Trainer Pep Guardiola von Manchester City Warum die Zweifel am Fußballguru wachsen

ManCity-Coach Pep Guardiola erlebt die nächste Pleite in der Champions League. Foto: imago/Panoramic

Erneut ist Manchester City in der Champions League frühzeitig gescheitert, diesmal gegen den französischen Außenseiter Olympique Lyon. Trägt daran der Startrainer Pep Guardiola die Schuld?

Lissabon/Stuttgart - Die Ohnmacht eines Fußballtrainers kann kaum größer sein als am Samstagabend um 21.44 Uhr Ortszeit im Estadio José Alvalade von Lissabon. 85 Minuten sind vergangen im Viertelfinale der Champions League zwischen Manchester City und Olympique Lyon, als Raheem Sterling fünf Meter vor dem leeren Tor der Franzosen steht und den Ball nur noch zum 2:2-Ausgleich über die Linie drücken muss. Doch schießt der englische Nationalspieler im Stile eines Thekenkickers drüber. Im Gegenzug folgt die Entscheidung, das dritte Tor für Lyon – ermöglicht durch eine weitere haarsträubende Fehlleistung, diesmal vom brasilianischen Schlussmann Ederson.

 

Verzweifelt sinkt Pep Guardiola (49), der Trainerguru von Manchester City, am Spielfeldrand in die Knie – nicht zum ersten Mal an diesem Abend, den er lange nicht vergessen wird. Geplatzt ist nach dem 1:3 (0:1) auch in diesem Jahr der Traum vom erneuten Gewinn der Champions League, dem der vom Ehrgeiz zerfressene Fußballrevolutionär aus Katalonien seit 2011 hinterherrennt. „Wir haben Fehler gemacht, wir sind draußen, wir müssen das akzeptieren“, sagt Guardiola. Er ist am Boden zerstört.

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Nach 14 Titeln innerhalb von vier Jahren, darunter zwei Champions-League-Triumphe, hatte sich Pep Guardiola 2012 vom FC Barcelona verabschiedet, um im Anschluss an ein Sabbatjahr auch das Ausland zu missionieren. Drei deutsche Meisterschaften und zwei Pokalsiege holte er in seinen drei Jahren beim FC Bayern. Sogar acht nationale Titel häufte er seither in vier Jahren bei Manchester City an. Doch ist sein Hauptauftrag bei beiden Clubs ein anderer gewesen.

Über das Viertelfinale ist Guardiola mit ManCity noch nicht hinausgekommen

Es sind nicht weitere Meisterschaften oder Ligapokale, die den FC Bayern und ManCity in erster Linie interessieren – was wirklich zählt, ist die Champions League. Mit den Münchnern schaffte es Guardiola bei seinen drei Versuchen immerhin jedes Mal ins Halbfinale; mit den Citizens scheiterte er zum dritten Mal hintereinander bereits in der Runde der letzten acht, nachdem sein Team in seiner Premierensaison auf der Insel nicht einmal das Achtelfinale überstanden hatte.

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Nicht nur in den Augen von ManCity-Eigentümer Scheich Mansour, der mittlerweile 1,5 Milliarden Euro investiert haben soll, damit der Club zum ersten Mal in seiner Geschichte den Henkelpott gewinnt, ist es eine katastrophale Bilanz, eine Schmach. Genauso wird es auch Guardiola selbst sehen, dessen Streben nach dem perfekten Spiel keine Grenzen kennt.

Jetzt ist es ausgerechnet dieser Perfektionismus, der dem Trainer bei der ersehnten Rückkehr auf den europäischen Fußballthron im Wege zu stehen scheint. Als „Overthinking“ bezeichnen sie in England nicht erst seit der Pleite gegen Lyon das Phänomen, dass sich Guardiola in den entscheidenden Spielen der Königsklasse zu viele Gedanken macht, die Dinge unnötig verkompliziert und dabei schwere taktische Fehler begeht. Dass er gegen den krassen Außenseiter von Olympique Lyon, den Tabellensiebten der vorzeitig beendeten Ligue 1, drei Innenverteidiger und vier weitere Defensivspieler aufstellte, nahm der eigenen Mannschaft die Stärken und baute den Gegner sichtbar auf. „Wir haben die taktische Schlacht gewonnen“, jubelt hinterher Lyons Trainer Rudi Garcia. Er ist es, der sich nun auf das Halbfinale gegen die Bayern freuen darf, das eigentlich Guardiola vorbehalten schien.

„Wie oft noch, Pep, wie oft?“, fragt der „Guardian“

Es ist nicht das erste Mal, dass dem Champions-League-Aus seiner Mannschaft das böse Etikett „vercoacht“ anhaftet. „Alle Trainer machen mal Fehler“, musste Guardiola bereits 2017 einräumen, als er in seiner ersten Champions-League-Kampagne in Diensten von Manchester City sein Team nach einem 5:3-Hinspielsieg gegen AS Monaco im Rückspiel zu offensiv aufgestellt und mit 1:3 verloren hatte. „Wie oft noch, Pep, wie oft?“, fragt nun der „Guardian“ den Spanier, „der noch immer versucht Wege zu finden, seine eigenen Ängste und seinen manischen Intellektualismus“ in solche entscheidenden K.-o.-Spiele einzubringen. Einfacher drückt es Kevin de Bruyne aus, der ehemalige Bundesligastar im Trikot von Manchester City: „Es ist ein anderes Jahr, aber dieselbe Geschichte.“

In der neuen Saison will Guardiola einen neuen Anlauf nehmen – „wir werden es wieder versuchen“. Der gesamte Club ist auf ihn ausgerichtet, eine vorzeitige Trennung scheint daher kein Thema – auch nicht nach dieser frustrierenden Corona-Saison, in welcher der Ligapokal der einzige Titel geblieben ist. Als größten Erfolg darf es der Scheichclub verbuchen, dass der Internationale Sportgerichtshof (Cas) die zuvor von der Uefa wegen Verstößen gegen das Financial Fair Play verhängte zweijährige Sperre für alle europäischen Wettbewerbe aufgehoben hat.

Das umstrittene Urteil erlaubt es Pep Guardiola, nicht nur wieder in der Champions League zu starten – nein, noch besser: Der Teammanager kann auch wieder nach Herzenslust investieren.

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