Trainer der Spvgg Cannstatt Damian Naglers Wandlung vom Magath zum Klopp
Damian Nagler steht mit der Spvgg Cannstatt überraschend auf Platz zwei in der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen. Wie tickt der 37-Jährige als Trainer?
Damian Nagler steht mit der Spvgg Cannstatt überraschend auf Platz zwei in der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen. Wie tickt der 37-Jährige als Trainer?
Unter den Fußballtrainern zählt Damian Nagler mit seinen 37 Jahren noch immer zu den jüngeren Vertretern seiner Zunft. Dennoch hat der aktuelle Erfolgscoach der Spvgg Cannstatt bereits einen vielschichtigen Lernprozess hinter sich. Mehr als sechs Jahre ist es her, dass der ehemalige Junioren-Bundesligakeeper der Stuttgarter Kickers beim SV Grün-Weiß Sommerrain als Spielertrainer anheuerte. Genug Zeit für eine seither bemerkenswerte Wandlung.
„Angefangen habe ich als Typ Felix Magath“, erzählt Nagler. Zu Beginn sei es ihm vor allem darum gegangen, seine Spieler auf Disziplin zu trimmen. „Ich war ein harter Hund.“ Mit zunehmender Erfahrung habe sich sein Stil aber „sukzessive verändert“. So setzt Nagler nun auf ein spielnahes Training, heißt: Übungsformen mit Fuß- statt Medizinball. Außerdem legt er nach eigener Aussage inzwischen deutlich mehr Wert auf die menschliche Seite der Mannschaftsführung. Naglers Selbsteinschätzung: „Heute bin ich als Trainertyp eher bei Jürgen Klopp.“
Rückblickend ist Nagler „gottfroh“, 2019 seinem Kumpel Markus Treyz spontan zugesagt zu haben, gemeinsam bei Sommerrain zu übernehmen. „Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, zu was für einer riesengroßen Leidenschaft das für mich wird“, sagt er. Auf das Jahr bei Sommerrain folgten vier Spielzeiten beim PSV Stuttgart in der Kreisliga A. Der Sprung in die Landesliga zum TV Pflugfelden entwickelte sich 2023/24 allerdings zum kurzen Intermezzo. „Da hat es nicht ganz gematcht“, sagt Nagler. Erfolgreicher lief es auf seiner nächsten Station beim Bezirksligisten TSV Deizisau, bevor sich Nagler im vergangenen Sommer zum Wechsel nach Cannstatt entschloss. Der Grund: „Ich wollte wieder zurück in meine fußballerische Wahlheimat Stuttgart.“
Privat ist Nagler in Esslingen zuhause, dort wohnt er mit seiner Frau und den Kindern im Alter von drei, sechs und sieben Jahren. Drei Kinder, die Arbeit als Vertriebsingenieur bei Mahle und dann noch eine Trainerstelle in der Bezirksliga – wie geht das alles zusammen? „Das werde ich in meinem Bekanntenkreis oft gefragt“, sagt Nagler. „Denn gefühlt sind das drei Vollzeitjobs.“ Unter einen Hut bekomme er Familiäres, Berufliches und Sportliches nur, weil seine Frau ihm den Rücken frei halte.
Familien- und Fußballzeit sind dabei momentan voneinander getrennt. Zwar ist Nagler seit eineinhalb Jahren obendrein als DFB-Stützpunkttrainer in Ruit für die Jahrgänge von der U 12 bis zur U 15 zuständig. „Die Arbeit mit Kindern hat meinen Horizont als Trainer enorm erweitert“, schwärmt er von dem Engagement. Doch den eigenen Nachwuchs will Nagler erst einmal nicht unter seine fußballerischen Fittiche nehmen. Bei seinem sechsjährigen Sohn habe er es kurz als Coach versucht. „Aber bei meinen Kindern bin ich kein so guter Trainer.“
Umso besser läuft es dagegen in dieser Saison bei der Spvgg Cannstatt in der Bezirksliga Stuttgart/Böblingen. Aufgrund von namhaften Abgängen mit Fragezeichen in die Runde gestartet, steht das Team einen Spieltag vor der Winterpause überraschend auf Platz zwei. Diese Position wollen die Neckarstädter am Sonntag (14 Uhr) im Auswärtsspiel in Holzgerlingen festigen. In den vergangenen Wochen überzeugten sie mit mehreren Kantersiegen. Der Trainer sieht immer öfter „Nagler-Fußball“. Bedeutet: ein dominantes Auftreten mit viel Ballbesitz und hohem Pressing. „Die Jungs sind lernwillig und haben vieles angenommen von dem, was ich predige“, sagt er.
Dennoch attestiert Nagler seiner Mannschaft noch viel Luft nach oben, was angesichts der kurzen Zusammenarbeit normal sei. In den nächsten Jahren wolle man sich vorne festbeißen. Naglers persönliches Ziel: „Mittelfristig will ich zurück in die Landesliga – mindestens.“