Trainer Sebastian Hoeneß 1000 Tage VfB – und kein Ende in Sicht

Erfolgstrainer Sebastian Hoeneß. In unserer Bildergalerie blicken wir auf Meilensteine seiner 1000 Tage als VfB-Trainer zurück. Foto: IMAGO/Michael Weber

1000 Tage als VfB-Trainer haben nicht viele geschafft. Sebastian Hoeneß wird die Marke überspringen und hat gute Chancen, bald weitere prominente Vorgänger zu überholen.

Sport: Gregor Preiß (gp)

„1000 Tage“, findet Sebastian Hoeneß, „hört sich absurd an“. Fast drei Jahre. So lange ist der 43-jährige Münchner inzwischen als VfB-Trainer im Amt. Richtigerweise stellt er fest: „Im Fußballgeschäft ist das nicht selbstverständlich.“ Schon gar nicht beim schwäbischen Traditionsverein, wo sich die Halbwertszeit von Übungsleitern in der Vergangenheit häufig auf einen einstelligen Monatswert beschränkte.

 

„Im Fußballgeschäft ist das nicht selbstverständlich“

Dem früheren Jugendspieler des VfB bedeuten die 1000 Tage nach eigenem Bekunden „unglaublich viel. Ich bin sehr sehr gerne hier. Das habe ich schon am ersten Tag gespürt. Und am 1000. Tag (dem 28.12., Anm. d. Red.) wird es noch mehr sein.“ Damit rangiert Hoeneß im Amtszeit-Ranking jener Trainer, die den VfB seit Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 trainierten, auf dem siebten Platz – Kurt Baluses (1960-1965) inklusive Oberliga-Zeiten ausgenommen. Hoeneß wird Arie Haan mit 999 Tagen überholen, in Kürze werden weitere prominente Vorgänger folgen. Vorausgesetzt, der Mann mit dem Käppi setzt die Rückrunde nicht komplett in den Sand und bekommt von seinen Vorgesetzten den Stuhl vor die Tür gesetzt, könnte er im Sommer sogar zur Nummer eins aufsteigen. 183 Tage fehlen noch bis zu Felix Magath (2001-2004).

Mit seiner unaufgeregten Art hat der Coach Mannschaft und Umfeld im Griff. Dabei schlug Hoeneß anfangs vor allem Skepsis entgegen. Mit der TSG Hoffenheim erlebte er nach anfänglichen Erfolgen den Totalabsturz. Dazu der Name. Mit Hoeneß verbinden die meisten VfB-Fans in erster Linie Onkel Uli und den FC Bayern und weniger Vater Dieter. Hinzu kam nach dem Fehlgriff mit Bruno Labbadia das damals kaum vorhandene Zutrauen in Clubchef Alexander Wehrle. Wo soll das nur enden? Der VfB war Tabellenletzter. Doch dann kam alles anders.

Skeptische Blicke: Sebastian Hoeneß bei seiner Vorstellung inmitten von Sportvorstand Fabian Wohlgemuth (li.) und Vorstandschef Alexander Wehrle Foto: IMAGO/Sportfoto Rudel

Die Anfangszeit:

Erstes Spiel, erster Sieg. Ein 1:0 in Nürnberg im Pokal. Wichtig, aber noch wichtiger war wenige Tage später der 3:2-Sieg in der Bundesliga beim Abstiegskonkurrenten aus Bochum. Trotz Abstiegskampf vermittelte Hoeneß der verkrampften Mannschaft eine gewisse spielerische Leichtigkeit und schaffte es bis in die Relegation. Überraschend chancenlos ließ der VfB den Hamburger SV in der Zweitklassigkeit zurück.

Die Sensationssaison:

Von Rang 16 auf Platz zwei: Das hat vor dem VfB Stuttgart in der Geschichte der Fußball-Bundesliga noch niemand geschafft. Mit ausgeprägtem Ballbesitzfußball und klugem Positionsspiel – und einem Top-Torjäger Serhou Guirassy – machte Hoeneß den VfB zum Vizemeister. Vor den Bayern! Stuttgart im Rausch. Champions League! Zum ersten Mal nach 14 Jahren. Wo sollte das nur hinführen?

Ernüchterung:

Nun. Auch Sebastian Hoeneß und der VfB Stuttgart mussten die Grenzen des Big Business erkennen. In Guirassy, Waldemar Anton und Hiroki Ito schlossen sich gleich drei Stützpfeiler des schnellen Erfolgs gewachsenen Top-Clubs an. Die Weiß-Roten verpassten knapp, unglücklich und auch ein wenig dämlich die K.o.-Phase der Champions League. Sinnbildlich war das 1:5 von Belgrad. Ein katastrophaler Auftritt, bei dem sich die Stuttgarter bis aufs Hemd auskontern ließen. Aber auch schnell daraus lernten. Eine echte Krise entwickelte sich in 1000 Tagen Hoeneß nie. Die Bundesligasaison endete mit Platz neun dennoch einigermaßen enttäuschend. In Erinnerung bleiben sechs Heimniederlagen am Stück. Das gab es noch nie.

Hoeneß könnte im Sommer der VfB-Trainer mit der längsten Amtszeit sein

Der Triumph:

Dafür gab es am Ende das: Den Pokalsieg. Der erste Titel seit der Meisterschaft 2007. Dass bei den Gegnern aus Münster, Kaiserslautern, Regensburg, Augsburg, Leipzig und Bielefeld mit Ausnahme von Leipzig eine Niederlage einer Blamage gleichgekommen wäre, ist nur ein Argument von Nörglern. Titel ist Titel. Entsprechend verliefen die Feierlichkeiten – auch beim nach außen oft etwas spröde wirkenden Hoeneß.

Die Fortsetzung:

Zum Jahresende 2025 steht der VfB nicht überragend, aber insgesamt doch gut da. Platz sechs in der Liga, in der Europa Legaue die direkte Qualifikation für das Achtelfinale vor Augen, im DFB-Pokal das Erreichen des Halbfinals (ein Sieg beim Zweitligisten Holstein Kiel vorausgesetzt) – das alles kann sich sehen lassen. Hoeneß’ Versprechen: „2026 greifen wir voll an.“

Behält er seinen Punkteschnitt von 1,85 bei – einer der Besten unter allen bisherigen VfB-Trainern – könnte die Saison auch noch mit einem persönlichen Triumph von Hoeneß enden: und zwar Trainer mit der längsten Amtszeit auf dem einstigen Schleudersitz zu sein.

In unserer Bildergalerie blicken wir auf 1000 Tage Sebastian Hoeneß in Stuttgart zurück. Viel Spaß beim Durchklicken!

 

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