Tränen an der Schanze Der bittere Olympia-Abschied von Katharina Schmid
Katharina Schmid hat die Entwicklung des Frauen-Skispringens mitgeprägt – und erlebt am Ende eine tiefe Enttäuschung. Künftig will sie als Nachwuchstrainerin arbeiten.
Katharina Schmid hat die Entwicklung des Frauen-Skispringens mitgeprägt – und erlebt am Ende eine tiefe Enttäuschung. Künftig will sie als Nachwuchstrainerin arbeiten.
Die Bilder, die Skispringerin Katharina Schmid von ihren letzten Olympischen Spielen in Erinnerung bleiben werden, haben nichts mit den Schanzen in Predazzo zu tun, nichts mit Wettkämpfen, nichts mit Medaillen. Sondern mit dem, was vorher passiert ist. Schmid wurde zur Fahnenträgerin gewählt, führte bei der Eröffnungsfeier das deutsche Team an. „Das war eine mega Ehre“, sagte sie, „dieser Moment bleibt für immer.“ Der Rest? War zum Vergessen. Vor allem der letzte Abend.
Nach dem Springen von der Großschanze war Katharina Schmid eine gefragte Frau. Sie musste viele Interviews geben. Die Worte, die sie wählte, waren immer ähnlich, und jedes mal, wenn ihr ein Mikrofon entgegengestreckt wurde, musste sie um Fassung ringen. „Das tut schon richtig, richtig weh, und es wird ganz sicher auch noch lange weh tun“, sagte sie nach dem Wind-Pech und ihrem Absturz auf den 42. Platz, „ich hätte hier schon gerne einen zweiten Sprung gehabt – und das Ganze anders beendet.“
Bereits vor den Olympischen Spielen hatte Schmid (29) erklärt, dass sie am Ende der Saison aufhören wird – nach vielen Jahren, in denen sie das Skispringen mitgeprägt hat. 2014 war sie bei der Olympia-Premiere der Frauen dabei, 2018 und 2022 holte die siebenmalige Weltmeisterin jeweils Silber von der Normalschanze. Und nun erlebte sie auch den tiefen Fall: Erstmals blieben deutsche Skispringerinnen bei Winterspielen ohne Medaille. „Der Kreis schließt sich“, sagte Katharina Schmid, während ihr Tränen die Wangen hinunterliefen, „ich bin trotzdem stolz auf das, was ich geschafft habe. Und darauf, dass daheim zwei Olympia-Silbermedaillen hängen.“ Dass nun keine weitere Plakette dazukam, war trotzdem bitter: „Da hätte ich auch vorher aufhören können.“
Es ist ein Satz, den sie in ein paar Tagen – mit den Bildern von der Eröffnungsfeier im Kopf – vielleicht noch einmal überdenken wird. Möglicherweise beeinflusst der bittere Abschied aber ihre Entscheidung, wie es in Zukunft weitergeht. Denn die Lust aufs Rampenlicht hat sie erst einmal verloren. Katharina Schmid will zwar als Trainerin einsteigen, allerdings (vorerst) nicht beim Deutschen Ski-Verband, sondern in der Nachwuchsarbeit bei ihrem Heimverein. Laut DSV-Sportdirektor Horst Hüttel gibt es mit dem SC Oberstdorf Gespräche über eine hauptamtliche Stelle: „Ich hoffe sehr, dass dies zustande kommt, denn sie bringt als Mensch und Persönlichkeit sehr viel mit, um eine tolle Trainerin zu werden.“ Und vielleicht gibt es irgendwann ja doch ein Wiedersehen bei Olympischen Spielen.