Erst nach dem Rückspiel in Porto wird abgerechnet: VfB-Chefcoach Sebastian Hoeneß hat die Europa League längst nicht abgeschrieben. Foto: IMAGO/Michael Weber
Gerade die Phase mit den beiden Gegentoren beim 1:2 hat Sebastian Hoeneß mächtig gewurmt. Daher schaltet der VfB-Cheftrainer vor dem Rückspiel in den Angriffsmodus.
Seine Attitüde war die eines Profiboxers, der von seinem Gegner gerade in einem Moment der Unachtsamkeit mit ein, zwei gezielten Schwingern auf die Bretter geschickt wurde – und der es dem Gegenüber nun möglichst schnell heimzahlen will. Nein, Sebastian Hoeneß ist noch nicht fertig mit dem FC Porto. „Das Ding ist noch lange nicht durch“, kündigte der angriffslustige VfB-Cheftrainer vor dem Rückspiel am nächsten Donnerstag (21 Uhr/RTL) an, in welches sein Team allerdings mit der Hypothek der 1:2-Hinspielniederlage geht.
In Hoeneß, das war ihm nach Spielschluss gleich anzumerken, hat diese Landung im Ringstaub gegen den ausgeschlafen und kombinationssicher auftretenden Tabellenführer der portugiesischen Fußball-Liga umgehend das Kämpferherz geweckt. Also setzte der 43-Jährige in seiner Analyse vor den internationalen Medienvertretern gleich mit dem ersten Satz den Ton: „Glückwunsch an meinen Kollegen zu dem heutigen Sieg“, sagte Hoeneß in Richtung des Porto-Trainers Francesco Farioli: „Nach dem ersten Spiel, wohlgemerkt.“
Mit einem Durchschnittsalter von 23,6 Jahren steht Hoeneß einer sehr jungen Mannschaft vor. Es ist ein Team, welches trotz der zweiten internationalen Saison in Folge nicht jeden Tag auf ausgebuffte europäische Topteams trifft, wie es der FC Porto in dieser Saison eines stellt. Zu sehen war dies nicht allein, aber exemplarisch an Finn Jeltsch, der erst 19 ist. Der Innenverteidiger entwickelte diesmal nicht die nötige Griffigkeit im Zweikampf, besaß oft nicht das richtige Timing – und wandelte dicht an der Gelb-Roten Karte, ehe ihn Hoeneß nach 69 Minuten lieber vom Platz nahm.
Es braucht also gerade bei Niederlagen noch die schützenden Hände des Trainers, die Hoeneß gerne über seinen Profis ausbreitet. Also sprach er seinen Jungs auch gegen den FC Porto „ein großes Kompliment“ aus – „für einen sehr mutigen Auftritt gegen eine sehr gute, erfahrene und abgezockte Mannschaft auf der anderen Seite“. Schließlich sei die Erwartung an seine Spieler erst mal, dass sie alles reinhauen würden. „Und das haben wir heute auch getan.“
Wie Jeff Chabot (im Hintergrund) hatte auch Torwart Alexander Nübel seinen Anteil an den Gegentoren des VfB gegen den FC Porto. Foto: Baumann/Alexander Keppler
Was Hoeneß allerdings richtig fuchste, das waren „diese ärgerlichen acht Minuten“. Gerade daraus müsse man schnell lernen. Da war etwa der Fehler vor dem 0:1 (21.), als eines von zahlreichen schwachen Anspielen des Torhüters Alexander Nübel beim Gegner landete. Dann patzte Innenverteidiger Jeff Chabot vor dem 0:2 (27.) mit einem üblen Querpass.
Doch sein Team, wer wüsste es besser als Hoeneß, kann es besser. „Schaun wir mal, wie die Analyse nach den 90 Minuten von Porto ausschaut“, erklärte der Chefcoach daher: „Wir haben mit einem Tor verloren. Das hätten wir uns anders gewünscht. Aber wir haben gezeigt, dass wir ihnen über einen sehr lange Zeitraum richtig Paroli bieten können.“ Und so sind dem VfB-Coach im Stile des Herausforderers auch „ein paar Dinge im Hinterkopf hängengeblieben – und die holen wir dann zur richtigen Zeit wieder raus“.
Denn zunächst geht es am Sonntag (19.30 Uhr) in der Bundesliga erneut zu Hause im Duell Vierter gegen Fünften gegen den RB Leipzig, ehe die Reise an die portugiesische Westküste ansteht. „Wenn man die Wettbüros fragt, sind die Chancen auf ein Weiterkommen wahrscheinlich nicht groß“, erklärte Sebastian Hoeneß: „Ich kann dagegen keine Prozentzahl nennen. Aber ich kann sagen, dass wir ganz sicher nicht zu unterschätzen sein werden am nächsten Donnerstag.“