Trainer des VfB Stuttgart Was die Vertragsverlängerung von Sebastian Hoeneß bedeutet

Der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth (links) und der Cheftrainer Sebastian Hoeneß bestimmen den sportlichen Kurs beim VfB Stuttgart. Foto: Baumann/Julia Rahn

Der Chefcoach klärt seine Zukunft beim Bundesligisten vorzeitig – doch daraus ergibt sich auch eine Erwartungshaltung für die laufende Saison.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Sebastian Hoeneß fühlt sich am richtigen Ort. Denn knapp zwei Jahre nach seinem Amtsantritt herrscht bei dem Trainer nach wie vor die Überzeugung vor, dass beim VfB Stuttgart auf sportlicher Ebene viel möglich ist, es sich vielleicht jahrelang sogar um einen taumelnden Fußballriesen im Land gehandelt hat. Hoeneß hat den Bundesligisten dann wieder stabil auf die Beine gestellt – vom Tabellenletzten über die erfolgreiche Relegation bis zur Vizemeisterschaft verliefen die ersten Etappen. Und jetzt lässt es sich so ausdrücken: Trotz Champions-League-Teilnahme ist Hoeneß mit dieser VfB-Mannschaft noch nicht fertig, und die Mannschaft ist mit diesem Trainer auch noch nicht am Ende ihrer Entwicklung.

 

Alles positiv gemeint, weshalb Hoeneß und der VfB weiter zusammenwachsen. Der Chefcoach hat seinen Vertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2028 verlängert, ohne Ausstiegsklausel. Dafür gibt es jedoch mehr Geld. Und der Zeitpunkt der Einigung hat sicher auch ein paar Euro gekostet. Im sportlichen Abwärtstrend, aber vor einer wichtigen vereinspolitischen Zusammenkunft. Das Bekenntnis zu den Stuttgartern wurde dann schön auf der Mitgliederversammlung inszeniert, um die Stimmung zu heben. Per Video verkündete der neue Stadtheilige die Botschaft selbst und sie wurde freudig von den Fans aufgenommen. Mit Hoeneß wird der Aufschwung des VfB eng verbunden. Das wissen auch die Verantwortlichen.

Die Rollen von Alexander Wehrle und Fabian Wohlgemuth

Der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle und der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth haben – allen Spekulationen zum Trotz – im Hintergrund Gespräche mit der Hoeneß-Fraktion geführt und die Voraussetzungen für ein weiteres Engagement geschaffen. „Wir haben jetzt vertraglich besiegelt, was auf inhaltlicher und auch zwischenmenschlicher Ebene ja immer klar war. Der VfB und Sebastian Hoeneß passen ideal zusammen“, sagt Wohlgemuth. Hoeneß betont: „Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen um Alex Wehrle, Fabian Wohlgemuth und (Sportdirektor) Christian Gentner war von Anfang an sehr vertrauensvoll.“

Das gibt Planungssicherheit, die auf Vertrauen basiert – auf allen Seiten. „Das Statement unseres Trainers zeugt auch von Vertrauen in die Entwicklungsfähigkeit des Fußballstandortes Stuttgart, auch wenn Sebastian bei vielen unserer Konkurrenten in den vergangenen Monaten Gesprächsthema gewesen ist“, sagt Wohlgemuth. Beim VfB gilt Hoeneß zudem nicht nur als der Mann, der den Club aus den Niederungen der Tabelle geholt hat, sondern ebenso als der Mann, der dem schwäbischen Fußballstolz wieder eine spielerische Identität gegeben hat.

Nicht allein hat das Hoeneß bewerkstelligt. W&W waren auf ihren Themenfeldern maßgeblich daran beteiligt. Wehrle für den großen Rahmen, Wohlgemuth für den Kader. „Sebastian ist ein Teamplayer, der unsere langfristigen sportlichen Ziele in die Mannschaft und auf den Platz trägt“, sagt der Sportchef. Dazu wurden teure Transfers und kostspielige Vertragsverlängerungen beispielsweise mit Nationalspielern wie Deniz Undav und Angelo Stiller ermöglicht. Wenn man so will, ist der VfB in Vorleistung gegangen, um seinen Trainer zu halten – woraus sich eine Erwartungshaltung ableiten lässt.

Der VfB strebt danach, erneut auf die internationale Bühne zu kommen. Das formuliert zwar niemand offensiv, doch es entspricht den Ansprüchen des Traditionsvereins – und ebenso den Ambitionen des Trainers und der Spieler. Mit diesem Personal sollte das Ganze umsetzbar sein, immerhin gehören 15 Nationalspieler zum weiß-roten Team. „Wir wollen nachhaltig zur Spitzengruppe der Bundesliga aufschließen, und uns weiter mit attraktivem Fußball profilieren“, sagt Wohlgemuth.

Verstärkungen in der Spitze sind gefordert

Beide Ziele haben die Stuttgarter in der laufenden Saison zwar noch vor Augen, aber in den vergangenen Wochen haben sie sich aus Mangel an Leistungskonstanz und aufgrund einer Ergebniskrise davon entfernt. Tabellenplatz zehn heißt es aktuell im März statt Platz vier noch im Januar. Niemandsland statt Champions-League-Rang. Dabei wäre es für den VfB gut möglich gewesen, sich oben zu halten. Was auch mit der Trainerarbeit zu tun hat, da zuletzt eine Reihe von prominenten Spielern nicht auf ihrem höchstem Niveau agierten und die Mannschaft reichlich Punkte verschenkte.

Wie beim fast schon dramatischen 3:4 gegen Bayer Leverkusen. Ein Spiel, das nachwirken könnte. Auch aufgrund der umstrittenen Wechsel, die Hoeneß während des Heimspiels gegen den Doublegewinner vollzogen hat. Nach der Länderspielpause richtet sich der Blick jedoch nach vorne. Am Samstag (18.30 Uhr) steht die Partie bei Eintracht Frankfurt an. Wieder ein Topgegner, wieder eine richtungsweisende Begegnung.

„Auf allen Ebenen im Verein wollen und müssen wir weiter alles geben, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Dazu gehört auch, unsere Mannschaft weiterzuentwickeln und zu verstärken“, sagt Hoeneß. Mehr Führung auf dem Feld benötigt die VfB-Elf in schwierigen Phasen. Das ist klar geworden, nachdem Waldemar Anton und Serhou Guirassy (beide Borussia Dortmund) gegangen sind. Nur zeitweise waren diese Lücken zu schließen, weshalb sich die Stuttgarter wieder besser in der Spitze ihres Kaders aufstellen wollen. Breit genug ist er ja, wie die belastenden Monate in der Königsklasse gezeigt haben.

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