Der Frust über das deutliche 1:4 gegen Paris Saint-Germain steckt noch ein wenig in den Klamotten – doch die Volldampfwochen beim VfB gehen fürs Erste wie gewohnt weiter. Nur drei Tage nach dem ernüchternden Aus in der Champions League steht an diesem Samstag (15.30 Uhr) das Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach an, nächsten Dienstag geht es im Pokal-Viertelfinale gegen den FC Augsburg, dann in der Liga zu Borussia Dortmund.
Und doch ist dieser Tage etwas anders beim VfB: Das Aus in der Königsklasse stellt dabei weniger für die Beine, als vielmehr für die Köpfe der Spieler eine echte Herausforderung dar. Gegen Paris war das Kollektiv des Vizemeisters der Aufgabe auf allerhöchstem Niveau nicht gewachsen. Die Zukunftsfrage lautet nun: Wird das Team gegen Gladbach trotz der herben Zäsur schnell genug für den Alltag bereit sein?
„Ich bin da sehr positiv“, sagt Sebastian Hoeneß, der trotz der Klarheit der Niederlage gegen PSG nicht glaubt, dass sein Team tief im Keller der Emotionen verharren wird. „Die Mannschaft war erschöpft, aber nicht am Boden zerstört. Ich hatte einen guten Eindruck“, berichtet der Trainer über die Reaktion seiner Spieler: „Die Stimmung war angemessen, authentisch und auch energisch. Ich spüre da trotz des Ergebnisses eine hohe Motivation.“
Auch zwei Tage nach dem Aus ist der VfB-Chefcoach auf der Pressekonferenz vor dem Gladbach-Spiel noch immer schwer angetan vom Galaauftritt des französischen Meisters – will aus diesem aber Kraft für sein eigenes Team ziehen. „Das Spiel des PSG ist fast schon eine Inspiration für uns gewesen, das war eine Weltklasseleistung in vielen Bereichen – nicht nur von der individuellen Klasse her, sondern auch vom Gesamtauftritt.“ Eine Blaupause für den erfolgreichen Umgang mit einer Drucksituation also. Schließlich wäre ein eigenes Ausscheiden für das Team von Trainer Luis Enrique nicht weniger als ein Debakel gewesen.
Keine Vorwürfe vom Trainer
Wird der VfB also an der Niederlage wachsen? „Wir waren enttäuscht. Jetzt geht es aber weiter“, richtet Hoeneß den Blick nach vorne: „Ich mache den Jungs überhaupt keinen Vorwurf und bin eher stolz, dass wir in der Lage waren, in der Champions League diese Rolle zu spielen.“
Seine Profis hat der Trainer dennoch erst mal ein wenig in Ruhe gelassen. Auch für die Reservisten blieben am Donnerstag die Bälle im Schrank. Erst an diesem Freitagnachmittag hat der Coach dann mit ersten Bildern und Analysen vom Spiel die Aufarbeitung begonnen – und zeitgleich die Vorbereitung für die Gladbach-Partie eingeleitet. Viel Zeit gibt es nicht. Gegen die Fohlen hatte es im Hinspiel nach schwachem Beginn auch dank eines Doppelpacks von Ermedin Demirovic einen 3:1-Auswärtssieg gegeben.
Hoeneß selbst hatte sich die Partie gegen Paris bereits zeitnah angesehen. „Dabei sind bei mir ganz andere Emotionen entstanden als Enttäuschung“, sagt der 42-Jährige: „Nämlich ein großer Ansporn und die Motivation, uns in bestimmten Dingen zu verbessern.“ Tatsächlich kann der VfB gerade aus den Spielen auf internationalem Parkett eine Menge neuer Erfahrungen ziehen. So waren die Spieler des PSG von dem Moment an, in dem es zählte, wacher, abgeklärter und entschlossener. Das hat viel mit fußballerischer Reife zu tun.
„Wir haben eine sehr junge Mannschaft, mit der wir zuletzt durch den engen Terminkalender nie konzentriert auf dem Platz arbeiten konnten. Es geht nun auch darum, aus dem Erlebten die richtigen Schlüsse zu ziehen, Dinge für die Spieler positiv zu entwickeln“, sagt Hoeneß, der mit seinem Kader bei bisher 31 Pflichtspielen, davon 16 auswärts, bislang rastlos durch die Saison eilt. International erfahrenere Teams, etwa der FC Bayern oder Leverkusen, stecken dieses Defizit besser weg.
Doch die Stuttgarter dürfen in dieser Hinsicht aufatmen. So wird die kommende auch gleichzeitig die vorerst letzte englische Woche für lange Zeit sein. Allein wenn der VfB ins Pokal-Halbfinale einziehen würde, ginge es Anfang April noch ein einziges und letztes Mal Schlag auf Schlag.
„Wir wollen gegen Gladbach unsere Ausgangslage verbessern. Das ist das Ziel“, sagt Hoeneß vor dem Spiel gegen den Tabellen-Achten, der mit 27 Punkten auch ein Konkurrent im Rennen um die internationalen Töpfe ist. Klar ist längst: „Wir haben Blut geleckt“, sagt Hoeneß. Ein Platz in der Europa League, am liebsten aber erneut in der Champions League, ist neben dem Pokal somit das Ziel des VfB. Als Tabellenvierter liegt man hierbei auf Kurs. „Wir werden versuchen, über einen richtigen Kraftakt gegen Gladbach ein gutes Spiel zu machen.“