Trainer Thomas Siegmund wechselt Von SV Böblingen zu VfL Sindelfingen – alles eine Frage der Perspektive(n)

Der Wechsel von Trainer Thomas Siegmund von der SV Böblingen zum VfL Sindelfingen hat viele aus den Sesseln gehauen. Foto: Eibner/Stefan Rosenfelder

Wer wissen will, warum Thomas Siegmund innerhalb der Fußball-Landesliga, Staffel II, von SV Böblingen zu VfL Sindelfingen wechselt, muss zwischen den Zeilen lesen, meint unser Autor.

Trainer Thomas Siegmund wechselt mit sofortiger Wirkung von der SV Böblingen zum VfL Sindelfingen. In ihrem auf den üblichen Social-Media-Kanälen veröffentlichen Statement dazu schreibt die SV Böblingen, die Presseberichterstattung zu dem Wechsel sei „teilweise irritierend“ gekommen. Ob sie damit die Aktualität der Berichterstattung noch am selben Abend, als es die Mannschaft erfuhr, meint oder Teile der Inhalte, bleibt unklar.

 

Egal, wie es gemeint war: Es wirkt wie der Versuch, mittels einer reflexartigen und sinnbefreiten Medienschelte von den Problemen vor der eigenen Haustüre abzulenken. Irritierend – oder zumindest in hohem Maße überraschend – sind der Wechsel des Trainers an sich und sein Zeitpunkt nämlich wirklich. Denn so sehr die Beteiligten auch um positive Formulierungen bemüht sind, einen Wechsel, der für viele Außenstehende aus dem Nichts kam, als absolut normales Prozedere darstellen, so sehr drängen sich auf der anderen Seite auch Fragen auf.

SV Böblingen und VfL Sindelfingen – nicht nur örtlich direkte Nachbarn

Da wechselt ein Trainer mitten in der Saison zum unmittelbaren Nachbarn. Nicht nur örtlich gesehen, sondern auch tabellarisch, denn Thomas Siegmund zieht es vom Neunten der Landesliga, Staffel II, zum momentan gerade mal zwei Punkte besser dastehenden Achten. Vom Neunten der Vorsaison zum Elften der Vorsaison. Der Coach selbst spricht in diesem Zusammenhang trotz der Zahlen von der „langfristig guten Perspektive“, die er beim VfL Sindelfingen sieht. Im Umkehrschluss fragt sich vermutlich jeder, der zwischen den Zeilen lesen kann, ob er diese langfristig gute Perspektive bei der SV Böblingen eben nicht gesehen hat.

Bei der Hallenfußball-Gala im Sindelfinger Glaspalast wird Thomas Siegmund schon für den VfL Sindelfingen an der Bande stehen. Foto: Eibner/Tobias Baur

Und genau das scheint der Fall zu sein, wenn man das hört, was Insider immer wieder erzählen. Strukturell scheint es in der Fußballabteilung der SV Böblingen trotz des jahrelangen Konsolidierungsprozesses immer noch nicht zu passen. Hinter den Kulissen blieben dem Vernehmen nach viele Aufgaben am Trainer hängen, für die dieser eigentlich gar nicht zuständig ist.

Die Anziehungskraft des VfL Sindelfingen mit seinen nahezu professionellen Strukturen dürfte also nur einer der Faktoren bei diesem Wechsel von Thomas Siegmund sein. Ein anderer Faktor scheint darüber hinaus aber die fehlende Attraktivität der SV Böblingen in dieser Hinsicht zu sein. Ein Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, wieder die Nummer eins im Kreis zu werden, hat da anscheinend noch massig Nachholbedarf. Ob das irritierend ist? Vielleicht. Auf jeden Fall ist es eine Frage der Perspektive(n).

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