Trainer des TSV Bernhausen Harte Arbeit, lockerer Typ

Roko Agatic ist das Gesicht des Erfolgs beim Aufsteiger aus Bernhausen. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Über den Menschen und Erfolgstrainer Roko Agatic, der den TSV Bernhausen zu einem Topteam der Fußball-Landesliga geformt hat – und selbst einst gegen Ivica Olić kickte.

Als der TSV Bernhausen 2022 nach 35 Jahren in die Fußball-Landesliga zurückkehrte, ging es im Direktverfahren in die Bezirksliga zurück. Dann übernahm Roko Agatic den Trainerposten, und seitdem scheint es nur noch eine Richtung zu geben: nach oben. Erst der überraschende Meistertitel und schnelle Wiederaufstieg in der vergangenen Saison, nun in der Landesliga gar Platz drei. Dieses Mal, keine Frage, ist der Filderclub gekommen, um zu bleiben. Im Heimspiel an diesem Sonntag (15.30 Uhr) gegen den TSGV Waldstetten, geht er als Favorit ins Spiel. Aber wer ist eigentlich der Mann, der hinter dem Erfolg steckt, jener Agatic?

 

Die jüngst verkündete Vertragsverlängerung des 44-Jährigen war jedenfalls der nächste logische Schritt. Das Erfolgsrezept? „Ich will jedes Jahr ein bisschen besser sein als im Jahr zuvor“, sagt Agatic, der sich als einen Trainer „mit klaren Grenzen“, aber doch des freundschaftlichen Typs sieht. „Wir sitzen alle im selben Boot“, beschreibt er seine Beziehung zur Mannschaft. „Wenn die Jungs beim Spiel mit ein paar Bier zu viel am Vortag auftauchen, passt mir das nicht. Lieber bin ich am Abend dabei und wir sitzen sonntags alle in derselben Scheiße.“

Fachlich und taktisch wurde Agatic einst von seinem größten Vorbild inspiriert: Mile Petkovic, der spätere Stars wie Ivica Olić und Mario Mandžukić unter seinen Fittichen hatte, trainierte den damals 18-Jährigen in dessen bosnischer Heimat. „Der war ein ganz anderer Typ als ich, und der Fußball hat sich seitdem auch verändert“, erzählt Agatic, der sich an harte Zirkeltrainings ohne Ball und einen strengen Umgangston erinnert. Und doch: Vielleicht auch wegen dieser einstigen Konditionierung war Agatic in seiner langen Karriere als Spieler fast nie verletzt, bis er sich mit 38 Jahren den Meniskus riss.

Über eine Begegnung mit Ivica Olić

Aktiv war er als Profi in der ersten und zweiten Liga in Bosnien und Kroatien. Dabei begegnete er manchen Kickern, die sich später auf internationaler Ebene einen Namen machen sollten. So spielte er 1997 gegen den erwähnten Petkovic-Zögling Olić, der dann bei Inter Mailand und beim FC Bayern landete. „Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass er es einmal so weit bringen würde“, sagt Agatic lachend. „Er hatte ein paar Kilo zu viel drauf und war technisch auch nicht unbedingt überragend.“ Doch das sei das, was er meine, wenn er den Jungs im Training erzähle: „Mit harter Arbeit könnt ihr im Fußball und im Leben sehr viel erreichen.“ Ohne Fleiß kein Preis.

Mit Malochen kennt sich der gebürtige Bosnier, der auch die kroatische Staatsbürgerschaft besitzt, aus. Jahrelang pendelte er zwischen der Heimat auf dem Balkan und Deutschland, arbeitete oft bis zu sechs Monate am Stück als Gastarbeiter in der hiesigen Gastronomie. „Da war keine Zeit zum Fußballspielen“, erzählt Agatic. Zurück in der Heimat, schnürte er dann wieder die Fußballschuhe. Als schließlich der Jugoslawien-Krieg vorüber war und Kroatien der EU beitrat, wanderte er mit seiner Frau und der heute 15 Jahre alten Tochter in die Bundesrepublik aus. „Uns gefällt es in Deutschland, wir wollen hier nicht mehr weg“, sagt Agatic, der mittlerweile auch Vater eines siebenjährigen Sohnes ist.

Heute arbeitet er als Hausmeister bei Bosch in Leinfelden. Die Fußballschuhe hängte er mit 43 Jahren an den Nagel, nachdem er seine Aktiven-Karriere mit Stationen beim TSV Schönaich und dem TSV Harthausen in den unteren Ligen hat ausklingen lassen. Letzteren führte er in seiner ersten Saison als spielender Cheftrainer in die nächsthöhere Spielklasse, die Bezirksliga. Ob der Erfolgscoach von einer Hauptbeschäftigung als Trainer eines Tages träumt? „Ich bin kein Mensch, der über solche Zukunftsdinge nachdenkt“, sagt Agatic. Eines ist für ihn aber klar: „Ich bin hier beim TSV Bernhausen noch nicht fertig.“

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