadt entschieden entgegentreten.“

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