Traditionsunternehmen in Stuttgart Rettungsversuch für Endress: Erste Investoren zeigen Interesse

Die Auswahl an Gartengeräten ist bei Endress sehr groß – der Verkauf läuft nach dem Insolvenzantrag ganz normal weiter. Foto: Endress

Die Gartengeräte-Gruppe Endress aus Stuttgart ist insolvent. Die Suche nach Investoren läuft. Ziel ist es, viele der 17 Standorte und 220 Jobs zu retten.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Im Ringen um die Zukunft des Traditionsunternehmens Endress Motorgeräte GmbH und Endress Bayern GmbH mit 17 Standorten und 220 Beschäftigten hat die Suche nach Käufern begonnen – und erste Signale aus dem Markt machen vorsichtig Hoffnung. „Wir haben den strukturierten M&A erfolgreich gestartet und die Resonanz der strategischen Investoren ist erfreulicherweise recht gut“, berichtet Unternehmensberater Philippe Piscol von Dr. Wieselhuber & Partner, der den Auftrag erhielt, mögliche Geldgeber anzusprechen, auf Anfrage unserer Redaktion.

 

M&A steht für „Mergers & Acquisitions“, also Fusionen und Übernahmen. In einem solchen Prozess werden strategische Investoren oder Finanzinvestoren gezielt angesprochen, um ein Unternehmen ganz oder in Teilen zu verkaufen. Als ein Standort der Endress-Gruppe, der rentabel arbeitet, gilt unter anderem die Filiale in München. Ziel im vorläufigen Insolvenzverfahren ist es, neue Eigentümer zu finden, die den Geschäftsbetrieb in möglichst großen Teilen fortführen, die also möglichst viele Arbeitsplätze erhalten. Genau darauf richtet sich nun die Hoffnung bei Endress.

Tibor Braun zum Insolvenzverwalter bestellt

Das Amtsgericht Stuttgart hat inzwischen Rechtsanwalt Dr. Tibor Daniel Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, der von Piscol bei der Suche nach Käufern unterstützt wird. Braun berichtet, dass bisher keiner der Lieferanten abgesprungen sei und der Geschäftsbetrieb weiterlaufe. Viel mehr könne er nach vier Tagen noch nicht sagen.

Nach Einschätzung des M & Beraters Piscol stehen die Chancen nicht schlecht, Käufer zu finden. Ziel sei es, große Teile der Endress-Filialstruktur mit neuen Investoren weiterzuführen. Man werde „alles Bestmögliche“ tun, um Arbeitsplätze zu sichern. Das Unternehmen ist auf Gartengeräten spezialisiert.

Für Seniorchef Ulrich Endress war es „der traurigste Moment“ in der 70-jährigen Geschichte des Familienunternehmens. Foto: Maks Richter

Seniorchef Ulrich Endress, der in Stuttgart in Politik, Kultur, Sport oder Gesellschaft viel bewegt und sich über Jahre als Präsident der baden-württembergischen Familienunternehmern für die Stärkung des Mittelstands engagiert hat, hält sich momentan mit öffentlichen Aussagen zurück. Für ihn sei es „der traurigste Moment in der über 70-jährigen Geschichte“ des Familienunternehmens gewesen, den Insolvenzantrag stellen zu müssen, schrieb er in einem Brief an die Belegschaft. Jetzt will er zunächst die Gespräche mit möglichen Kaufinteressenten und dem vorläufigen Insolvenzverwalter abwarten, sagt der 81-Jährige unserer Redaktion. Zur Zukunft des Familienunternehmens könne er deshalb derzeit „keinen Kommentar“ abgeben.

Endress kämpft gegen Preisdruck und schwaches Privatkundengeschäft

Die Endress Motorgeräte GmbH hatte zuletzt ein Netz von 17 Filialen in Süddeutschland betrieben und beschäftigte insgesamt 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Unternehmen galt lange als größte Fachhandelsgruppe für Motorgeräte in Deutschland. Branchenkenner nennen mehrere Gründe für die wirtschaftliche Schieflage: starken Preisdruck durch Billigprodukte – vor allem aus China –, ein schwächeres Privatkundengeschäft sowie ein insgesamt schwieriges wirtschaftliches Umfeld. Auch der Fachhandel für Forst- und Gartentechnik spürt seit einiger Zeit die Zurückhaltung vieler Verbraucher.

Damit reiht sich Endress in eine wachsende Zahl von Unternehmen im Südwesten ein, die von der aktuellen Insolvenzwelle erfasst werden. Für die Beschäftigten bleibt nun die Hoffnung, dass der Investorenprozess schnell zu einem Ergebnis führt – und zumindest große Teile des traditionsreichen Unternehmens eine Zukunft bekommen. Für drei Monate zahlt die Agentur für Arbeit den Beschäftigten das Insolvenzgeld.

Die Beschäftigten hoffen nun, dass sie auch über diese Zeit hinaus an ihrem angestammten Arbeitsplatz bleiben können. Die Verbundenheit mit dem Familienunternehmen, so heißt es, ist sehr groß. Man habe aber bereits seit Monaten gespürt, wie der Umsatz zurückging – und Kundschaft verstärkt auf die preisgünstige Konkurrenz im Online-Handel setzte.

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